16.07.2011

KiZ-Tipp: Park der Sinne in Laatzen

Hören, riechen, fühlen…

Gigantische Schilder heißen mich willkommen auf der Messe und weisen alle möglichen Wege. Nur – außer mir ist hier niemand. Der Weg zum „Skytrain“, der Besucher sonst schnell und trocken vom Bahnhof zum Messegelände bringt, ist abgesperrt. Die Rolltreppen stehen still. Gespenstisch wirkt der Bahnhof „Hannover Messe/Laatzen“, wenn der Messetrubel vorbei ist. Aber es gibt einen Grund, hier trotzdem aus dem Zug zu steigen – einen blühenden, duftenden und Abkühlung versprechenden.

Mitten im Park der Sinne in Laatzen steht das Inseketenauge. Foto: Beelte
Mitten im Park der Sinne steht das Insektenauge. Wer die Welt dadurch betrachtet, sieht sie zerlegt in zahllose Ausschnitte. Foto: Annedore Beelte

Laatzen (abe). Der „Park der Sinne“ in Laatzen ist zur Expo 2000 entstanden und ist seitdem noch weiter gewachsen. Und nicht nur gestresste Messebesucher nutzen das Angebot rege: Eine hochschwangere Frau kommt mir entgegen, spaziert mühsam und glücklich an der Hand ihres Mannes. Eine Familie nimmt die gehbehinderte Oma im Rollstuhl mit auf einen Ausflug. Und eine ganze Kita-Gruppe macht ein Picknick. Ein Junge hat sich etwas abseits von den anderen gesetzt. Er pustet in eine Flasche und lauscht versonnen auf das Geräusch. Offenbar hat er verstanden, worum es im Park der Sinne geht: hören, riechen, fühlen, sehen und schmecken.

Ich ziehe meine Schuhe aus. Barfuß gehen – das weckt Erinnerungen an die Zeit, als man den ganzen Sommer über Mühe hatte, die Füße wieder sauber zu bekommen. Auf dem „Steinigen Weg“ bekommt man nichts geschenkt: Holzbohlen sind brütend heiß geworden in der Sonne. Scharfe Kanten von Ziegeln und spitze Steine lassen mich sehnsüchtig an die Hornhaut denken, die früher im Sommer unter den Fußsohlen wuchs. Ich flüchte in den Schatten des Heckenlabyrinthes. Hier versagt die Orientierung, auf die ich mich sonst verlasse. Nur Vogelgezwitscher und Grün, wohin man schaut. Da hilft nur noch Vertrauen, wenn die Sinne mich im Stich lassen.

Ein duftender Tisch lädt zum Picknick ein: Hier wachsen die Kräuter direkt aus der Tischplatte. Von einem kleinen Hügel aus betrachte ich den Park durch das Insektenauge. Das Kunstwerk, in das man den Kopf stecken und durch zahllose Linsen blicken kann, zerlegt die Wirklichkeit in Schnipsel. Wer will, kann nur den Himmel sehen. Oder nur die Erde. Oder beides.

Der Park der Sinne liegt zwischen Laatzen und Hannover in der Nähe des Messegeländes. Im Sommer hat er von 8 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Führungen können gebucht werden unter Telefon: 05 11 / 820 54 61.