09.07.2011

KiZ-Tipp: In Bodenwerder lebte der Lügenbaron

Unglaublich – aber wahr?

Er ritt auf einer Kanonenkugel, jagte einen achtbeinigen Hasen und zog sich mitsamt Pferd am eigenen Schopf aus dem Sumpf: Der Lügenbaron von Münchhausen (1720–1797) tischte seinen Gästen unglaubliche Lügengeschichten auf und wurde damit weltberühmt.

 

Gelebt hat er in dem kleinen Städtchen Bodenwerder an der Weser, ganz in der Nähe von Hameln. Natürlich bewahren die Bürger der Münchhausenstadt ihrem berühmtesten Sohn ein ehrenwertes Andenken. Neben einem eigenen Museum erzählen zahlreiche Skulpturen, Denkmäler und Wandbilder die fantastischen Erlebnisse des Fabulierers. In der 1000 Jahre alten Klosterkirche Kemnade befindet sich noch heute die Grabstätte des Barons.

Unvergesslich ist Münchhausen vielen Menschen durch die Verfilmung seiner hanebüchenen Abenteuer mit Hans Albers von 1943. Drehbuchautor war damals übrigens Erich Kästner, der allerdings nur unter dem Pseudonym Berthold Bürger schreiben durfte.

Doch der Lügenbaron war mehr als literarische Figur und Filmheld: Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen war als Offizier im Dienste der russischen Zarin, kehrte nach Bodenwerder zurück und leitete bis zu seinem Tod seinen Adelshof (der übrigens in wesentlichen Teilen erhalten ist: Im ehemaligen Herrenhaus ist heute das Rathaus der Stadt untergebracht). Schon zu Lebzeiten schätzte man ihn weit über die Landesgrenzen hinaus als brillanten und humorvollen Erzähler.

Mehr als 700 Buchausgaben in 30 Sprachen und Illustrationen aus zwei Jahrhunderten bilden den Schwerpunkt des Münchhausen-Museums, eingerichtet in der sogenannten Schulenburg, dem ältesten Gebäude des Gutshofes. Erinnerungsstücke aus dem persönlichen Besitz Münchhausens, viele Bilder und Dokumente zeichnen sein Leben nach.

Wer darüber hinaus einen lebendigen Eindruck von den Lügengeschichten Münchhausens gewinnen möchte, hat im Sommer immer wieder Gelegenheit dazu: Regelmäßig erzählt er sie seinen Freunden beim Münchhausen-Spiel auf der Treppe vor seinem ehemaligen Gutshof, und auch ein Musical berichtet von seinen unglaublichen Abenteuern zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Stefan Branahl

 

Münchhausen-Museum: Öffnungszeiten 16. März bis Oktober von 10 bis 17 Uhr.

Münchhausen-Spiel: Vorgetragen von Laien an jedem ersten Sonntag zwischen Mai und Oktober ab 15 Uhr (eingeleitet ab 14 Uhr von den Münchhausen-Musikanten).