13.11.2014

Debatte zur Sterbehilfe im Bundestag

Gefährliche Richtung

Der Bundestag debattiert ein erstes Mal zur rechtlichen Regelung der Sterbehilfe – ein heikles Thema mit vielen Meinungen. Ein Kommentar von Ulrich Waschki.

Dürfen Ärzte Menschen bei der Selbsttötung helfen? Dürfen sich Menschen in Vereinen zusammenschließen, um sich bei der Selbsttötung zu helfen? Das sind im Kern die Fragen, mit denen sich seit dieser Woche der Bundestag offiziell beschäftigt. Mit einer Orientierungsdebatte hat das parlamentarische Verfahren begonnen, an dessen Ende im Herbst 2015 eine Neuregelung der Suizidbeihilfe stehen soll.

Öffentlich scheinen derzeit die Positionen die Oberhand zu haben, die auf Selbstbestimmung setzen. Wer sterben will, soll dies auch tun können. Ärzte sollen dabei helfen. Eine gefährliche Richtung.

Richtig ist, dass Menschen Angst vor dem langsamen und qualvollen Sterben haben. Dieser Angst müssen wir als Gesellschaft begegnen. Aber nicht durch einen scheinbar bequemen Ausstieg nach dem Motto „Du hast es in der Hand“ und „Das muss doch nicht sein“. Ein Blick nach Belgien und in die Niederlande reicht, um zu sehen, wohin die Entwicklung führt. In den Niederlanden gibt es mobile Sterbehilfeteams – hier geht es nicht mehr nur um die Beihilfe zur Selbsttötung etwa durch das Bereitstellen tödlicher Medikamente, sondern um aktives Töten auf Verlangen. Auch Sterbehilfe für Kinder – in den Niederlanden und in Belgien möglich. Schon wird in Belgien diskutiert, ob nicht auch Demenzkranke Sterbehilfe bekommen sollten.

Wird erst einmal die organisierte oder ärztliche Sterbehilfe legal, kommt bald der nächste
Schritt. Alles im Sinne der Selbstbestimmung. Und gleichzeitig wächst der Druck in einer Gesellschaft, die auf diese Weise klarmacht, dass krankes und schwaches Leben doch nicht lebenswert ist.

Hoffentlich setzen sich in Berlin jene durch, die der Sterbehilfe einen Riegel vorschieben wollen. Die Kirchen könnten das unterstützen. Aber nicht, indem sie nur mit erhobenem Zeigefinger wie in diesen Zeilen vor den Folgen warnen und die Unverfügbarkeit menschlichen Lebens betonen. Sondern besser, indem sie der Diskussion eine andere Richtung geben und die Sorge um den guten Tod, die menschlichen und medizinischen Möglichkeiten der Begleitung nach vorne stellen.

Nicht (nur) über das sprechen, was nicht sein soll, sondern die bessere Alternative vorstellen. Das wäre doch eine gute Idee für die Woche für das Leben im nächsten Frühjahr – eine professionelle Kampagne für das Leben bis zum Ende. Denn darum muss es uns gehen – den letzten Weg würdevoll und menschlich zu gestalten, aber nicht einfach den Giftbecher hinzustellen.