04.05.2012

Musical der Ludwig-Windthorst-Schule

Mit Wilhelm Tell gegen Mobbing

Seit mehr als einem halben Jahr bereiten fast 200 Schülerinnen und Schüler der katholischen Haupt- und Realschule in Hannover die Aufführung des Muscials „Flucht in die Zukunft“ vor. Sie ist Teil des Jubiläumsprogramms zum 200. Geburtstag des Schulpatrons Ludwig Windthorst.  

 

 Jens Schulze
Für das Musical „Flucht in die Zukunft“ haben die Schülerinnen und Schüler der Haupt- und Realschule in den letzen Wochen eifrig geprobt. Foto: Jens Schulze

Gut, dass nicht alle ihre Ausgabe von „Wilhelm Tell“ weggeschmissen haben, nachdem die Klassenarbeit erledigt war. „In keiner Not uns trennen und Gefahr … uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen“: Was sich die Helden des Dramas im Rütli-Schwur versprechen, kann auch heute noch nützlich sein. Zum Beispiel, wenn man sich gegen eine mobbende Clique zur Wehr setzen will. Es lohnt sich, mal in die Vergangenheit zu blicken, ob dort nicht eine Lösung für die Probleme der Gegenwart parat ist.

Zusammenhalten gegen Mobbing

Leonora, die Heldin des Musicals „Flucht in die Zukunft“ ist eine Zeitreisende. Sie kommt aus dem spätmittelalterlichen Italien, wo die Pest wütet und ihr Vater im Verdacht steht, mit schwarzen Künsten die Seuche heraufbeschworen zu haben. Leonora drückt sich etwas altertümlich aus und fürchtet sich vor fahrenden Autos. Aber sie durchschaut sofort, welches Spiel die niederträchtige Zora treibt, und bringt die Mädchen aus dem 21. Jahrhundert dazu, gegen ihre Mobbing-Attacken zusammenzuhalten.

In Arbeitsgemeinschaften haben die Band, der Chor, die Tanz-Company, die Darstellerinnen und Darsteller ihren Beitrag zum Stück erarbeitet und tragen jetzt alle Bestandteile zusammen. Auch hinter den Kulissen sind die Jugendlichen an Scheinwerfern und Nebelmaschinen im Einsatz. Das Ziel von Musiklehrer und Projektleiter Andreas Migura: Jeder soll zeigen, was er oder sie besonders gut kann.

Aufführungen sind immer eine Herausforderung

Ein Casting für die Hauptrollen diente dazu, Talente zu entdecken. Zum Beispiel Maria, die mit hinreißender Bosheit die Rolle der Zora spielt. „Sie hat uns gleich überzeugt, obwohl sie erst in der sechsten Klasse ist“, sagt Deutschlehrer Andreas Armbruster. Maria kommt aus einer Theaterfamilie. Wenn sie ihren Uropa, der Opernsänger war,  in der Ukraine besucht, gehen sie zusammen ins Theater. Eigentlich hätte sie lieber eine von den „Guten“ gespielt, verrät sie. Aber die Lehrer haben sie überzeugt, dass sie sich in der Rolle der Zicke richtig entfalten könnte.

Auch Benedikt ist so ein Vollblut-Künstler. Der 16-Jährige begleitet sonst seine eigenen Lieder am Klavier. Bei „Flucht in die Zukunft“ sitzt er am Keyboard. „Die Keyboarder müssen sich sehr zurücknehmen“, erklärt Andreas Migura. „Sie sind wichtige Stützen der Band, aber die Aufmerksamkeit ernten andere.“ Zum Beispiel Nicole, die Leadsängerin aus dem Chor. Sie ist schon in der zehnten Klasse und unterstützt die Jüngeren aus der Bandklasse mit ihrer Erfahrung. Doch vom Lampenfieber bleibt auch sie nicht ganz verschont: „Es ist immer wieder eine neue Herausforderung“, findet sie.
Neben den neuen Liedern aus dem Musical werden auch einige Klassiker aus der Popgeschichte zu hören sein: Von „Wenn ich König von Deutschland wär“ bis „We don’t need no education“. Ganz nach dem Motto: Manchmal lohnt es sich, Schätze von gestern zu entdecken.

Annedore Beelte

Das Musical wurde vom 8.bis 11. Mai 2012 in der Ludwig-Windthorst-Schule aufgeführt.