24.11.2021

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit diesem Wochenende beginnt die Adventszeit. Allein der Gedanke, dass in vier Wochen Weihnachten ist, dass sich dieses Jahr rasant seinem Ende zuneigt, kann einen erschrecken. Haben wir nicht gerade im kleinen Kreis Silvester gefeiert?

Auf der anderen Seite ist die Adventszeit eigentlich eine Zeit, um es ein bisschen langsamer, ruhiger angehen zu lassen. Noch vor 50, 60 Jahren konnte man merken, dass sich die Aktivitäten von draußen nach drinnen verlagert hatten.

Der Garten war abgeerntet und alles winterfertig gemacht. Die Kartoffeln lagen im Keller, das Obst war eingekocht oder eingefroren, die Mettwurst hing auf dem Boden, um zu trocknen. Fernsehen (wir konnten sogar vier Programme empfangen: ARD, ZDF, das Dritte und DDR 1) wurde wenig geschaut. Stattdessen saßen wir abends in der „kleinen Stube“. Die erste Kerze auf dem Adventskranz brannte. Tannenduft lag in der Luft. Es wurde gespielt, gesungen, musiziert, Geschichten wurden vorgelesen oder es wurde von „Früher“ erzählt. Und es gab etwas, das es sonst das ganze Jahr über nicht gab: Apfelsinen.

Für uns Kinder war das ein Höhepunkt im Jahr. Denn so wie heute war diese exotische Frucht nicht ganzjährig im Laden erhältlich, aber eben im Winter. Besonders gemütlich war es, wenn Papa oder Mama die Apfelsinenschale auf den heißen Kohleofen legten. Dann duftete es im ganzen Haus neben Tanne auch so herrlich nach Apfelsine – eben nach Advent.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit.

Ihr Edmund Deppe