29.07.2020

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

der international als „Hitlerjunge Salomon“ bekannt gewordene Sally Perel ist neuer Ehrenbürger der Stadt Braunschweig. Einstimmig beschloss der Rat die Würdigung des 95-Jährigen für sein unermüdliches Engagement gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Diese Entscheidung freut mich sehr, denn 75 Jahre nach Kriegsende ist dieses Zeichen nötiger denn je.

Absurdeste Verschwörungstheorien mit antisemitischem Gedankengut fangen gerade in der Corona-Pandemie an zu blühen. Ein Albtraum! Außerdem bereitet mir Kopfschmerzen, dass der mutmaßliche Attentäter auf die Synagoge in Halle den Ende Juli begonnenen Gerichtsprozess als Bühne für die Verbreitung seiner menschenverachtenden Ideen nutzt.

Der 1925 als Sohn eines Rabbiners in Peine geborene Salomon – genannt Sally – konnte den Holocaust nur überleben, weil er sich als „Volksdeutscher“ ausgab. Als Hitlerjunge lernte er im Braunschweiger Volkswagen-Vorwerk Werkzeugmacher. Heute ist es dem in Israel lebenden Perel ein Anliegen, seine Erfahrungen während des Nationalsozialismus an junge Menschen weiterzugeben. Regelmäßig kommt der Zeitzeuge zu Lesereisen in die Region, inzwischen sind zwei Schulen in Meinersen und der Löwenstadt nach ihm benannt.

Die Stadt unterstreicht mit der Auszeichnung, dass „jüdisches Leben und jüdische Kultur einen festen Platz in Braunschweig haben“. Um für ein friedliches Miteinander vor Ort einzutreten, sind gerade auch wir als Christen gefordert!

Ihnen eine schöne Woche und bleiben Sie gesund!
Ihre

Sabine Moser

Sabine Moser ist Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit im Dekanat Braunschweig