23.10.2014

Von Ulrich Waschki

Kein Weg zurück

Die Bischofssynode zu Ehe und Familie im Vatikan hat nicht nur in der katholischen Welt viel Aufmerksamkeit erhalten. Auch wenn die Synode noch keine neuen Antworten auf viele Fragen gefunden hat, ist Papst Franziskus dennoch ein Meisterstück gelungen, kommentiert Ulrich Waschki.
 
Es ist etwas in Bewegung gekommen. Vielleicht nicht so, wie sich manche das erhofft hatten. Aber durch die Bischofssynode zu Ehe und Familie ist ein Prozess gestartet worden, der unumkehrbar ist. Eine Mehrheit der Synodenväter meint, dass die bisherigen Antworten der Kirche zu Fragen von Ehe, Partnerschaft und Sexualmoral nicht mehr ausreichen. Neue Antworten hat die Synode noch nicht gefunden – umsetzbare Ergebnisse sollte sie ohnehin nicht liefern, sondern eine Grundlage für die weitere Diskussion. 
 
Einen kurzen Sinneswandel hin zu einer größeren Offenheit haben die Synodenväter in der zweiten Woche wieder zurückgenommen. Dennoch bleibt die Richtung klar: Mit den Antworten von gestern wird man der Lebenswirklichkeit der Menschen von heute nicht mehr gerecht. Daran lässt auch Papst Franziskus keinen Zweifel. Er hat in seinem Schlusswort einem „Alles bleibt, wie es ist“ genauso eine Absage erteilt wie einem „Alles ist egal“. Ein Jahr bleibt nun, um in einem weltweiten Diskussionsprozess neue Antworten zu finden. 
 
Papst Franziskus ist ein Meisterstück gelungen. Er hat ein Thema auf die Agenda gesetzt, das – nicht nur – unterschwellig brodelte, vielen Bischöfen aber zu gefährlich war. Er hat für ein offenes Gesprächsklima gesorgt, in dem völlig gegensätzliche Positionen ausgesprochen werden können und mancher sogar die Autorität des Papstes anzweifelt. So viel Diskussion auf höchster Kirchenebene war selten. Und er hat Wegmarken gesetzt, die den Weg zurück versperren. Gleichzeitig gewährt er Zeit für die Diskussion. So kann er alle, oder zumindest möglichst viele, mitnehmen – als Papst ist er schließlich Diener der Einheit. Gleichzeitig lässt er aber auch keinen Zweifel, wer am Ende das Sagen hat: der Papst als „oberster Hirte und Lehrer“. Damit setzt Franziskus die Zauderer, aber auch die Vorschnellen unter Druck, bis zur nächsten Bischofssynode im Oktober 2015 Wege zur Einigung in strittigen Fragen wie dem Sakramentenempfang für wiederverheiratet Geschiedene oder dem Umgang mit Homosexuellen zu finden.
 
Dass es hier eine menschenfreundlichere Praxis gibt – ohne das wunderbare und gar nicht realitätsferne Ideal der unauflöslichen Ehe von Mann und Frau aufzugeben –, wünschen sich nicht nur Menschen, die von außen auf die Kirche schauen. Es sind vor allem viele engagierte und aktive Katholiken in den Gemeinden, die sich von ihrer Kirche neue Antworten erhoffen, wie Kardinal Marx bei einer Pressekonferenz in Rom erläuterte. Nicht nur der Papst nimmt die Bischöfe in die Pflicht, sondern auch die Gläubigen.