20.11.2011

Kommentar

Freitag ist fleischfrei!

Von Andreas Kaiser

Egal von welcher Seite man es auch betrachtet: Unser Fleischkonsum lässt sich kaum noch schönreden. Das Bild vom fröhlich quiekenden Landschwein ist in den allermeisten Fällen eine Marketinglüge. 90 Prozent der Nutztiere wachsen heute nicht mehr auf der grünen Wiese auf, sondern dicht an dicht gedrängt in künstlich beleuchteten Ställen. Ferkeln werden, um Kannibalismus in der Massentierhaltung vorzubeugen, ohne Narkose die Schwänze kupiert. Allein in Deutschland werden 50 Millionen Küken pro Jahr vergast, nur weil sie das falsche Geschlecht haben.
Die Praktiken der industriellen Tierzucht widersprechen oft nicht nur jedweder Ehrfurcht vor dem Leben, der Schöpfung. Der immense Fleischkonsum in den Industrieländern ist auch eine wesentliche Ursache des Hungers in der Dritten Welt. Tierfuttermittel (meist gentechnisch verändertes Soja) und Agrartreibstoffe lassen wir meist dort produzieren, wo die Not der Menschen am größten ist. Dafür opfern wir sogar das wertvollste Ökosystem, das die Erde je zu bieten hatte: den tropischen Regenwald.

Billigfleischimporte aus der EU zerstören die Lebensgrundlage afrikanischer Bauern. Unser Essen ist nicht nur ökologisch und sozial ein Sündenfall, sondern auch gesundheitlich. Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Gicht und sogar Krebs werden von einem zu hohen Fleischkonsum begüns-tigt. Zudem fällt es schwer, von Fastfood geformte Körper noch als Tempel Gottes zu bezeichnen. Leider ist auch Fisch – in Zeiten zunehmender Überfischung sämtlicher Gewässer – keine echte Alternative. Wer einmal eine trockengelegte Garnelenfarm in Thailand gesehen hat, weiß, dass auf solchen Böden lange Zeit nichts mehr wächst. Beim Fleischkonsum wird uns Menschen angesichts des immensen Bevölkerungswachstums schon bald nichts anderes übrigbleiben, als radikal umzudenken.

Wir Christen könnten da vielleicht den Anfang machen, in dem wir eine Tradition wiederbeleben, die zuletzt immer mehr in Vergessenheit geraten ist. Freitag ist fleischfrei! Zumindest an dem Tag, an dem Christus gekreuzigt wurde, könnten wir aktiv werden gegen die Passion unseres Planeten. Das wäre – global betrachtet – zwar nicht viel. Aber es wäre ein Anfang. Immerhin. Vor allem Männer sollten sich anstelle von Currywurst oder Hamburgern öfter mal Getreide, Obst und Gemüse durch den Magen gehen lassen. Sie essen, das belegen Studien, doppelt so viel Fleisch wie Frauen.