20.11.2014

Projekttage zum Umgang mit Sterbenden und dem Tod

Raum für Angst und Hoffnung

Wie gehe ich mit Trauer und Abschiednehmen um? Woher kann ich die Kraft nehmen, meine Trauer zu verarbeiten? Auch Kinder und Jugendliche stellen sich solche Fragen. Der ambulante Hospizdienst der Malteser bietet darum Projekttage an Schulen an, in denen mit den Schülern Antworten auf diese Fragen gesucht werden.

Was tut mir gut, wenn es mir schlecht geht? Die Schüler der 10. Klasse der LuWi haben  symbolisch ein Meer aus wohltuenden Tropfen gebildet.

Aktuell sind Christoph Mock, der Hospizkoordinator der Malteser, und sein Team aus Ehrenamtlichen in den 10. Klassen an der Ludwig-Windthorst-Schule in Hannover zu Gast. „Jugendliche haben gerade in dem Alter oft Hemmungen über ihre Gefühle zu reden, weil das schnell als uncool gelten kann“, sagt Mock. Doch dabei dürfe man es nicht bewenden lassen.

„Im Gegenteil, hier merken sie aber ganz schnell, dass sie in der Gruppe hauptsächlich positiv aufgenommen werden, wenn sie sich öffnen“, erklärt der Hospizkoordinator. Sein Team und er hätten vielfach gesehen, dass Schüler auch ein Bedürfnis haben, über das Thema Tod und Trauer zu reden, wenn man ihnen den Raum dafür gibt.

Schule sei ein guter Ort, um sich Gedanken darüber zu machen, findet Mock. Vor allem können Schüler überlegen, was ihnen in bestimmten Situation helfen kann. Zudem setzen sie sich mit den eigenen Ängsten auseinander. 

„In Familien herrscht manchmal eine gewisse Unsicherheit, wenn jemand krank ist oder stirbt. Aus Angst, dass es dem Kind schaden könnte, werden sie nicht mit einbezogen“, sagt Mock: „Darum haben viele Schüler schon Erfahrungen damit gemacht, dass sie nicht zu Beerdigungen durften oder sich nicht ein letztes Mal im Krankenhaus verabschieden durften.“ Durch die Projekttage würden die Schüler vorbereitet, in solch einer Situation selbst eine verantwortungsbewusste Entscheidung fällen zu können.

 

Das sagen Schülerinnen und Schüler:

Monika (16):  „Meine Oma ist schwer krebskrank und ich sollte mich von ihr verabschieden. Aber ich konnte einfach nicht mit ihr darüber reden. Es war zu traurig. Jetzt weiß ich, dass ich nicht die Einzige bin, die in so einer Situation steckt. Ich habe gelernt, dass es gut ist, sich damit auseinanderzusetzen.“

Nicolas (16): „Von sich aus würde sich keiner von uns mit dem Thema Tod wirklich beschäftigen, aber jeder hat schon mal wen verloren – ich zum Beispiel 2011 meinen Opa. Ich habe zwar nicht geweint, aber jeder sollte seinen eigenen Weg gehen, mit der Trauer umzugehen. Und Weinen ist da eine völlig normale Sache.“ 

Marisa (14): „Meine Tante hat MS, da ist klar, es gibt keine Heilung. Ich denke, viele Leute haben Ängste, wollen oder können nicht darüber reden. Ich habe aber gemerkt, dass viele andere sich auch mit dem Thema beschäftigen. Das bestätigt einen selbst und zeigt mir, dass es wichtig ist, sich auch über schwierige Themen zu unterhalten.“

Patrick (15): „Ich selber denke zwar eher an meine Zukunft und daran, dass das Leben jetzt losgeht, aber ich finde es trotzdem gut, dass wir auch in der Schule etwas über das Thema Tod lernen. Zum Beispiel, dass man auch mit Sterbenden darüber reden darf und dass das Leben für die, die zurückbleiben, weitergehen darf.“