21.09.2012

Ausstellung im Dominikanerkloster Braunschweig

Unaufhörliches Gebet zu Gott

In der Reihe Kunst im Kloster zeigen die Braunschweiger Dominikaner die Installation „Film der Antworten“: Ordensfrauen geben darin Auskunft über ihr Leben, ihre Berufung und ihren Glauben – aber auch über Sorgen und Zweifel.

 

 

Szene aus dem „Film der Antworten“: In schlichten Bildern lässt Filmemacher Thomas Henke Ordensfrauen erzählen – von ihrem Glauben ebenso wie von ihren Zweifeln. Foto: innervoice-medien
Szene aus dem „Film der Antworten“: In schlichten Bildern
lässt Filmemacher Thomas Henke Ordensfrauen erzählen –
von ihrem Glauben ebenso wie von ihren Zweifeln.
Foto: innervoice-medien

Der Raum ist dunkel. Licht geht nur von einer Stelle aus. Eine Leinwand ist zu sehen. Größe: zwei mal drei Meter. Auf der Leinwand. Antworten. Gleich ein ganzer Film. Vier Stunden lang. Und dann wieder von vorn.

Es ist schon eine ungewöhnliche Installation, die es im Dominikanerkloster Braunschweig gleichsam zu betrachten wie zu hören gibt: „Der Film der Antworten“. Gedreht und montiert von Professor Thomas Hanke und seiner Frau Peggy. Zwölf Schwestern der Benediktinerinnenabtei Mariendonk am Niederhein hat Hanke über fünf Jahre begleitet. 2004 ist dem heute 40-Jährigen die Idee für diesen Film gekommen: „Es war eine Zeit, in der ich selbst auf der Suche war“, berichtet der seit 2009 an der Fachhochschule Bielefeld lehrende Filmemacher. Auch heute noch würde er sich als „Gott-Suchender“ bezeichnen.

„Zum Glauben gehört auch Zweifel“

Zwölf Ordensfrauen – die jüngste Ende 20, die älteste über 90 – geben in der filmischen Installation Auskunft über ihr Leben im Kloster, ihre Berufung, ihren Alltag und ihren Glauben. Aber in ihren Worten werden auch ihre Sorgen und Zweifel deutlich, ihr Ringen mit Gott. „Zum Glauben gehört auch der Zweifel“, berichtet Henke.

Jeweils zwei Tage hat sich Henke Zeit für ein Einzelgespräch genommen: „Normalerweise haben die Schwestern ein fest gefügtes Tagespensum im Kloster von vier Uhr morgens bis neun Uhr abends“, berichtet der gebürtige Korbacher. Henke inszeniert keine schönen Abteibilder mit Weichzeichner, gewaltigen Kruzifixen und untermalendem gregorianischem Choral. „Die Kamera tritt völlig in den Hintergrund“, erläutert Henke. Im Mittelpunkt steht das, was die Schwestern zu sagen haben: über ihr unaufhörliches Gespräch mit Gott, ihre lebenslange Bindung an Mariendonk, das nie nachlassende Gebet und die Kontemplation.

Über 100 Stunden Filmmaterial hat Henke so zusammengetragen. Gemeinsam mit seiner Frau Peggy sichtete er das Material, gemeinsam montierten sie die insgesamt vier Stunden dauernde Endlosschleife der Installation.

Im Dominikanerkloster wird die Installation nun zum zweiten Mal gezeigt. Zuvor war sie in der Kokerei Zollverein in Essen zu sehen. 4000 Besucher zählte die Ausstellung im Industriedenkmal, Hunderte von E-Mails gab es als Reaktion, berichtet Henke. Darunter sehr persönliche Mitteilungen von Menschen, die durch den „Film der Antworten“ selbst Antworten gefunden haben – in Krisen, in Sorgen, im Glauben.

Selbst Antworten bei der Gottsuche gefunden

Hat der Filmemacher selbst Antworten bei seiner Gottsuche gefunden? „Sonst hätte ich den Film nicht so benannt.“ Henke nennt ein Beispiel: „Intensiv beschreiben die Schwestern, dass Gott sich entzieht.“ Die Unsichtbarkeit Gottes ist aber die Bedingung der Freiheit, durch die sich Menschen zum Glauben entscheiden: „Das habe ich zu verstehen gelernt“. Erst in der Rückschau entdecken die Schwestern die Spuren, die Gott in ihrem Leben hinterlassen haben: „Es sind aber ganz persönliche Spuren und nicht ein sichtbarer Fingerabdruck Gottes“, schildert Henke.

Der Film selbst wird nicht als DVD erscheinen, betont Henke. Auch kürzere Auszüge werden nie im Fernsehen zu sehen sein: „Das ist so mit den Schwestern vereinbart“. Aber zur  Installation ist ein umfangreiches Buch erschienen, in dem die Antworten der Ordensfrauen abgedruckt sind.

Rüdiger Wala

 

Buch

Das Buch "Finde Antworten" ist unter anderem erhältlich über die Abtei Mariendonk, Niederfeld 11, 47929 Grefrath bei Kempen; Internet: www.mariendonk.de

 

Ausstellung

  • Die Installation wird am Sonntag, 23. September, im Dominikanerkloster Braunschweig (Brucknerstraße 6) um 19 Uhr eröffnet (die Künstler sind anwesend).
  • Sie ist bis zum 21. Oktober jeweils dienstags, donnerstags und samstags von 17 bis 20 und sonntags von 10.30 bis 12.30 Uhr zu sehen (und nach Vereinbarung).
  • Für Sonntag, 7. Oktober, 19 Uhr wird zu einem Werkstattgespräch mit Professor Thomas Henke eingeladen.