02.09.2013

50 Jahre Kirche St. Elisabeth in Wendeburg

Typisch – und doch wieder nicht

Sie ist eine typische Gemeinde im Bistum Hildesheim: St. Elisabeth in Wendeburg. Und doch wieder untypisch – seit 50 Jahren.

Dichtes Gedränge beim Kirchweihfest nach dem Gottesdienst mit Weihbischof Heinz-Günter Bongartz. Foto: Wala

Wendeburg 1963: Zur Weihe des Gotteshauses hatte der damalige Bischof Heinrich Maria Janssen ein besonderes Geschenk: ein Altarkreuz. Das mit Bergkristallen und blauer Emaille verzierte Kruzifix war eine Auftragsarbeit: nicht für St. Elisabeth, sondern für den Abschlussgottesdienst des gerade zu Ende gegangenen 79. Katholikentag, der in Hannover begangen wurde. Es zierte den Altar im Niedersachsenstadion – und nun trägt es das Motto des Katholikentages weiter: „Glauben, danken, dienen“. Dieser Leitgedanke passt zur Patronin – und zur Gemeinde in Wendeburg.

An die Zeit der Kirchweihe erinnert beim Festgottesdienst auch Weihbischof Heinz-Günter Bongartz: „Vor 50 Jahren sah die Welt noch ganz anders aus.“ Die katholischen Gemeinden wuchsen und zahlreiche Kirchen wurden gebaut: Es waren vor allem Flüchtlinge und Vertriebene, durch die die Zahl der Katholiken wuchs. Das war in Wendeburg, mitten im protestantischen Stammland gelegen, nicht anders. Mit den Menschen ging aber auch eine Veränderung der Kirche daher: „Sie wollten ein neues Leben, ein neues Land und auch eine neue Kirche.“

Ohne Kirche fehlt der Welt etwas

Auch heute, ein halbes Jahrhundert später, stehe die Kirche vor einem Wandel. Vor allem gehe es engagierten Christen darum aufzuzeigen, dass Kirche heute noch gefragt ist: „Ohne sie fehlt der Welt etwas, gerade in Zeiten von Not, Trauer und Bedrändnis“.

Bedrängnis ist eine Erfahrung, die zur Gründung von St. Elisabeth geführt hat. Bereits 1946 richtete Bischof Joseph Godehard Machens in Wendeburg eine Pfarrvikarie ein –  wegen des Zustroms katholischer Heimatvertriebener. Mit dem aus Schlesien stammenden Pfarrer Franz Wiesner betreute er einen der Ihren mit der Seelsorge: Auf seinen Wunsch ist es zurückzuführen, dass die Pfarrvikarie bereits 1951 unter den Schutz der heiligen Elisabeth von Thüringen gestellt wurde.

Nun  aber galt es, einen Mittelpunkt des Gemeindelebens zu schaffen – mit dem Bau eines Gotteshauses. 1961 konnte ein Grundstück erworben werden, von 1962 bis 63 wurde die Saalkirche mit Eingangsturm errichtet.

Im Jahr der Kirchweihe übernahm mit Theodor Derks ein aus den Niederlanden stammender Pastor die Seelsorge in St. Elisabeth. Er wirkte über 31 Jahre in der Gemeinde. Sein Name ist so mit dem  Aufbau von St. Elisabeth und dem Wirken im Ort verknüpft, dass auf Anregung der Gemeinde 1997 der Teil der Mühlenstraße, an dem die Kirche liegt, in „Pastor-Derks-Weg“ umbenannt wurde.

Derks widmete sich vor allem der Jugendarbeit – und unternahm dabei Schritte, die heute immer noch ziemlich einmalig im Bistum sind. Bereits 1965 gründet er einen Fanfarenzug. Folge eines Zeltlagers der Pfadfinder im Hochsauerland: Der Weckruf per Trompete animierte Jugendliche zum Erlernen des Instruments. Neun Jahre später ging aus ihm ein Musikzug mit Trompeten, Pauken und Flöten hervor, der heute noch zahlreiche Konzerte gibt. Unterstützt wird der Musikzug von einer anderen Import-Idee des Niederländers: den Majoretten – Tänzerinnen, die zur Musik Stöcke wirbeln. Erlöse aus Gagen, aber auch die Bedürfnisse der Gruppen, flossen bei einem für die Weiterentwicklung der Gemeinde zentralen Projekt ein: dem 1976 erfolgten Bau eines Jugendheimes. Es dürfte das einzige Gemeindezentrum im Bistum sein, das einen Turnhallenboden und eine komplett verspiegelte Wand hat. Der Sinn: Die Majoretten, überwiegend Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren, können sich besser bei den Tanzschritten beobachten.

Vorbote der Seelsorgeeinheiten

So untypisch die Jugendarbeit, so typisch die Entwicklung der Seelsorge in St. Elisabeth: 1974 übernahm Derks auch die pastorale Betreuung der benachbarten Gemeinde St. Gereon in Vechelde. Es war als Provisorium gedacht, hatte aber im Kern nun seit fast 40 Jahren Bestand: Heute gehören beide Gemeinden zur Pfarrei Hl. Geist in Braunschweig-Lehndorf. Es war der Vorbote der Seelsorgeeinheiten und Zusammenlegung von Pfarreien.

Es ist aber in 50 Jahren gleich geblieben: „Wir wollen dem Vorbild der heiligen Elisabeth folgen, im Glauben und im Teilen“, sagt Andrea Marschall-Langemann vom Pfarrgemeinderat. So tanzen beim Fest zum Jubiläum nicht nur die Majoretten und die Ballettgruppe, spielen nicht nur der Musikzug, die Flötengruppe und das ebenfalls aus der Gemeinde hervorgegangene Akkordeonorchester Wendeburg-Vechelde. Gleich drei Basarstände sind vor der Kirche aufgebaut. Der Erlös geht an Hilfsprojekte in Indien und Bolivien, ein Teil ist für die Opfer der Flutkatastrophe in Ost- und Süddeutschland bestimmt.

Rüdiger Wala