01.04.2020

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

in vielen Gemeinden hat eine zuvor ungewohnte Dynamik eingesetzt. Im Internet werden „neue Wege“ beschritten und „frische Netze“ geknüpft, um als Gemeinde von Zuhause aus zusammenzubleiben. Manch ein schon in Vergessenheit geratener „Social-Media-Account“ erfährt seine Wiederbelebung.

Die Ereignisse rund um die Coronakrise haben sich in den vergangenen Wochen förmlich überschlagen. Und es ist faszinierend zu sehen, wie schnell es vielerorts möglich wurde, so manchen Gottesdienst per Livestream mit anderen Menschen zu feiern. Mit vertrauten Stimmen und Abläufen wird ein Stück kirchliche Heimat in die Wohnungen gebracht – und das ist gut so.

Ähnliches hatte vor rund 30 Jahren Pfarrer Jan van den Brule vor. Innerhalb seiner Pfarrei im Untereichsfeld übertrug er den Gottesdienst per analogem Radio. Damit wollte er all jene erreichen, die aufgrund von Alter oder Krankheit nicht zum Gottesdienst in die Kirche kommen konnten.

Der Ärger mit staatlichen Stellen war allerdings programmiert. Die damalige Bundespost pochte darauf, dass es keine Piratensender geben dürfe. Der Fall ging vor die Gerichte und durch die Instanzen. Die Pfarrkirche und seine Wohnung wurden mehrfach von der Polizei durchsucht. Und um den Sender zu finden, so betonte van den Brule mehrfach, müsse die Polizei die Kirche schon Stein für Stein abtragen.

Erst nach zehn Jahren wurde 1994 mit der Novellierung des Landesrundfunkgesetzes in Niedersachsen der lokale Pfarrfunk legal.

Bleiben Sie gesund! Viel Freude an der Vielfalt der heutigen Gottesdienstangebote wünscht Ihnen

Johannes Broermann

Johannes Broermann ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in den Dekanaten Göttingen und Untereichsfeld.