19.11.2012

Braunlage: Küsterin in Kirche getötet

Haftbebehl gegen Ehemann und Sohn

Braunlage. „Polizeiabsperrung“: Das schmale, rot-weiße Plastikband mit der Aufschrift flattert im Wind. Kein Zugang zur Kirche Heilige Familie in Braunlage. Das Gotteshaus ist ein Tatort.

Samstag, 17. November: Gegen 9 Uhr wird die Leiche der 48-jährigen Küsterin im Keller der Kirche Heilige Familie entdeckt. Die Frau wurde erschossen. Die Polizei sichert mit einem Rechtsmediziner der Medizinischen Hochschule Hannover umfangreiche Spuren. Auch ein Suchhund wird eingesetzt, um die Tatwaffe zu finden. Die polizeilichen Ermittlungen konzentrieren sich sehr früh auf das persönliche Umfeld des Opfers. Wohnungen werden durchsucht.

Einen Tag später stellt sich der 51-jährige Ehemann, der von seiner Frau getrennt lebt, auf einem Polizeirevier in München. Er wird von einem 20-jährigen Sohn und einer zwölfjährigen Tochter begleitet. Gegen ihn wird ein Haftbefehl erlassen. Mordverdacht. Etwas später wird auch der Sohn festgenommen. Ihm wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Beide werden in Untersuchungshaft genommen.

„Entsetzen, aber auch tiefes Nachdenken“

Vieles deutet bei der Bluttat auf ein Familiendrama hin. Bislang gab die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Braunschweig aber keine weiteren Einzelheiten preis – zum Tathergang gebe es widersprüchliche Angaben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der Mann wollte sich mit den beiden Kindern ins Ausland absetzen, sei dann aber nach München zurückgekehrt.

„Fassungslosigkeit, Entsetzen, aber auch tiefes Nachdenken“: So beschreibt Pfarrer Stanislaw Poreba die Situation in Braunlage – und in der ganzen Pfarrei St. Benno in Bad Lauterberg, zu der die Kirche Heilige Familie gehört. Bereits am Sonntagabend hat Poreba mit Gemeindemitgliedern eine Andacht auf den Treppen der Kirche Heilige Familie gefeiert: „Wir haben für unsere Küsterin und vor allem für ihre Kinder gebetet.“

Zehn Kinder hat das Mordopfer – im Alter von drei bis 20 Jahren. Die jüngste Tochter hatte am Sonntag, einen Tag nach der Tat, getauft werden sollen. War das der Auslöser?

Die 48-Jährige war nicht nur als Küsterin der Gemeinde verbunden. Sie war Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, engagierte sich als Kommunionhelferin und als Katechetin. „Sie hat in letzter Zeit viel für die Firmvorbereitung getan“, berichtet Poreba. Gerade die Jugendlichen hätten sie gemocht – umso größer ist ihr Entsetzen.

„Der Glaube an Gott hat ihr Kraft gegeben“

„Sie war eine tiefgläubige Frau“, erinnert sich Poreba: Ihr Leben, ihr Wirken gerade auch für die Gemeinde war geprägt von ihrer großen Familie. Sie lebte erst wenige Jahre mit ihren Kindern in Braunlage und stammte gebürtig aus dem Ruhrgebiet: „Der Glaube an Gott hat ihr Kraft gegeben, das war für sie kein leeres Wort.“ Das habe auch auf die Gemeinde ausgestrahlt – trotz ihrer großen familiären Probleme.

„Als Christen bringen wir unsere Trauer vor Gott, das ist das, was wir in dieser Situation tun können“, sagt der Seelsorger. In jeder heiligen Messe in der ganzen Gemeinde werde nun für die Frau und ihre Kinder gebetet (siehe unten): „Wir müssen unserer Traurigkeit Raum geben.“ Gleichzeitig erlebt Poreba aber auch in der ganzen Pfarrei zwischen Walkenried und St. And­reasberg eine große Hilfsbereitschaft: „Die Menschen unterstützen einander in ihrer Trauer.“ Das ist das, was wir jetzt tun können.
Aber Fragen bleiben. Vor allem:  Was wird aus den Kindern? Zurzeit befinden sie sich in Obhut des Jugendamtes. Wie verkraften sie den gewaltsamen Tod ihrer Mutter? All das werde spätestens nach der Beerdigung aufbrechen, meint Poreba.

Der Seelsorger hofft, an diesem Sonntag, 25. November, wieder eine heilige Messe in der Kirche feiern zu können – sofern die Polizei das gesperrte Gotteshaus freigibt. Der Gottesdienst wird danz im Zeichen des Gedenkens stehen.

Für das Bistum Hildesheim sagte Bischof Norbert Trelle jegliche Unterstützung durch das Bistum zu. Vor allem den Angehörigen gelten „meine Gedanken und Gebete in diesen Tagen“.  Der Pfarrgemeinde werde das Bistum bei der Verarbeitung des schrecklichen Geschehens helfend zur Seite stehen.

Rüdiger Wala

 

Gottesdienste zum Gedenken

In St. Benno, Bad Lauterberg (Kirchberg 1–3):

  • Dienstag, 20. November, 15 Uhr;
  • Freitag, 23. November, 9 Uhr;
  • Samstag, 24. November, 17 Uhr

In St. Josef, Bad Sachsa (Herderstraße 7):

  • Mittwoch, 21. November, 17 Uhr

In Heilige Familie, Braunlage (Von-Langen-Straße 9):

  • Sonntag, 25. November, 9 Uhr