10.10.2018

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

in einem Interview mit der KiZ im März hat Ministerpräsident Stephan Weil von gewaltigen gesellschaftlichen Umbrüchen gesprochen, die Unsicherheit und Besorgnis auslösen. Digitalisierung und Globalisierung waren seine Stichworte. In der Tat scheint der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren zu gehen. Vieles, was selbstverständlich erscheint, ist nicht mehr selbstverständlich: ein bezahlbares Dach über dem Kopf, qualifizierte Pflege im Alter, gute Arbeit. In verschiedenen Studien findet sich der Hinweis auf das deutlich gestiegene Gefühl, es geht mehr und mehr ungerecht zu in diesem Land.

Nun startet der Bund ein „Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ – ein Verbund von elf Forschungs- und Universitätseinrichtungen aus zehn Bundesländern. Niedersachsen ist zweimal dabei: mit der Georg-August-Universität Göttingen und der Leibniz Uni Hannover. Das neue Institut soll sich „mit Fragen von Zugehörigkeit und Identität in einer pluralistischen Gesellschaft“ befassen, heißt es.

Erarbeitet werden jetzt ein Forschungsprogramm und eine Lenkungsstruktur. Mit Ergebnissen ist also erst mittelfristig zu rechnen. Ich hoffe aber, dass zumindest ein Gedanke Eingang in dieses Institut findet: der Umgang mit Gefühlen. Denn gerade die Antwort von Ministerpräsident Weil auf die Frage, wie er als Politiker mit dem Gefühl, dass es ungerecht zugeht, ist mir im Gedächtnis geblieben: „Gefühle sind in der Politik letztlich harte Fakten.“ Vor allem, wenn es für sie nachvollziehbare Gründe gibt. Gefühle ernst nehmen. Nicht vom Tisch wischen, aber auch nicht hochstilisieren. Das ist ein wichtiger Ansatzpunkt für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und vielleicht für ein Institut.

Ihnen eine gute Woche, Ihr

Rüdiger Wala