30.11.2011

Kommentar

Protest ist berechtigt

Von Rüdiger Wala

Warum demonstrieren „die“ in Gorleben? Wir steigen doch aus der Atomenergie aus. Der Müll muss doch irgendwo hin. Irgendwo in Deutschland und nicht in Sibirien. Und was das alles kostet – der Transport, der Polizeieinsatz. Protest gegen den Castor hat doch keinen Sinn mehr.

Das mag man denken. Ich finde: Das ist falsch gedacht. Protest hat weiterhin viel Sinn. Ich habe viel Verständnis für die Menschen aus dem Wendland und für die Atomkraftgegner. Sie misstrauen der Politik – und das tun sie aus einem Grund: Wir hatten schon mal einen Beschluss zum Atom­ausstieg. Das war im Jahr 2000. 2010 stieg die schwarz-gelbe Bundesregierung aus dem Ausstieg aus. Die Katastrophe von Fukushima brachte ein erneutes Umdenken. Doch ist es dauerhaft? Das letzte Atomkraftwerk in Deutschland geht 2022 vom Netz. Zehn Jahre Zeit für Lobbyisten für ein neues Umdenken zu sorgen.

Misstrauen auch in einer zweiten Frage: die „ergebnisoffene Suche“ nach dem besten Standort für ein Endlager, das hochradioaktiven Müll aufnehmen kann. Ob Salz, Ton oder Granit am besten geeignet sind, ist eine offene Frage. Doch während die Politik vollmundig von einer weißen Landkarte spricht, wird in Gorleben der Salzstock weiter erkundet. Eine ergebnis­offene Suche sieht anders aus: Sie beginnt mit dem Ausradieren des schwarzen Flecks Gorleben. Die Erkundung hätte eingestellt, der Castor-Transport abgesagt werden müssen. Das hätte Vertrauen geschaffen. Nicht zuletzt, weil es zumindest widersprüchliche Ergebnisse bei den Strahlenwerten am Zaun des Zwischenlagers gibt. Ein weiteres Kapitel in der von Ungereimtheiten nicht armen Geschichte von Gorleben.

Anlass zum Protest gibt es weiter: Spätestens, wenn wieder Castoren gen Wendland rollen. Im nordenglischen Sellafield warten 21 Behälter mit strahlenden Hinterlassenschaften der Wiederaufbereitung auf dem Rücktransport. So wie es zurzeit aussieht, kommen auch diese Castoren nach Gorleben. 2014 könnte es so weit sein.