12.09.2018

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit einigen Jahren ist Slowenien mein favorisiertes Reiseziel und ich schaue immer mal wieder gern vorbei. Slowenien ist übersichtlich, landschaftlich abwechslungsreich, nicht überlaufen, geschichtlich interessant und voller Überraschungen. Zum Beispiel stoße ich an vielen Orten auf die Namen von Forschern, Dichtern, Wissenschaftlern und Entdeckern, die einen wesentlichen Beitrag geleistet haben, damit wir die Welt besser verstehen. Viele davon waren katholische Pfarrer.

Da gibt es einen, der sich den Bienen gewidmet hat. Seine Beob­achtungen haben dazu beigetragen, dass wir heute diese überlebenswichtigen Insekten besser kennen. Ein anderer war ein kritischer Zeitzeuge der jüngeren Geschichte, während des Ersten Weltkrieges schrieb er Gedichte gegen den Wahnsinn der blutigen Kämpfe an der Isonzo-Front. Bis heute gilt er als einer der wichtigsten Lyriker Sloweniens. Ein dritter dokumentierte den erbärmlichen Alltag der Bergarbeiter in der Minenstadt Idrija, die weltweit zu den wichtigsten Abbaustätten von Quecksilber gehörte.

Drei Beispiele, stellvertretend für viele, die auf unterschiedliche Weise als Seelsorger im weitesten Sinne an der Seite der Menschen standen. Natürlich war das nur möglich, weil sie viel mehr Zeit hatten als Pfarrer heutiger Tage. Ihr Dorf, ihre kleine Stadt waren überschaubar, Strukturdebatten waren ihnen fremd. Mancher Eigenbrötler und Paradiesvogel wird darunter gewesen sein, davon können wir ausgehen. Aber trotzdem haben sie ihre Talente eingesetzt. Ich finde, sie haben gute Zeichen gesetzt.

Ihr

Stefan Branahl