02.09.2015

Gesprächsprozess

Was bleibt vom Dialog?

Am 11. und 12. September treffen sich zum vierten und vorläufig letzten Mal 300 Teilnehmer zum Gesprächsprozess um die Zukunft der Kirche. Doch wie geht es weiter?

 

Die Gespräche waren immer gut, lobten die Teilnehmer - auch hier beim Treffen 2013 in Stuttgart. Foto: kna-bild

Im Januar 2010 bringt der Jesuit Klaus Mertes den Stein ins Rollen: Ein Missbrauchsskandal kommt ans Licht der Öffentlichkeit, der die katholische Kirche in Deutschland beben lässt. Das Vertrauen bricht zusammen, 180 000 Menschen treten in diesem Jahr aus. 

Als Reaktion darauf ruft der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, einen Gesprächs-
prozess ins Leben, der nun enden soll. Es geht um nichts weniger als die Zukunft der Kirche: Wie kann der Glaube besser vermittelt werden, wie behandelt man Menschen, die nicht nach der kirchlichen Lehre leben, die Rolle der Frau wird ebenso diskutiert wie das Verhältnis von Priestern und Laien. Der Gesprächsprozess galt als ein Befreiungsschlag. Doch was ist daraus geworden?

Das erste Treffen in Mannheim 2011 weckte großes mediales Interesse. Bischöfe, Ordensleute, Priester, Haupt- und Ehrenamtliche rangen bundesweit seit langer Zeit wieder gemeinsam um ihre Kirche. Am Ende gab es eine erste Standortbestimmung, weitere Themen für die Treffen 2012 in Hannover, 2013 in Stuttgart und 2014 in Magdeburg wurden festgelegt. Außerdem wurden der Besuch Papst Benedikts im September 2011, die Katholikentage in Mannheim und Regensburg und der Eucharistische Kongress in Köln 2013 eingebunden. Bei jedem Treffen lobten die Teilnehmer die guten Gespräche, die gute Atmosphäre. Ende gut, alles gut? 

Viele Probleme wurden nicht gelöst, das öffentliche Interesse ließ nach, es fehlten handfeste Entscheidungen. Die einzige greifbare Änderung in dieser Zeit ist die Reform des kirchlichen Arbeitsrechts: in diesem Frühjahr wurde die neue Richtlinie in vielen Bistümern verabschiedet.

 

Viele strittige Fragen bleiben unbeantwortet

In anderen strittigen Punkten, wie etwa der Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen, hat sich wenig bewegt. Die Fragen bleiben – gerade im Hinblick auf die Familiensynode – heiß diskutiert, aber unbeantwortet. Der Gesprächsprozess war dennoch nicht vergebens. Durch die Treffen entwickelte sich eine neue Gesprächskultur, eine Bereitschaft, den anderen anzuhören. Das hat, wie der Vorsitzende des Zentralrats der Katholiken, Alois Glück, sagte, auch mit dem „Eisbrecher“ Papst Franziskus zu tun, den er als Wegbereiter einer angstfreien Kommunikation sieht.

In Würzburg beraten die Teilnehmer über das weitere Vorgehen. Ein Abschlussbericht soll diskutiert werden. Es ist die Frage: Wie kann man die Begeisterung und die Diskussion in den Gemeinden und Verbänden erhalten? Eine „Kultur der Folgenlosigkeit“ sei das Schlimmste, was passieren könne, sagte Glück bereits beim Treffen 2011. Die Aufgaben bleiben: Für ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper sind es die Themen der Familiensynode, aber auch bioehtische Debatten. „Wir haben noch viel zu tun.“

Von Kerstin Ostendorf