28.10.2013

Im Spätherbst zeigt sich die Insel Ameland von ihrer schönsten Seite

Ruhe satt im Norden

In der Nachsaison kommen die Urlaubsorte zu sich. Dann werden Sonnen- und Badeziele zu Oasen der Ruhe. Am Strand kann man ungestört durchatmen. Und wer aufs Rad steigt, muss nicht befürchten, zur Seite gehupt zu werden.

Nachsaison auf Ameland: Schafe grasen ungestört auf einem Picknick-Platz. Im Hintergrund hat sich der Ort Hollum in den Feldern und Weiden versteckt. Fotos: Ulrich Traub

Ameland ist solch ein Ort. Die niederländische Insel ist ein ideales Ziel für Reisende, die ausspannen möchten. Wem der Sinn nach endlosen, fast menschenleeren Stränden, nach einer viele Kilometer langen Dünenkette, einsamen Wäldchen und nostalgischen Dörfern steht, der wird Ameland in den Herbstwochen lieben. Wer aber nicht allein unter Einheimischen sein will, dem sei der November als Reisemonat empfohlen.

Bekanntschaft mit den Einheimischen

Die 25 Kilometer lange und an ihrer breitesten Stelle nur vier Kilometer breite Insel steht in diesen Wochen im Zeichen der Kunst. Malereien, Fotografien und Skulpturen, mal gegenständlich, mal abstrakt, erzählen meist von der Auseinandersetzung mit maritimen Themen. Der Weg zur Kunst hat zahlreiche Stationen, die über die ganze Insel verstreut sind. So lernt man nicht nur Ameland kennen, sondern macht auch Bekanntschaft mit Einheimischen und Urlaubern. Einig ist man sich unter den Kunst-Ausflüglern, dass der Besuch der kleinen Kirchen, von denen jeder der vier Orte mindestens zwei besitzt, am lohnenswertesten ist. Sie sind von hölzerner Schlichtheit, behaglich und unprätentiös.

Gemütliches Holpern übers Riemchenpflaster: Dorfstraße in Ballum. Lohnender Zwischenstopp ist das kulturhis-torische Museum Sorgdrager.

Die Geschichte Amelands ist in den Dörfern sichtbar geblieben. Neben alten Höfen bestimmen vor allem die stattlichen Kommandeurshäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert das Bild. Hier lebten die Familien der Walfänger, die es in diesem gefährlichen Handwerk zu Ruhm und Reichtum gebracht haben. Heute ruft ein begehbarer Finnwal vor dem Naturkundemuseum diese Zeit in Erinnerung. Auch der alte Turm von Nes, um den sich die Häuser des Ortes gruppieren, ist ein Zeitzeuge. Früher fungierte er als Seebake.

Der Koffie wird bitter aufgerüstet

Nach Einbruch der Dunkelheit werden die baumbestandenen Gassen in das gelbliche Licht der alten Laternen getaucht. Die letzten Radler holpern über das Riemchen-Pflaster. Aus den Cafés und Restaurants schimmert einladend Kerzenlicht: Gemütlichkeit allenthalben. Man kommt am Kamin zusammen, trinkt einen mit Bitter aufgerüsteten Ameländer Koffie und tauscht sich aus. Die einen wollen morgen durch das Naturschutzgebiet Het Oerd wandern. Andere möchten über den Deich am Wattenmeer radeln. Ohne Rad auf Ameland? Kein Problem. Auch im Herbst haben die Radverleiher geöffnet.

 

Man lebt sich schnell ein auf dieser kleinen Insel, auf der es aufgrund des kühlen Nordseewassers weniger regnet als auf dem Festland. Dafür scheint häufiger die Sonne – auch im Spätherbst. Man genießt die Ruhe, die saubere Luft und die Naturimpressionen. Gerne beobachtet man das Spiel der Wellen, folgt den Wolkenbergen, die schnell in Richtung Festland ziehen, und lässt sich vom Wind, der durch den Strandhafer raschelt, treiben. Die einsamen Strandwanderer werden erfreut feststellen, dass die Strandpavillons noch geöffnet sind. Auf einem Logenplatz über dem Meer den Gedanken nachhängen und nicht merken, wie die Zeit verstreicht: Wellness-Urlaub ganz natürlich.

Ulrich Traub

 

Kontakt:

Besser mit dem Rad:

  • Auto am Fähranleger in Holwerd stehen lassen und auf der Insel Fahrräder leihen. Das ist nicht nur erholsamer, sondern schont das Portemonnaie.