03.08.2022

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

hätte mir jemand vor zwölf Monaten gesagt, dass ich in diesem Sommer bei Temperaturen über 30 Grad darüber nachdenke, wie oft und lang ich dusche, ob unsere Haustür anständig gedämmt ist, welche Alternativen es zur Gastherme gibt und mit wirklichem Interesse das Ergebnis der diesjährigen Zählerstandablesung unseres Energieversorgers mit dem vom letzten Jahr vergleiche, ich hätte es wohl nicht geglaubt. Ich bin in einer Generation aufgewachsen, die derartigen Mangel nicht kennt.

Ganz anders ist das bei der Generation meiner Eltern und Schwiegereltern: Fast alle über 80-Jährigen, die ich kenne, haben als Kind Entbehrungen erfahren, manche sogar Hunger gekannt. Und viele leben aus dieser Erfahrung heraus bis heute ein Leben, das man neudeutsch als nachhaltig bezeichnet: „Ein neuer Pullover? Der alte geht doch noch.“ „Hier im Haus ist es nicht zu kalt. Zieh’ dir was an Kind und beweg dich, dann frierst du auch nicht!“ „Der Schrank ist aus gutem Holz, der wird nicht getauscht.“ Diese Sätze habe ich in meinem Leben mehr als nur einmal gehört. Auf Plattdeutsch klingen sie nebenbei bemerkt charmanter … 

Ich will damit nicht in den Chor derer einfallen, die aus ihren im übrigen immer warmen Wohnzimmern heraus die neuen Vorzüge des Verzichts predigen und denen, die ohnehin schon auf jeden Cent achten müssen, generös vorschlagen, demnächst doch einfach mit langer Unterhose unter eine wärmende Decke zu schlüpfen und nur noch Linseneintopf zu essen. Ihnen muss der Staat unter die Arme greifen, das steht außer Frage. Und glaubt man aktuellen Umfragen und Zahlen, dann schränken sich drei Viertel der Deutschen mittlerweile ein, indem sie zum Beispiel weniger Energie verbrauchen. Aber ich mag die grundsätzliche Haltung, sich auch dann, wenn Sparsamkeit aus finanziellen Gründen nicht (mehr) nötig ist, zu fragen: Was brauche ich wirklich? Und ich mag die gelassene Haltung vieler Älterer, die aufgrund ihrer Lebenserfahrung nicht mehr in Panik und Weltuntergangsstimmung verfallen mögen. Noch so ein Satz von der heimischen Kaffeetafel, vielseitig einsetzbar und oft wahr: „Das kriegen wir auch noch hin.“ 

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche! 

Ihre Stefanie Behnke

Stefanie Behnke ist Rundfunkredakteurin bei Bernward Medien.