16.05.2012

Die Wurst vom ausgesuchten Schwein bestellen

Respektvolle Fleischeslust

Auf der Internetseite www.meinekleinefarm.org wird dem Fleisch ein Gesicht gegeben. Über eine Geschäftsidee, die zum respektvollen Fleischverzehr aufruft.

Neugierig schaut "Schwein 12" in die Kamera.

Es ist ein süßes Gesicht, trägt eine rosa Schweinsnase, einen schwarzen Punkt auf der Stirn und schaut neugierig in die Kamera. „Schwein 12“ heißt das niedliche Tierchen, um das es hier geht und das zurzeit 37 Kilogramm wiegt. Noch. „Schwein 12“ ist erst drei Monate alt. Wenn es so weit ist, wird „Schwein 12“ sicherlich mehr wiegen. Wahrscheinlich 130 Kilogramm. Der Tag, an dem „Schwein 12“ mit dem gescheckten Fell sein Erdenleben beenden wird, an dem seine 130 Kilogramm zu Wurst verarbeitet werden, wenn der Schlachter erst die Stromzange ansetzen und danach mit dem Stich in die Halsschlagader das Leben von „Schwein 12“endgültig und unausweichlich beenden wird, dieser für „Schwein 12“ so schicksalsschwere Tag, steht dabei schon fest: Es ist der 7. September 2012.

Was mit seinen sterblichen Überresten geschehen wird, auch das ist schon durchgeplant. Das Knoblauchmett, die Leberwurst, Rotwurst, Schlackwurst oder die Sülze, die aus seinem Fleisch und Blut hergestellt worden sind, werden per Post ins Land hinaus verschickt. Zur Freude glücklicher Konsumenten, die die Wurst von „Schwein 12“ genießen werden. Sein Gesicht auf den Wurstgläsern und -dosen wird die Kunden dabei daran erinnern, wem sie diesen Genuss zu verdanken haben. So eine Wurst isst man wohl ein bisschen anders.

                                                Weniger Fleisch, mehr Respekt!

Die Galerie der Schweine

So kurios wie kreativ ist die Geschäftsidee des Studenten Dennis Buchmann, die sich hinter der Internetseite www.meinekleinefarm.org verbirgt. „Schweinefleisch zum Anschauen“ könnte man das Prinzip  nennen. Oder moralisch: „Weniger Fleisch, mehr Respekt!“

Auf der Seite können sich Kunden ihr – noch lebendes – Lieblingsschwein mit Hilfe einer Fotogalerie aussuchen. Ist das gefunden, können sie die Lieblingsprodukte, die sie von diesem Schwein gern verzehren würden, vorbestellen. Ob den Schinken oder das Knoblauchmett. Wird das Schwein dann geschlachtet, erhalten die Kunden die Produkte per Post zugestellt. Die Gläser dabei immer versehen mit dem Konterfei des Schweins, damit auch jeder weiß, wo die Wurst herkommt.

Ihr Schweineleben fristen die entsprechenden Tiere bei Biobauer Bernd Schulz in Brandenburg. Ein schönes Schweinleben können sie dort führen. Mit viel Auslauf im großen Gatter. Ist der Tag dann für das entsprechende Schwein gekommen, geht es zunächst zum Schlachter ins Nachbardorf, danach im Wurstglas zum Kunden.

Ein bewusster Konsum ist das Ziel

Das Ziel der Idee von Buchmann: Er möchte eine andere Einstellung zum Fleischverzehr hervorrufen. Einen bewussten Konsum. „Das Schwein bestimmt das Bewusstsein", sagt Buchmann. Er wolle den Menschen nicht den Appetit verderben, aber zu einem anderen Umgang mit Fleisch verhelfen. Der hierzulande wohl auch not tut. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums verzehrte jeder Deutsche im Jahr 2010 durchschnittlich etwa 61 Kilogramm Fleisch, das sind etwa 1170 Gramm die Woche. 1956 aß der Durchschnittsdeutsche noch 27 Kilogramm Fleisch pro Jahr.

Wahrscheinlich auch deshalb kommt das Konzept des Fleisches, das ein Gesicht hat, so gut an. „Schwein 12“ ist schon ausverkauft. Nur bei „Schwein 11“ und bei „Schwein 13“ gibt es noch etwas zu holen.

Ihr Webreporter Daniel Gerber