02.10.2018

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

„wir können unsere Wünsche gen Himmel schicken“ – Trost und Hoffnung liegen in diesem Satz. Die sind derzeit in Göttingen dringend nötig. Das Fassadengemälde des sozialen Mittagstischs St. Michael (die KiZ berichtete) war noch vor dem allerletzten Pinselstrich mit weißer Farbe beschmiert, ja zerstört worden. Ein Schock für alle Beteiligten, ob Künstler, Mittagstisch-Gäs­te und -Mitarbeiter oder Geldspender. Die Gesamtkosten samt Begrünung mit Rankpflanzen liegen bei 40 000 Euro.

In einer einzigen Nacht hatten Unbekannte alle Portraits an der Turmstraße übermalt. Nichtmal Erzengel Michael blieb verschont. Geblieben sind immerhin die weiter oben dargestellten Träume der Portraitierten. Aus einem Bekennerschreiben spricht Neid, des Geldes und der Qualität wegen. Zweidrittel des Auftrags seien zerstört, schätzen Maya und Friedel Deventer, das ausführende Künstlerpaar. Die Polizei ermittelt.

„Bitter und falsch“, nennt Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler den Anschlag. Bilder entferne man nicht, das Werk anderer würdige man nicht durch Zerstörung.

Noch ist nicht klar, was mit der Fassade geschieht. Doch äußerten sich am vergangenen Sonntag beim Straßenfest viele voller Hoffnung. Allen voran die Künstler, die ein gerahmtes Bild aus ihrem Werk verschenkten, auf dem eine junge Pflanze Mauerwerk aufbricht, Titel: „Das Prinzip Hoffnung.“

Den „Traum von Frieden, Achtung und Anerkennung“ stelle das Fassadengemälde dar, sagt ein Besucher des Mittagstischs. Alle Festgäste wurden aufgefordert, ihre Träume mit Karten an Luftballons gen Himmel steigen zu lassen. So bunt war der Himmel über der Göttinger Turmstraße wohl noch nie zuvor.

Ihnen eine hoffnungsvolle Woche

Johannes Broermann

Johannes Broermann ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in den Dekanaten Göttingen und Untereichsfeld.