27.05.2013

Einsatz für eine gerechte Weltwirtschaft

Faires Geld für gute Ideen

Seit über 30 Jahren unterstützt die internationale Genossenschaft Oikocredit kleine Unternehmen in rund 70 Entwicklungs- und Schwellenländern durch Darlehen mit günstigen Zinsen. Im vergangenen Jahr wurden 218 Millionen Euro ausgezahlt.

Familienbetriebe und kleine Unternehmen sind wirtschaftlche Grundlage in Entwicklungs- und Schwellenländern. Damit sie ihre Ideen umsetzen und erfolgreich arbeiten können, werden sie von der Genossenschaft Oikocredit unterstützt. Foto: Oikocredit

Am Anfang hatte er einen Traum, am Ende stand eine eigene Zuckerfabrik: „Wenn man sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für das Wohl der Gemeinschaft einsetzt, dann ist nichts unmöglich“, sagt Andrés Gonzales aus Paraguay. 15 Jahre hat er sich unermüdlich für seinen Traum eingesetzt, jetzt ist er Wirklichkeit geworden: Die Zuckerrohrbauer nin seiner Region werden Mitte dieses Jahres ihren eigenen Bio-Zucker vermarkten – unabhängig von Zwischenhändlern, unabhängig von hohen Transport- oder Lagerkosten. „Oikocredit hat an unseren Traum geglaubt und uns mit einem Kredit unterstützt“, freut sich Gonzales.

Die Situation vor Ort muss sich verbessern

So wie ihm geht es Jahr für Jahr vielen anderen kleinen Unternehmern, die mit ihren innovativen Ideen allzu oft an den kapitalorientierten Interessen der großen Geldgeber scheitern. Ob in Südamerika, Afrika, Asien oder Osteuropa: Überall dort hilft Oikocredit, dass gute Ideen umgesetzt werden können – zum Wohl von Menschen, deren unternehmerisches Engagement sonst kaum eine Chance hätte.
„Erstes Kriterium bei der Vergabe von Krediten ist für uns, dass sich die Situation von Familien oder kleinen Unternehmen spürbar verbessert“, sagt Thomas Michalski. Als ehemaliger Mitarbeiter einer Bank weiß der Hildesheimer, dass international agierende Finanzunternehmen kaum ein wirtschaftliches Interesse haben, solch relativ kleine, für den wirtschaftlichen Aufbau  vor Ort aber ungemein wichtige Infrastrukturen aufzubauen.

Darum engagiert sich Michalski seit seinem beruflichen Ruhestand in einem regionalen Förderkreis für Oikocredit. Die Genossenschaft mit dem Ziel einer gerechten Weltwirtschaft wurde 1975 auf Anregung des „Ökumenischen Rates der Kirchen“ gegründet und konnte seither tausende von Mitgliedern überzeugen: Privatpersonen mit einem eher überschaubaren finanziellen Einsatz von ein paar hundert Euro bis hin zu deutschen Diözesen, die mit hohen Anteilen die Idee unterstützen. Ihnen allen gemeinsam ist eins: Das investierte Geld soll natürlich Gewinn bringen – aber zu fairen Bedingungen.

„Durchsichtig und demokratisch

Wirtschaftlicher Erfolg, der messbar ist  – das ist eine Voraussetzung, wenn Oikocredit finanziell in die Bresche springt. „Es geht dabei nicht um Spenden für die Ärmsten der Armen. Im Zent­rum unserer Unterstützung steht sinnvolle Hilfe für innovative Geschäftsideen, die unmittelbar der Bevölkerung vor Ort nützen“, sagt Michalski. Das heißt: Wer Geld von Oikocredit bekommt, wird auch in die Verantwortung genommen. „Das sind wir unseren Genossenschaftsmitgliedern schuldig.“ Um Rechenschaft abzulegen,  veröffentlicht die Genossenschaft regelmäßig, wo und wie sie sich in welchem finanziellen Rahmen mit Erfolg engagiert. „Das ist durchsichtig und demokratisch“, ist Michalski überzeugt.

Stefan Branahl

 

Hilfe ganz praktisch: Was muss ich beachten, wenn ich die Genossenschaft Oikocredit unterstützen will? Fragen beantwortet Thomas Michalski vom Förderverein Niedersachsen/Bremen.

Wie kann ich Oikocredit unterstützen?

