23.08.2013

Dekanat Verden

Lieber in die Zukunft schauen

Etwas unauffällig liegt das Dekanat Verden im Nordwesten des Bistums, zwischen Hannover und Bremen. Doch die Nähe zu diesen beiden großen Städten zieht viele junge Familien an. Davon profitiert auch das Leben in den Pfarrgemeinden.

Propst Bernd Kösling freut sich, dass rund um die Kirche St. Josef Angebote für Familien entstanden sind. Vielleicht wird es in Verden demnächst auch eine katholische Schule geben. Foto: Branahl
Propst Bernd Kösling freut sich, dass rund um die Kirche
St. Josef Angebote für Familien entstanden sind.
Vielleicht wird es in Verden demnächst auch eine
katholische Schule geben. Foto: Branahl

Dieses Gefühl hat Propst Bernd Kösling, wenn er – in diesem Fall vom Balkon des Alten- und Pflegeheims St. Josef – in Richtung Kirche schaut. Der rote Backsteinbau, geweiht in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts, war damals quasi in einem Gnadenakt vor den Wallanlagen der Stadt genehmigt worden. Dass Verden an der Aller vor der Reformation Mittelpunkt eines Bistums war und in der Zeit von Karl dem Großen bei der Sachsenmission und auch lange Zeit später eine wichtige Rolle gespielt hatte, sollte damals nicht unbedingt wieder aufgewärmt werden…

Natürlich kennt der Verdener Propst die Geschichte recht gut. Viel lieber aber schaut er nach vorne. Und freut sich, dass auf dem Gelände der Kirche Projekte verwirklicht werden konnten, die in die Zukunft weisen: Der Kindergarten und inzwischen auch der Hort sind in der Stadt gefragt, es gibt lange Wartelisten. Und vielleicht gelingt es Kösling, einen ganz besonderen Wunsch zu realisieren: eine katholische Schule. Die Voraussetzungen zumindest sind gegeben, derzeit wird geprüft und verhandelt, und wenn alles gut geht, könnte das neue Projekt schon im kommenden Jahr an den Start gehen.

In der Schule den Glauben weitergeben

Längst ist Propst Kösling davon überzeugt: Gerade dort, wo Katholiken die Minderheit sind, kann katholische Sozialisation in erster Linie über Kindergarten und Schule erfolgen. Diese Erfahrung hat er vor allem auch als Religionslehrer in den vergangenen Jahren immer wieder an den Berufsschulen vor Ort gemacht. Und nicht erst seitdem ist er davon überzeugt: „In unserer Situation in der Diaspora gelingt Glaubensweitergabe nicht zuerst durch die Gemeinde, sondern durch Kindergärten und Schulen.“

Der Verdener Dom beherrscht noch heute das Bild der Stadt. Fotos: Stefan Branahl

Dafür spricht auch die demografische Entwicklung der Städte wie Verden, Walsrode, Achim oder Rotenburg. Bremen oder Hannover mit ihren großen Betrieben sind schnell zu erreichen und locken junge Familien in die eher ländlich geprägte Gegend des Dekanats. Und die sind durchaus bereit, zumindest punktuell in der Gemeinde mitzuarbeiten. Das Problem: Viele ziehen auch wieder einer neuen Arbeitsstelle hinterher. Kontinuität ist da eher schwierig. Immerhin: „Anders als in weiten Teilen unseres Bistums haben wir in unseren Gemeinden mehr Taufen als Beerdigungen. Das ist doch auch schon was“, freut sich Kösling. Und so kommt es, dass die Familien nicht nur in der Verdener Gemeinde St. Josef, sondern auch im ganzen Dekanat im besonderen Blick sind.

Große Entfernungen sind ein Hindernis

Natürlich müssen sich die Gemeinden im Dekanat Verden auch eher unangenehmen Realitäten stellen: zum Beispiel den Entfernungen. Wer setzt sich für eine Abendveranstaltung schon für eine Stunde Anfahrt ins Auto? Hier, in der Fläche, ist der Öffentliche Nahverkehr allein auf den Schülertransport ausgerichtet. Wer allein in einer der vielen kleinen Ortschaften wohnt und kein Auto hat, ist schon ziemlich abgehängt. Kinder- und Jugendtrefen über Gemeindegrenzen hinaus sind da kaum möglich.

Stefan Branahl

 

Das Dekanat Verden

Im Dekanat Verden leben derzeit rund 19 100 Katholiken. Etwa ein Viertel gehört jeweils zu den Gemeinden St. Josef in Verden, St. Matthias in Achim (mit Oyten), Corpus Christi in Rotenburg (mit Zeven) und St. Maria vom hl. Rosenkranz in Walsrode (mit Benefeld, Visselhövede und Bad Fallingbostel).

Dekanatssitz ist Walsrode, Dechant ist Siegmund Bulla, der zur Zeit aus Krankheitsgründen allerdings ausfällt.

Der Einsatz für Familien wird im Dekanat Verden großgeschrieben. Neben drei Kindergärten gibt es zwei Krippen, einen Familiengarten und ein Familienzentrum in Verden.

Eine wichtige Adresse für ältere Menschen ist das Alten- und Pflegeheim St. Josef in Verden. Als Schwerpunkt konnte kürzlich eine Station für Demenz- und Palliativbewohner eröffnet werden.

Weitere Informationen: www.dekanat-verden.de