16.01.2019

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Das musste eine 86-Jährige aus Duderstadt erfahren: vertrauensselig saß sie Betrügern auf, verkaufte ihr Haus und verlor 290.000 Euro Bargeld. Sie war auf eine Bande mit angeblichen Polizisten reingefallen. Dass es soweit kommen konnte, kann die „hellwache frühere Gymnasiallehrerin“ als Zeugin im Gerichtsverfahren gegen einen Geldkurier selbst nicht verstehen, heißt es in der Lokalzeitung.

Wenn ich bisher solche Geschichten las, konnte ich mir schwer vorstellen, wie der Betrug abläuft. Immer wieder wird da vor Telefontricks gewarnt, „Enkel“ oder „Polizisten“  verlangen Geld. Zugegebenermaßen changierte mein Befinden zwischen einem etwas großkotzigen „Das kann uns doch nicht passieren“ und der ängstlichen Frage „Wann falle ich auf die Betrüger rein?“.

Aus dem Duderstädter Amtsgericht wird nun über die angewandte Masche berichtet. Mit „fiesen Psycho-Tricks“ von „geschulten und gewieften Rhetorikern“ sei da gearbeitet worden. Zunächst rief ein „Polizist“ an und verbreitete Angst und Schrecken. Das Vermögen des Opfers sei in Gefahr, weil Bankmitarbeiter entsprechende Daten an eine Bande weitergegeben hätten. Nur ein Kurier der Kripo könne noch den Komplettverlust verhindern. Während des ersten Anrufs wurde so viel Panik erzeugt, dass innerhalb der folgenden Wochen das Vermögen den Bandenkurieren übergeben wird.

Äußerst geschickt nutzten die Kriminellen das Vertrauen in die echte Polizei und erschütterten das Vertrauen in das Geldhaus nebenan. Gleichzeitig ist alles so „streng geheim“, dass die örtliche Polizei davon nichts wisse. Unbegreiflich, aber das scheint immer wieder zu funktionieren. Und die Fallzahlen steigen. Die Polizei zählte 2013 keine 50 „falsche Polizisten“, 2016 waren es schon rund 250 Fälle, 2018 sollen um die 4000 entsprechende Anzeigen erfolgt sein.

Vertrauen muss wachsen, Vertrauen hilft im täglichen Leben. Prüfen Sie gut, wem Sie Ihr Vertrauen schenken.

Eine gute Woche wünscht Ihnen

Johannes Broermann

Johannes Broermann ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in den Dekanaten Göttingen und Untereichsfeld.