16.10.2013

Generalvikar Werner Schreer schließt Verhältnisse wie in Limburg für die Diözese Hildesheim aus

Klare Regeln für Finanzentscheidungen

Die Ereignisse im Bistum Limburg um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst schlagen hohe Wellen. Vor allem die Kosten für den Bau eines neuen Bischofshauses sorgen für Unmut. Entschieden hat dies allein der Limburger Bischof – aus Mitteln des sogenannten Bischöflichen Stuhls.

Generalvikar Dr. Werner Schreer

Für Hildesheim schließt Generalvikar Dr. Werner Schreer ein solches Vorgehen aus. „Ein Alleingang des Bischofs wäre in Hildesheim unmöglich, weil das Vermögen, aus dem der Bischof von Limburg das finanziert, hier in Hildesheim gar nicht existiert“, so Schreer auf Nachfrage der KirchenZeitung. Es gebe auch hier einen Bischöflichen Stuhl, dem einige Gebäude und Grundstücke gehören. Doch: „Die werden aber seit langen Jahren – und definitiv seit 2008 – zusammen mit dem Bistumsvermögen und dem Bistumshaushalt verantwortet“, so der Generalvikar.  Alle finanziellen Mittel des Bistums werden öffentlich geprüft von einer externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und die Ergebnisse werden seit fast zehn Jahren in einem jährlichen Geschäftsbericht  veröffentlicht.

Bischof hat keinen alleinigen Zugriff

„Es gibt also kein bischöfliches Vermögen, auf das nur der Bischof Zugriff hätte. Es wird genauso behandelt wie das Bistumsvermögen“, erklärt Schreer. Zudem gebe es ein klares Verfahren, wie im Bistum Hildesheim mit Entscheidungen über Finanzen umgegangen werde und mit dem Vermögensverwaltungsausschuss ein Gremium, das sogar Entscheidungsbefugnisse habe, nicht nur eine Beratungsfunktion. Ein Vorgehen vorbei an allen Gremien könne er „definitiv ausschließen“, sagt Schreer.

Für seinen jährlichen Geschäftsbericht orientiert sich das Bistum an den Regeln, die das Handelsgesetzbuch für große Kapitalgesellschaften im öffentlichen Raum festgelegt hat. „Diese Regeln sind erprobt und für uns auch hilfreich. Darum haben wir sie eins zu eins übernommen“, erklärt der Generalvikar. Nach diesen Vorgaben werde der Haushalt geplant, geführt, abgerechnet und geprüft. Dazu gehört unter anderem, dass eine Bilanz, eine Gewinn- und Verlustrechnung und  eine mittelfristige Finanzplanung vorgelegt werden. „Wir wollten uns bewusst vergleichbar machen mit den Standards, die in der Öffentlichkeit gelten. Um damit auch klar zu sagen, wir wollen verantwortlich umgehen mit den finanziellen Mitteln, die wir haben“, erklärt Schreer. Damit ist das Bistum Vorreiter in Deutschland und findet in der aktuellen Berichterstattung in den Medien, zum Beispiel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Anerkennung.

Spendenbereitschaft der Menschen sinkt

Gleichwohl bleibt das Bistum nicht von den Auswirkungen der derzeitigen Diskussionen verschont. Denn die Spendenbereitschaft der Menschen für Projekte – egal ob im Bistum oder für weltkirchliche Aufgaben – wird dadurch massiv beeinträchtigt.

Rüdiger Wala/Thomas Pohlmann

 

Das Bistum informiert im Internet über seine Finanzen.

Kommentare

Generalvikar Schreer sagt die Unwahrheit. Das Bistum Hildesheim hat keineswegs die HGB-Vorschriften für große Kapitalgesellschaften "eins zu eins übernommen". In eklatanter Abweichung von den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung bilanziert das Bistum Hildesheim systematisch keine Grundstücke und Gebäude. Deshalb ist der Geschäftsbericht ja auch nur eingeschränkt durch die Wirtschaftsprüfer bestätigt worden.

Die kirchlichen Grundstücke tauchen zur Zeit in der Tat noch nicht im Geschäftsbericht des Bistums auf. Der Grund dafür ist die Schwierigkeit der korrekten Erfassung kirchlicher Immobilien. Das Bistum arbeitet gerade an einem geeigneten Raster für eine ordnungsgemäße Bilanzierung seiner Immobilien. Sobald es dieses gibt, wird der Geschäftsbericht auch den Immobilienbesitz des Bistums ausweisen. Petra Meschede, Bischöfliche Pressestelle Hildesheim

Liebe Frau Meschede, vielen Dank, dass meinen Kommentar freigeschaltet wurde. Der Hinweis auf die Schwierigkeit der Erfassung bestehender Immobilien kann die Abweichung von den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB), zu denen das Bistum Hildesheim gemäß seiner Rechnungslegungsordnung verpflichtet ist, nicht rechtfertigen. Denn selbst neu erworbene Immobilien werden nicht zu ihrem Anschaffungswert bilanziert, wie es die GoB verlangen. Stattdessen wird der Kaufpreis als Aufwand verbucht und der Wert auch der neuen Immobilien nicht in der Bilanz ausgewiesen. Dadurch wird zudem noch das Jahresergebnis vermindert. Hierfür gibt es keine Rechtfertigung. Deshalb erteilen die Wirtschaftsprüfer dem Jahresabschluss ja auch nur einen eingeschränkten Bestätigungsvermerk. Was die Arbeit an dem Erfassungsraster angeht: Die Kirchen befinden sich hier in einer Situation, die mit der der Kommunen vergleichbar ist, die in den letzten Jahren von der Kameralistik auf die doppelte Buchführung umgestellt haben. Die Kommunen mussten hierbei ebenfalls uralte und z.T. schwer zu bewertende Immobilien (historische Gebäude, Infrastruktur usw.) bilanzieren. Da Kommunen weitaus breiter aufgestellt sind als die Kirchen, dürfte die Vermögenserfassung und -bewertung bei den Kommunen eher noch schwieriger gewesen sein als bei den Kirchen. Dennoch erfolgten die Umstellungen auf die Doppik bei den Kommunen meist innerhalb einiger Jahre. Das Bistum Hildesheim veröffentlicht ab dem Haushaltsjahr 2004 Geschäftsberichte auf der Basis der doppelten Buchführung. Die Umstellung muss demzufolge 2004 weitgehend erfolgt sein. Es ist dann schwer vermittelbar, dass auch knapp 10 Jahre später nicht nur die alten Immobilien nicht bilanziert werden, sondern auch neu erworbene Immobilien nicht ordnungsgemäß verbucht werden.

Anmerkung der Redaktion: Für die Freischaltung eines Kommentars auf der Internetseite der KirchenZeitung ist nicht die Bischöfliche Pressestelle verantwortlich, sondern einzig die Redaktion der KirchenZeitung.