Thomas Michalski engagiert sich im
Förderverein Niedersachsen/Bremen
von Oikocredit. Foto: Branahl

Helfen Sie mit, das Oikocredit-Konzept bekannter zu machen! Entwicklungshilfe nicht durch Almosen, sondern durch Startkapital – basierend auf einer Geldanlage mit moderater Rendite, aber nachweislicher sozialer Wirksamkeit! Weisen Sie in Ihrem Bekanntenkreis auf Oikocredit hin – oder arbeiten Sie ehrenamtlich im Förderkreis mit. Oikocredit ist eine bescheidene Organisation mit winzigem Werbebudget. Wir setzen auf die Überzeugungskraft des persönlichen Gesprächs! Natürlich können Sie Oikocredit durch den Erwerb von Genossenschaftsanteilen unterstützen. Das ist ab 200 Euro möglich!

Welche Vorteile habe ich durch diese Form der Geldanlage?

1. Sicherheit: Durch die Eigenkapitalquote der Genossenschaft liegt sie nahe bei 100 Prozent (im Vergleich zu rund 10 Prozent bei Banken). Damit ergibt sich eine verantwortliche und partnerschaftliche Anlagestrategie für das anvertraute Geld – ohne Spekulation und Jagd nach hohen Renditen und durch eine breite, weltweite Risikostreuung! Allerdings gibt es keine staatliche Garantie wie bei einem Sparbuch.
2. Transparenz:  Jeder Anleger kann sich im Detail informieren, wie Oikocredit das Geld angelegt hat und welchen Partnern welche Darlehen gewährt wurden.
3. Soziale Wirksamkeit: Neben der bescheidenen Dividende von in der Regel 2 Prozent achtet Oikocredit vor allem darauf, dass die eingesetzten Mittel die Lebensverhältnisse der Menschen in der Dritten Welt verbessern. Das reicht vom Mikrokredit für Handwerker und Kleinbauern über die Entwicklung und Modernisierung landwirtschaftlicher Genossenschaften bis zum Aufbau von vertrauenswürdigen Banken für Arme. Erfolge zeigen sich aber oft erst mittelfristig!

Kann ich sicher sein, dass meine Genossenschaftsanteile in meinem Sinne eingesetzt werden?

Als Genossenschaft sind für Oikocredit eine hohe Transparenz und demokratisch legitimierte Gremien zur Ausrichtung und Kontrolle der Arbeit grundlegender Bestandteil der Kultur! Natürlich ist bei international 45 000 Anlegern die Einflussnahme des Einzelnen zwangsläufig begrenzt. Jeder hat aber vielfältige Informationsmöglichkeiten – regelmäßig werden sogar „Study Tours“ organisiert, in denen sich einige Anleger über Aktivitäten, Prob­leme und Ergebnisse vor Ort in den Entwicklungsländern ein Bild machen können.

Gehe ich als Genossenschaftsmitglied Verpflichtungen ein?

Für Einzelpersonen, die Genossenschaftsanteile erwerben, ist die Mitgliedschaft im Oikocredit Förderkreis obligatorisch (Beitrag 12 Euro/Jahr). Der Förderkreis ist ein gemeinnütziger Verein, der die Anteile seiner Mitglieder treuhänderisch verwaltet und die regionale Betreuung und Information der Anleger sicherstellt.  Darüber hinaus gibt es keine Verpflichtungen, aber natürlich sind die Dividenden auf die Genossenschaftsanteile als Kapitalerträge steuerpflichtig.

Wie schnell bekomme ich im Notfall mein Geld zurück?

Die Anteile sind eine mittel- bis langfristige Anlage, damit Oikocredit eine Planungsgrundlage für die Vergabe seiner Kredite hat. In der Praxis war es bisher immer möglich, abhängig von der angelegten Summe seine Einlage innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen zurückzuerhalten, weil Oikocredit ja auch ständig Gel­der von neuen Anlegern erhält. Fairerweise muss man aber auf eine „Notfallklausel“ in der Satzung hinweisen, die Oikocredit das Recht gibt, in besonderen Fällen die Rückzahlung bis zu fünf Jahre auszusetzen. Das ist aber in der über 30-jährigen Geschichte von Oikocredit nie vorgekommen!

Interview: Stefan Branahl

 

Weiterführende Informationen:

  • www.oikocredit.de
  • Mitglieder der regionalen Fördervereine für Niedersachsen/Bremen und Hamburg stehen für Informationsveranstaltungen zur Verfügung.