24.10.2018

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

kaum ein Tag vergeht, an dem in Sachen sexueller Missbrauch in der Kirche nicht neue Details bekannt werden. Wahrscheinlich ergeht es Ihnen wie mir: Sie mögen darüber nichts mehr hören oder lesen.

Dennoch haben wir eben jenes Thema heute wieder groß in der Ausgabe (Seite 11). Das hat Gründe. Zum einen sehen wir uns in der Verpflichtung, Sie über die jüngsten Entwicklungen zu diesen schrecklichen Vorfällen umfassend zu informieren. Wenn Sie mitreden wollen, müssen Sie die Fakten kennen.

Zum anderen sind wir gerade als kirchliches Medium der Wahrheit verpflichtet. Und zur Wahrheit zählen auch unangenehme Wahrheiten. Hinzu kommt: Wir wollen und können dieses schwierige Thema nicht anderen Medien überlassen. Die Diskussion darüber gehört mitten in die Kirche!

Das Thema Missbrauch ist für die KirchenZeitung übrigens nicht neu. Wir haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder darüber berichtet – auch gegen manche Widerstände. Auch dass es die Praxis gab, Missbrauchs-Priester in andere Gemeinden zu versetzen, statt sie aus dem Verkehr zu ziehen, wurde thematisiert.

Dennoch blieb manches im Dunkeln und die systematische Aufarbeitung der Vergangenheit beginnt erst jetzt. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen: Da kommt noch mehr.

Dass dabei auch (ehemalige) Bischöfe in die Kritik geraten ist neu – und für manchen verstörend. Doch nur wenn wir uns dem Versagen und den Versäumnissen der Vergangenheit stellen, kann die Kirche verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen.

Für die KirchenZeitung heißt das: Das Thema wird uns weiter beschäftigen – so hässlich und so wenig erbauend es sein mag.

In diesem Sinne grüßt sie herzlich


Ihr Matthias Bode
Redaktionsleiter