06.06.2018

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

den „Deutschen Michel“ habe ich immer für ein Synonym unserer europäischen Nachbarn gehalten. Oft habe ich ihn in Karrikaturen abgebildet gesehen – gerne mit Zipfelmütze. Irgendwie hat mich die Darstellung immer an einen Gartenzwerg erinnert, und ich denke, dass Italiener, Franzosen, Spanier und all die anderen uns mit dem Michel gern als ein bisschen spießig, obrigkeitshörig und humorlos dargestellt sehen möchten.

Gestaunt habe ich, dass der „Deutsche Michel“ eine real existierende Person zum Vorbild hat. In Seelze bei Hannover erinnert ein Denkmal an ihn: Hans Michael Elias von Obentraut war einer der Strategen des Dreißigjährigen Krieges, der hier bei einer der ungezählten Schlachten gefallen ist. Er soll durch besondere Tapferkeit und den Einsatz für seine Soldaten aufgefallen sein. Selbst seine Gegner hatten großen Respekt vor ihm und würdigten ihn über den Tod hinaus.

Heldenverehrung ist mir persönlich eher suspekt. Aber die Sache hat mich auf einen ganz anderen Aspekt aufmerksam gemacht. Geschichte spielt sich immer auch vor unserer Haustür ab. Ein so prägendes Ereignis wie der Dreißigjährige Krieg, der ganz Europa im 17. Jahrhundert umgekrempelt hat, ist nicht nur ein Fall für die Historiker. Wer einmal anfängt, sich dafür zu interessieren, findet quasi hinter jeder Biegung Spuren dieses brutalen Konflikts.

Ich bin gespannt, auf was ich noch alles stoßen werde. Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, noch mehr als üblich mit offenen Augen durch die Gegend zu fahren.

Ihnen eine gute Woche.

Ihr

Stefan Branahl