27.04.2014

Papst Johannes Paul II. hatte das kürzeste Heiligsprechungsverfahren

Santo subito – heilig, sofort!

Unter den Großen der Geschichte hat Johannes Paul II. (1978-2005) seinen festen Platz. Der Papst aus Polen hat durch seine Unterstützung für die damalige Opposition in seiner Heimat maßgeblich zum Ende des Ostblocks und damit auch zum Fall der Mauer beigetragen.

 

"Santo subito" – schon während der Trauerfeier 2005 forderten die Gläubigen eine schnelle Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. Foto: pa

Es ist eine Heiligsprechung in Rekordzeit, so rasch wie bei niemandem zuvor in der neueren Kirchengeschichte. Benedikt XVI. (2005-2013), der engste Mitarbeiter des polnischen Papstes, ließ sich zwar nicht von den organisierten Plakaten und Sprechchören beeindrucken, die schon bei der Totenmesse "Santo subito" (heilig sofort) forderten. Doch er schloss sich dem Strom der Verehrung an, die Johannes Paul II. schon zu Lebzeiten genoss: Er verkürzte die Wartefrist für den Seligsprechungsprozess, drängte aber ansonsten auf eine strenge Beachtung der Normen. So erkannte der Vatikan nach den Vorarbeiten in den Diözesen Rom und Krakau das vorbildliche christliche Leben von Karol Wojtyla an. Danach bestätigten Mediziner und Theologen auch zwei Wunderheilungen auf dessen Fürbitte.
 

Am 16. Oktober 1978 wird Karol Wojtyla als
erster Pole zum Papst gewählt. Foto:pa/dpa

Mit 26 Jahren und fünf Monaten verzeichnet Johannes Paul II. das zweitlängte Pontifikat eines Petrusnachfolgers. Für eine ganze Generation war der erst dynamische und dann schwerkranke Pole das Gesicht der katholischen Kirche. Nach seinen Erfahrungen während der Kriegs- und Besatzungszeit, und dann unter den Kommunisten wurden der Einsatz für Frieden, Menschenrechte, Religionsfreiheit und Gerechtigkeit zu den starken Themen des Papstes.

Schon bald nach seinem Amtsantritt stoppte er die um Kompromisse bemühte vatikanische Ostpolitik und schlug eine härtere Gangart ein. Mit Forderungen nach einer sozialen Marktwirtschaft, nach freien Gewerkschaften sowie später nach einer solidarischen Globalisierung entwickelte er die kirchliche Soziallehre weiter. Die Stärken des Wojtyla-Pontifikates lagen zweifellos im politischen und diplomatischen Bereich. Bei seinen Reisen redete er Diktatoren von Chile bis Kuba ins Gewissen. Wie sehr er die Kreise der Ostblock-Potentaten störte, zeigte das noch immer nicht aufgeklärte Attentat vom 13. Mai 1981.
 

Johannes Paul II. bemühte sich um eine Aussöhnung mit dem Judentum

Historisch war auch der Beitrag, den der 1920 in Wadowice in der Nähe von Auschwitz geborene Karol Wojtyla zur Aussöhnung von Kirche und Judentum leistete. In seinem Pontifikat nahmen der Vatikan und Israel volle diplomatische Beziehungen auf. Als erster Papst betrat Johannes Paul II. 1986 eine Synagoge, später auch eine Moschee. Er bemühte sich um Kontakte zu den anderen Religionen, nicht zuletzt durch die Friedenstreffen von Assisi, die er auch gegen Widerstände in der Kurie durchsetzte.

Der erste nichtitalienische Papst seit 455 Jahren erwies sich als begnadeter und polyglotter Kommunikator. Mit Offenheit und Spontaneität, mit pastoraler Kreativität und einem unkonventionellen Leitungsstil erwarb er sich die Sympathie der Gläubigen. Er unternahm 104 Auslandsreisen, verfasste 15 Enzykliken.
 

Am 2. April 2005 stirbt Johannes Paul II. nach langer
Krankheit unter weltweiter Anteilnahme. Foto: pa/dpa

Die Medien feierten ihn als "Superstar". Erst Anfang der 90er Jahre wurde es etwas ruhiger ihn. Doch auch dem Superstar blieb Kritik nicht erspart. Vor allen in Westeuropa und in den USA stieß man sich an seinen konservativen theologischen Positionen. Säkularisierung und Glaubensschwund erreichten rasch auch die "befreiten" Kirchen des früheren Ostblocks. Im Nachhinein lastet man ihm allzu große Nachsicht etwa mit dem umstrittenen Gründer der Legionäre Christi, Marcial Maciel Degollado (1920-2008), an. Und gefragt wird, ob Johannes Paul II. nicht mitunter der Kurie zuviel freie Hand ließ.

Neues Ansehen gewann er wieder in seinen letzten Lebens- und Leidensjahren. Der von der Parkinson-Krankheit Gezeichnete wurde zu einer moralischen Autorität über Glaubens- und Kulturgrenzen hinweg. Vor dem Irak-Krieg 2003 suchten die Gegner aus Bagdad und Washington, aber auch die Spitzen der internationalen Diplomatie seinen Rat. Es überraschte nicht, dass an seinem Sarg nebeneinander Kirchenführer und Staatsmänner unterschiedlichster Lager saßen: neben dem US-Präsidenten und seinen beiden Vorgängern Ayatollahs aus dem Iran und die Präsidenten aus Syrien und Israel.

kna