15.06.2012

Edith-Stein-Schule Bremerhaven

Schüler spielen Theater - auf Latein

Latein ist eine tote Sprache? Dummes Zeug, sagen Schüler der Edith-Stein-Schule in Bremerhaven. Sie haben ein Theaterstück geschrieben und der Premiere entgegen gefiebert.

Achilles trauert um seinen ermordeten Gefährten Patraklos und wird von den Nereiden getröstet – Szene aus dem Stück „fabula de ira Achillis“. Foto: Stefan Branahl
Achilles trauert um seinen ermordeten Gefährten Patraklos und wird von den Nereiden getröstet – Szene aus dem Stück „fabula de ira Achillis“. Foto: Stefan Branahl

Gemurmel hinter dem Vorhang: Wie trägt man eine Leiche angemessen auf die Bühne? Immerhin handelt es sich hier um Patroklos, den besten Freund des Achilles. Es geht um den Trojanischen Krieg, es geht um Freundschaft und Feindschaft, um Treue und Zorn, Ehre und Liebe.

„fabula de ira Achillis“ heißt das Stück („Geschichte vom Zorn des Achilles“). Es ist verfasst in der Art griechischer Tragödien und wird aufgeführt von Schülern der 8. Klasse. Wer die letzten Proben vor dem großen Auftritt verfolgt, würde das kaum glauben: Diszipliniert und selbstbewusst schildern die 14-Jährigen ein Stück Weltgeschichte. Die Generation Facebook kapituliert nicht vor der Antike.

Allenfalls Dirk, der als Homer erzählend durch die Geschichte führt, hat so seine Schwierigkeiten: Gut 75 Minuten einen Blinden zu spielen und dabei noch die Hauptlast des Textes zu tragen, ist schon eine echte Herausforderung. „Fixier einfach einen Punkt im Publikum, dann geht es besser“, rät ausgerechnet Hector, der Patroklos auf dem Gewissen hat.

„Meine Schüler sind saugut“

An dieser Stelle kommt Birgit Scholz ins Spiel. Vor sechs Jahren hat sie, die Archäologin und bis dahin Dozentin für Alte Geschichte an der Universität Bremen, den Lateinunterricht an der Edith-Stein-Schule übernommen. Was sie ausstrahlt, lässt vermuten, dass sie vom klassischen Vokabelpauken und Grammatikunterricht nicht viel hält. Heute sind ihre Finger voll blauer Farbe: Eben war sie noch dabei, als der Streitwagen gestrichen wurde. Jetzt hilft sie in die von ihr selbst geschneiderten Kostüme, führt Regie, bereinigt Schwachstellen im Text und behält die Ruhe, wenn das Chaos droht.

Und sie sagt, was von Lehrern heute nur noch selten gesagt wird: „Ich habe tolle Schüler, die sind einfach saugut.“ Vor allem aus diesem Grund hat sie die Textvorlage für „fabula de ira Achillis“ einem Schulbuchverlag vorgelegt. Jetzt hoffen sie und ihre Schüler, dass das Werk veröffentlicht werden kann.
Geweckt wurde die Begeisterung im vergangenen Jahr, als der Lateinkurs ein Theaterstück besuchte, „König Ödipus“ von Sophokles. „Das wollen wir auch“, sagten die Schüler. „Aber nur unter der Bedingung, dass ihr das Stück selber schreibt – und zwar in eurer Freizeit“, machte Scholz zur Auflage.

Erst gab es lange Gesichter, aber am Ende waren alle mit viel Engagement bei der Sache, schrieben die Geschichte des Achilles zunächst in Deutsch, übersetzten sie in Latein, setzten den Text Szene für Szene für die Bühne um. Und bastelten nebenher nicht nur ihre Requisiten nach historischen Unterlagen (Schwerter, Helme und Schilde entstanden nach Funden von Heinrich Schliemann in Mykene), sondern paukten auf recht unkonventionelle Weise auch noch die lateinische Grammatik.

„Die Aufführung nicht vergeigen“

Warum? „Weil es einfach Spaß gemacht hat“, sagen Celina und Fenja, die sich während der Probe noch einmal in den Text vertiefen. Sie und die anderen Mädchen spielen die Nereiden, die schönen und klugen Meeresnymphen, die den roten Faden der Geschichte in der Hand halten. Spanisch oder Französisch? Das könne doch jeder. „Aber Latein ist doch echt cool“, sagen sie. Eine Herausforderung ist der „Zorn des Achilles“ für jeden der Schüler. Auch für Hauptdarsteller David: „Natürlich sind wir aufgeregt. Wir wollen unsere Aufführung doch nicht vergeigen …“

Stefan Branahl

 

Kontakt:

Edith-Stein-Schule, Grazer Str. 15a, 27568 Bremerhaven, Telefon: 04 71/308 59 40, E-Mail: edith-stein-schule@katholische-schule-bremerhaven.de