30.04.2019

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit vergangenem Samstag haben wir ein bis dahin obdachloses Paar zur Untermiete. Nun gut, der Ausdruck Miete trifft die Sache nicht ganz, wir wollen von den beiden nichts haben, doch handelt es sich um eine Übergangslösung von ein paar Wochen. Nachwuchs hat sich angekündigt, die Zeit drängte also – und außerdem ist der zur Verfügung gestellte Platz überschaubar. Inzwischen hat es allerdings, provoziert durch die neuen Mitbewohner, erste Komplikationen gegeben, das Verhältnis war bereits in der Anfangsphase getrübt.

Ohnehin fühlen wir uns überrumpelt. Die beiden hatten kurz, aber sehr intensiv ihre neue Bleibe inspiziert und sich dann spontan zum Bleiben entschlossen. Bis gestern waren sie vollauf damit beschäftigt, quasi aus dem Nichts für eine gewisse Behaglichkeit zu sorgen. Sie trug offensichtlich den weitaus größten Anteil, er ließ sich alle paar Minuten lediglich blicken, um den Forschritt zu inspizieren. Sonntag, am späten Nachmittag, waren bis auf ein paar Feinheiten die grundsätzlichen Arbeiten erledigt. Direkt vor unserem Küchenfenster hat das Amselweibchen in einem kleinen Blumenregal bereits das erste Ei ins Nest gelegt, bald wird das halbe Dutzend voll sein. Und grundsätzlich freuen wir uns über die neuen Gäste.

Wie angedeutet gibt es allerdings noch Klärungsbedarf für das unsererseits angestrebte gutnachbarschaftliche Verhältnis. Dass die beiden sich nach getaner Arbeit über meine mühsam pikierten Jungpflanzen hermachten, wird hoffentlich ein einmaliger Ausrutscher bleiben.

Ihnen eine gute Woche, Ihr

Stefan Branahl