30.01.2019

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich wohne seit über 30 Jahren in Hildesheim, aber ich bin doch immer meiner Heimatstadt Hannover treu geblieben. Ich habe sie verteidigt, wenn sie als grau beschrieben wurde. Wenn andere fragten, was Hannover denn außer der Messe zu bieten habe, bin ich über Herrenhausen, den Maschsee und die Eilenriede ins Schwärmen gekommen. Und ich habe über Theater und Oper berichtet, nicht zu vergessen den Schrägaufzug im neuen Rathaus. Schließlich haben wir mit St. Clemens auch noch eine Kirche im venezianischen  Barock.

In diesen Tagen fremdele ich aber doch mit meinem Hannover. Der Grund ist ein Beschluss der Stadtverwaltung, eine geschlechtergerechte Sprache einzuführen. Nicht, dass ich das Geringste gegen die Gleichstellung von Männern, Frauen oder auch Menschen, deren Geschlecht nicht eindeutig geklärt ist, hätte. Im Gegenteil. Doch die Sache geht schnell ins Lächerliche. Wenn aus Ratsherren und -frauen plötzlich „Ratende“ werden, ist man versucht, den Mitgliedern dieses Gremiums ein Kreuzworträtsel zuzuschicken. Und wenn Begriffe wie Mutter und Vater hinter Elternteil verschwinden, finde ich das sehr bedauerlich.

Diesen Beispielen möchte ich nicht folgen. So wird es in der KirchenZeitung auch weiter „Teilnehmer“ geben, und damit sind alle Menschen gemeint, die bei einer Veranstaltung dabei waren, welchen Geschlechts auch immer. Und wenn im zweiten Satz nicht mehr von Schülerinnen und Schülern, sondern nur noch von Letzteren die Rede ist, dann mögen sich auch die Mädchen angesprochen fühlen. Eine wirklich geschlechtergerechte Sprache führt dazu, dass Texte im Zweifel vollkommen unleserlich oder auf Kunstbegriffe reduziert werden. Daher, liebe Leserinnen und Leser, sehen Sie es uns nach, wenn wir an dieser Stelle etwas altmodisch bleiben.

Beste Grüße

Ihr Matthias Bode

Redaktionsleiter