09.11.2011

Gibt es Regeln für die Namenswahl des Papstes?

Kann es sein, dass die Namen von Aposteln bei der Namenswahl der Päpste tabu sind? Es gibt zum Beispiel keinen Michael, Georg, Andreas, allerdings Paul, Johannes. Gibt es irgendeine „Regel“?
K. C., Mönchengladbach

Ein Papst ist frei, nach seiner Wahl seinen Taufnamen oder einen anderen Namen als Papstname zu wählen. Die ersten Päpste behielten ihren Taufnamen bei. Erst als 533 ein Mercurius Papst wurde, der den Namen eines römischen Gottes trug, änderte er seinen Namen zu Johannes II. Um die erste Jahrtausendwende wurde es üblich, den Namen zu ändern, auch um damit zum Ausdruck zu bringen, dass der Papst ein „anderer Mensch“ geworden sei. Parallelen zur Ordenspraxis, beim Klostereintritt einen anderen Namen zu erhalten, sind umstritten.

Manche Päpste wollten mit der Wahl ihres Namens bestimmte Vorgänger oder Heilige ehren. Papst Benedikt XVI. bezog sich neben seinem Vorgänger Benedikt XV. auch auf den Patron Europas, den heiligen Benedikt von Nursia. Papst Johannes Paul I. ehrte mit der doppelten Namenswahl seine beiden Vorgänger, die Konzilspäpste Johannes XXIII. und Paul VI.

Die Namen der zwölf Apostel, die Namen der vier Evangelisten, der Erzengel oder des heiligen Joseph sind bisher aus Respekt vor deren besonderer Bedeutung nicht gewählt worden. Besonders gilt dieser Respekt für den Ehrennamen „Petrus“, der dem Simon von Jesus selbst verliehen wurde. Der heilige Papst Marcus (336) hieß mit Taufnamen schon so, ist also keine Wahl nach dem Evangelisten Markus. Päpste, die mit Taufnamen Petrus hießen, änderten dagegen ihre Namen nach der Wahl. Der Papstname Johannes geht auf Johannes den Täufer zurück, nicht auf den Evangelisten Johannes.
Ein ausdrückliches Verbot einer bestimmten Namenswahl gibt es nicht. Seit der ersten Jahrtausendwende haben nur noch drei Päpste ihren Taufnamen behalten.

Die Liste der Päpste zählt derzeit 80 verschiedene Namen, davon sind mehr als die Hälfte nur ein einziges Mal benutzt worden. Am beliebtesten waren in der Kirchengeschichte bisher die Papstnamen Johannes (23-mal), Gregor und Benedikt (jeweils 16-mal).
Michael Kinnen