11.05.2022

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt einen Rat für Journalisten, wie sie in ihren Text so einsteigen, dass ihre Leser gleich gefesselt sind: Fang an mit einem Erdbeben. Und dann steigere dich!

Nun arbeite ich lange genug bei der Kirchenzeitung um zu wissen, das lässt sich nicht in aller Konsequenz durchhalten. Und manchmal ist es ja auch sinnvoll, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Wie in diesem Fall, den ich Ihnen schildern möchte und für dessen Wahrheitsgehalt ich mich verbürge:

Der Bäcker auf unserem Wochenmarkt ist ein ausgesprochen kommunikativer Mensch, und es lohnt sich, bei ihm nicht nur das ofenfrische Brot und Gebäck zu kaufen. Eine kurze Kaffeepause an seinem Stand ist gut investierte Zeit, nach ein paar Minuten kenne ich die aktuellen Histörchen und Gerüchte – so, wie es in einer Kleinstadt halt üblich ist.


Auch wenn mein Marktbäcker schon seit Jahren das Rentenalter erreicht hat – den Markttag lässt er sich nicht nehmen. Munter plappert er vom frühen Morgen bis mittags, wenn die Kirch­turmuhr Eins schlägt. Schlagfertig, lustig und auch ein bisschen vorlaut, so kenne ich ihn seit Jahren, das gehört zu einem Wochenmarkt einfach dazu.

Vergangenen Samstag nahm eine alte Frau Kurs auf uns, ihre Griesgrämigkeit schob sie gleichsam mit ihrem Rollator vor sich her. Es lag etwas in der Luft! „Kommen Sie näher“, rief ihr der Bäcker zu. „Hier gibt es Kaffee, Kuchen und gute Laune.“ Ihre  Antwort: „Halt die Schnauze, du alter Drecksack!“ Die nächsten Minuten war es sehr ruhig am Marktstand.

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Sonntag, Ihr

 

Stefan Branahl