05.08.2012

Bruder Paulus ist im Internet und neuerdings auch per Handy auf Missionskurs

Kapuziner als V.I.P.?

Er ist, salopp formuliert, einer der buntesten Hunde in der katholischen Welt. Er twittert, ist auf Facebook präsent, hat eigene Fernseh- und Radiosendungen. Neuerdings ruft Kapuzinerbruder Paulus – per sogenanntem VipCall – sogar seine Fans täglich an. Dem Evangelium leistet er damit aber eher einen Bärendienst.

Im Internet gibt es nichts, was es nicht gibt. Vor allem aber tummeln sich dort immer mehr Menschen mit einem immensen Sendungsbewusstsein; für was auch immer. Anders wären Dienste wie Facebook oder Twitter schlicht nicht zu erklären. Mit dabei ist an vorderster Front Bruder Paulus Terwitte.

Bruder Paulus bei VipCall.com

Auf VipCall bietet der Kapuziner neuerdings - gleich neben Lotto King Karl, den Musikern der Band Tokio Hotel und DSDS-Pop-Sternchen Luca Hänni – tägliche, automatisierte Anrufe an. Für rund drei Euro monatlich, kann man dann, neben ein paar, seien wir ehrlich, eher oberflächlichen, geistlichen Impulsen - von Bruder Paulus persönlich erfahren, dass er gerade mit den drei Hunden eines guten Freundes Gassi geht, oder nachmittags noch mit dem Zug nach Kassel fahren möchte … Das alles ist zwar vom Nachrichtenwert her kaum brisanter als die Meldung vom sprichwörtlichen Sack Reis, der in China gerne mal umfällt. Doch wen kümmern solche Nebensächlichkeiten? Steht das Angebot doch unter dem strahlenden Motto: „Dein Handy klingelt und Dein Star ist dran“. Wow! Das ist ja mal ne Ansage. Hier geht’s also gar nicht mehr um Jesus und dessen Botschaft. Hier ist sich der Prediger - zumindest zuweilen - schon selbst genug.

Wenig Feuer wärmt, viel Feuer (ver-)brennt

Vielleicht liegt es ja auch am prall gefüllten Terminkalender, dass Bruder Paulus manchmal eher Masse statt Klasse anbietet. So leitet der Geistliche seit 2010 nicht nur (zum inzwischen zweiten Mal) das Kapuzinerkloster Liebfrauen in Frankfurt am Main sowie den dortigen „Franziskustreff“, eine Hilfseinrichtung für wohnungslose Menschen. Bruder Paulus schreibt Bücher. Beim Kölner Domradio ist er Radio-Seelsorger. Bei SAT 1 moderiert der Ordensmann - last but absolut not least – abwechselnd mit der evangelischen Christin Julia Scherf die Sendung „So gesehen - Talk am Sonntag“. Zweifellos: Bruder Paulus hat eine Mission! Und weil er so von seiner Botschaft (oder von sich selbst?) überzeugt ist, stellt er auf seiner Webseite regelmäßig seine Predigten ins Netz, verbreitet über Twitter Kurznachrichten, und bleibt über Facebook mit seinen virtuellen Freunden verbunden.

Das alles macht - im Sinne der dringend notwendigen (Neu-)Evangelisierung des Landes - bestimmt auch Sinn. Irgendwie ... Doch manchmal ist des Guten einfach zu viel. Schon die alten Wüstenväter wussten: Wenig Feuer wärmt, viel Feuer (ver-)brennt.

Ihr Webreporter Andreas Kaiser