17.04.2011

KiZ-Tipp: Fagus-Werk in Alfeld

Mehr als eine Fabrik

Geradlinig, funktional, sachlich – das ist typisch für die Bauhaus-Architektur. Dieser Stil wäre nichts ohne seinen Begründer Walter Gropius, der seine Bauvisionen zuerst in der Schuhleistenfabrik Fagus in Alfeld umsetzt. Das Werk gilt als Ursprung moderner Architektur.

Vor 100 Jahren legte Walter Gropius mit dem Alfelder Fagus-Werk den Grundstein für eine moderne Architektur. Foto: Fagus-Werk
Vor 100 Jahren legte Walter Gropius mit dem Alfelder Fagus-Werk den Grundstein für eine moderne Architektur. Foto: Fagus-Werk

Alfeld (if). Die Geschichte beginnt 1911: Carl Benscheidt, Besitzer des Fagus-Werks, möchte ein neues Fabrikgebäude bauen. Über Familienkontakte kommt der junge Architekt Walter Gropius an den Auftrag. Seine Bauvision weicht völlig von der Bauweise der Kaiserzeit ab. Zur damaligen Zeit entstanden eher monumentale, verschnörkelte und  schlossähnliche Gebäude.

Gropius hingegen entwirft ein Haus aus Glas und Stahl. Die Gebäudeecken sind ohne Stützen gebaut, die Fassaden des dreistöckigen Hauses sind vollständig verglast und scheinen zu schweben. Damit erregte das Fagus-Werk Aufsehen und gilt seitdem als Ursprung der modernen Architektur und des Bauhaus-Stils.

Seit 1946 steht es unter Denkmalschutz. Im Sommer entscheidet die UNESCO, das Kulturwerk der Vereinten Nationen, ob die Fabrik in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen wird.

Noch heute wird in der Fabrik gearbeitet, es riecht nach Sägespänen und Holzleim. Etwa 500 Mitarbeiter des Unternehmens Fagus-GreCon produzieren Holzbearbeitungsmaschinen, Brandschutz- und Messsysteme, aber auch noch Leisten für die internationale Schuhindustrie. Formen, die hier zusammen mit Designern entwickelt werden, setzen Trends in der Schuhmode.

Interessierte können jederzeit das Fagus-Werk besuchen. Im ehemaligen Lagerhaus ist eine umfangreiche Fagus-Gropius-Ausstellung zu sehen. Auf 3000 Quadratmetern, verteilt auf elf Etagen, sind Exponate zu verschiedenen Themen zu sehen: Schuhmode aus 100 Jahren, Menschen bei Fagus oder Massivholzverarbeitung.

Die Sonderausstellung „Das lebende Denkmal“ dokumentiert die Restaurierung der Fabrik und die einmalige Gropius-Architektur. Die Ausstellung ist bis zum 30. Juni täglich geöffnet.

Öffnungszeiten: montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 13 Uhr sowie auf Anfrage. Kontakt: Fagus-GreCon, Hannoversche Strasse 58, 31061 Alfeld, Telefon: 0 51 81/7 92 88, Internet: www.fagus-gropius.com