27.01.2016

Jahr der Orden

Menschen mit Strahlkraft

Das „Jahr der Orden“ endet: Am Dienstag wird Papst Franziskus, der das Jahr ausgerufen hatte, mit einem Gottesdienst den offiziellen Schlusspunkt setzen. Zumindest in einer Hinsicht kann er zufrieden sein: Das Projekt hat den Orden Aufmerksamkeit verschafft.

 

In Deutschland gibt es nur noch 17.000 Ordensfrauen - eine'
"Krise der Orden" ist aber nicht weltweit festzustellen. 
Foto: kna-bild

Vor allem kirchliche, aber auch weltliche Medien haben beispielsweise Ordensfrauen und -männer vorgestellt oder geschildert, wie heutzutage das Leben in einem Kloster aussieht. Das Thema sei „an der Basis angekommen“, stellt Abt Hermann-Josef Kugler, Vorsitzender der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK), denn auch erfreut fest.

Zur Sprache gekommen ist dabei auch die kritische Situation der Gemeinschaften. Unverändert sinkt in Deutschland die Zahl der Ordensleute: Zurzeit gibt es etwa 4300 Ordensmänner und rund 17 000 Ordensfrauen; vor 20 Jahren hatten die Männerorden noch über 50 Prozent mehr Mitglieder, die Frauenorden gar gut doppelt so viele. Eine Umkehr dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, da nur wenige junge Menschen sich für einen Eintritt entscheiden.

 

Viele Alternativen zum Leben im Kloster

In praktisch allen Bereichen des kirchlichen Lebens in Deutschland sinken die Zahlen – grundsätzlich kann es mithin nicht verwundern, dass dies auch für die Orden gilt. Bei ihnen kommt erschwerend hinzu: Wer als junger Mensch ein sinnvolles, dem Wohl der Mitmenschen dienendes und vom Glauben geprägtes Leben anstrebt, hat viele respektable Alternativen – auch ohne sich lebenslang zu binden und Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit zu geloben.

Viele Möglichkeiten der Lebensgestaltung, abnehmende Kirchlichkeit – das gilt für große Teile der westlichen Welt. Daher erstaunt es wenig, dass die Zahl der Ordensleute in Europa, Amerika und Ozeanien seit Jahren sinkt. Hingegen steigt sie in Afrika und Asien – in Erdteilen, in denen Religion selbstverständlicher zum alltäglichen Leben gehört. Bei den Männerorden gleicht das Wachstum in Asien und Afrika sogar das Minus im Rest der Welt aus; die Zahl der Ordenspriester und -brüder weltweit liegt recht stabil bei ungefähr 190 000. Viermal so viele Ordensfrauen weist die globale Statistik aus; allerdings verlieren die weiblichen Gemeinschaften wegen der deutlich sinkenden Zahlen in Europa und Amerika unterm Strich stetig an Mitgliedern.

 

Verluste von Klöstern sind unwiederbringlich

Nein, eine „Krise der Orden“ ist nicht in allen Regionen der Erde festzustellen. Freilich hilft dieser Gedanke wenig, wenn wieder einmal eine traditionsreiche Einrichtung geschlossen werden muss. Der Verlust an geistiger und geistlicher Prägung ist unwiederbringlich.

Das „Jahr der Orden“ konnte den Trend nicht umdrehen. Immerhin ist der Blick geschärft worden: für die Sorgen der Orden wie auch dafür, welchen Schatz sie darstellen für die Kirche und die Welt. Und welches Potenzial nach wie vor in ihnen steckt. Generaloberin Regina Pröls, die stellvertretende DOK-Vorsitzende, sagt: „In Zukunft wird es zwar weniger Ordensleute geben. Aber sie sind mit Strahlkraft ausgestattet, weil sie frei von vielen Lasten sind und sich auf ihr geistliches Leben und ihre Sendung konzentrieren können.“

Von Hubertus Büker