29.10.2014

Nach zehn Jahren wird der Prozess der Zusammenführung von Pfarreien abgeschlossen

Jetzt sind es 119 Gemeinden

Es begann mit einer Strukturentscheidung und ist dann doch zu einem pastoralen Prozess geworden – die Zusammenführung von Pfarrgemeinden. Nach einem Jahrzehnt ist der Prozess nun abgeschlossen.

 

So fing es vor zehn Jahren an: Die ersten Gemeinden im Bistum werden in Hannover zusammengeführt.
Foto: Archiv

Es ist eine stattliche Zahl von Aktenordnern im Büro von Domkapitular Adolf Pohner, dem Leiter der Hauptabteilung. Sie alle sind mit „Gemeindezusammenführung“ beschriftet. Zwischen den Pappdeckeln stecken Erfahrungen, Frust, Wut, gefühlt unendliche Debatten, aber auch unzählige Beispiele, wie sich Gemeinden miteinander auf neue Wege begeben haben.

Der Startschuss fiel 2003 mit den „Eckpunkten 2020“. Deren Kern: Weil Priester, Gläubige und Finanzmittel weniger werden, ist auch die Zahl der Gemeinden zu verringern. Ursprünglich hieß es von 350 auf 123, aktuell sind es 119 geworden.

Durchschnittspfarrei mit 5119 Katholiken

Eine sich auch an Finanzen orientierende Strukturvorgabe als Ausgangspunkt für Überlegungen, die aber eher seelsorglicher Natur sind, war keine leichte Ausgangsbasis. „Das haben wir auch gemerkt“, erinnert sich Martin Wrasmann, der stellvertretende Leiter der Hauptabteilung. Vor allem galt es den Prozess sowohl sozialwissenschaftlich als auch theologisch zu unterfüttern: „Wir konnten ja nicht einfach eine Blaupause über die Bistumskarte legen“, meint Wrasmann. In die Entwürfe, die immer wieder nach Diskussionen mit den Gemeinden und den Dekanatspastoralräten überarbeitet wurden, flossen auch beispielsweise die Ergebnisse der Sinus-Milieustudie ein, die erstmals die Unterschiede in Werthaltungen in der Kirche beschrieben haben: „Wir haben gelernt in sozialen Räumen zu denken“, sagt Wrasmann.

Dadurch konnte eine oft vorgebrachte Befürchtung verhindert werden – die, dass nur noch Riesengemeinden entstehen: „Das ist nicht eingetreten“, betont Pohner. Im statistischen Durchschnitt zählen die neuen Gemeinden 5119 Mitglieder: „52 Gemeinden zählen zwischen 3000 und 6000 Mitglieder“, betont Pohner. ‚Ausreißer nach unten‘ sind die Sühnekirche Bergen mit 1234  und Heilig Kreuz in Otterndorf mit  1250 Katholiken. Größte Pfarrei ist St. Christophorus in Wolfsburg – mit 14 706 Mitgliedern. Sie ist eine von vier Pfarreien, die über die 10000-er Grenze gesprungen ist.

Bewusst wurde 2004 mit den damaligen Pilotprojekten in Hannover-Ost und Lüneburg begonnen, sagt Pohner. So konnte der Strukturentscheidung immer mehr pastorale Dimension gegeben werden.

Steuerungsgruppe hat sich bewährt

Auch das Einsetzen einer Steuerungsgruppe mit Diözesan- und Priesterrat habe diesen Prozess vorangebracht. Durch Veröffentlichungen wie „Visionen eröffnen Wege“ ist so etwas wie ein Pastoralplan für das Bistum entstanden – die Projekte lokaler Kirchenentwicklung sind das sichtbarste Beispiel dafür.
„Wir haben auch aus Fehlern gelernt“, sagt Pohner. So wurde gerade 2010 der Prozess von den angekündigten Kirchenschließungen negativ überlagert. Unterm Strich aber habe das Bistum eine „enorme Wegstrecke geschafft“. 

Rüdger Wala

 

Die letzten Zusammenführungen

Aus 350 werden 119: Zum 1. November werden die letzten Pfarrgemeinden im Bistum Hildesheim zusammengeführt. Überwiegend betrifft es Gemeinden in Stadt und Stift Hildesheim und vor allem im Eichsfeld. Dort werden die bisherigen Seelsorgeeinheiten aufgelöst und sechs neue Pfarreien gebildet. Aber neue Gemeinden entstehen auch in Gehrden, Lehrte, Wedemark, Bremerhaven und Buchholz in der Nordheide.

Eine Übersicht finden Sie hier.