21.07.2017

Was wissen wir über Maria Magdalena?

Zum Fest der heiligen Maria Magdalena am 22. Juli: Was war sie nun? Sündige Büßerin? Die erste unter den Jüngerinnen Jesu? Vielleicht sogar die Geliebte des Heilands. Keine Frau der Bibel hat so viele Spekulationen und Legenden hervorgerufen.


 

Maria Magdalana weint am Kreuz
Christi. Szene aus den Ober-
ammergauer Passionsspielen
2010. | Foto: kna-Bild

Was bedeutet der Name Maria Magdalena?

Maria ist die griechische Form des hebräischen Namens Miriam (oder auch Mirjam), der übersetzt „Bitterkeit“ oder „Betrübnis“ bedeutet. Ihren Beinamen hat sie wohl nach ihrem Heimatort Magdala –dem heutigen Migdal in Israel, etwa zehn Kilometer von Kapernaum entfernt, Wirkungsstätte und Lebensort von Jesus.

Was berichtet die Heilige Schrift über Maria Magdalena?

Sie schloss sich Jesus als Jüngerin an, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Lk 8, 2). Maria Magdalena gehörte zu den Frauen, die Christus nachfolgten und mit für seinen und der Jünger Unterhalt sorgten (Lk 8,3). Sie ging mit nach Jerusalem, flüchtete aber nicht wie die anderen Jünger, sondern blieb bei der Kreuzigung und dem Sterben Jesu dabei, weinte am Grab, half beim Begräbnis (Mt 27). Sie entdeckte am Ostermorgen das leere Grab (Mk 16,1–5, Joh 20,1). Nachdem Maria Magdalena hiervon den Jüngern berichtet hatte, begegnete ihr als Erster der Auferstandene und trug ihr die Auferstehungsbotschaft an die Jünger auf (Joh 20,11–18): „Ich habe den Herrn gesehen.“

Welche Berichte gibt es noch über die Heilige?

Auch die nicht zum biblischen Kanon zählenden Schriften, die Apokryphen, erzählen von Maria Madalena. Im Philippusevangelium wird Maria Magdalena als Gefährtin Jesu bezeichnet. Allerdings ist diese Passage nur unvollständig erhalten. Das Thomasevanglium berichtet von einer scharfen Auseinandersetzung zwischen Simon Petrus und Maria Magdalena, bei der Jesus sich auf ihre Seite stellt. Wohl um 160 entstand das ihr zugeschriebene Evangelium der Maria mit Dialogen zwischen dem Auferstandenen und seinen Jüngerinnen und Jüngern. Maria Magdalena besitzt danach ein besonderes Vertrauen zum Erlöser und kennt besondere Offenbarungen. In der Pistis Spohia, einem der wichtigsten koptisch-gnostischen Texte, ist Maria Magdalena die herausragende Diskussionspartnerin der Lehrgespräche von Jesus, die die Schrift beinhaltet. Faktisch wird sie dort als diejenige dargestellt, die als einzige schon zu Lebzeiten Jesu Lehre verstanden hat.

Wie war ihr weiterer Lebensweg nach der Himmelfahrt Jesu?

Man weiß nichts historisch Definitives über das Schicksal der Maria Magdalena nach Jesu Tod. Seit dem 6. Jahrhundert wird in Ephesus, einer in antiken Zeiten bedeutenden Stadt in Kleinasien, ungefähr 70 Kilometer südlich vom heutigen Izmir an der türkischen Westküste, ein Grab der Maria Magdalena verehrt. Die Legenda aurea, das am weitesten verbreitete religiöse Volksbuch des Spätmittelalters, berichtet eine andere Überlieferung: Demnach wurde sie auf einem segellosen Schiff ausgesetzt, landete in dem französischen Fischerdorf Saintes-Maries-de-la-Mer bei Marseille und missionierte in der Provence. Ihre sterblichen Überreste wurden im 9. Jahrhundert in das Kloster in Vézelay überführt. Dieses Kloster wurde ab dem 11. Jahrhundert zu einem Wallfahrtsort.

Warum gilt Maria Magdalena als Inbegriff der Sünderin?

Weil Maria Magdalena als die Erste genannt ist, die dem Auferstandenen begegnete, wurde sie schon in der Alten Kirche als Apostelgleiche verehrt. Im 3. Jahrhundert begründete Hippolyt von Rom die ehrenvolle Bezeichnung Apostola apostolorum – „Apostelin der Apostel“. Im 6. Jahrhundert jedoch  ist es Papst Gregor I., der die Jüngerin Maria Magdalena mit anderen Marienfiguren (oder namenlos Bleibenden) der Heiligen Schrift ver­mischte: mit eben der anonymen Sünderin, der Prostituierten, die Jesus die Füße wusch (Lk 7,36-50) und mit Maria von Betanien, die Jesus mit kostbarem Öl salbt, was Judas für eine Verschwendung hält (Joh, 12,3). Auch Legenden von Maria von Ägypten fließen mit ein. Sie ist eine Eremitin, die in Askese lebt, um Buße für ihre Verfehlungen zu tun. Immer enger wird die Gleichsetzung von Maria Magdalena mit der Sünderin. Dieses Bild prägt die westliche Kirche vom Mittelalter bis in die Neuzeit.  

Was hat es mit der „Aufwertung“ des Gedenkens an die Heilige auf sich?

Im vergangenen Jahr hat Papst Franziskus den Gedenktag von Maria Magdalena zum Fest aufgewertet. Sie wird damit liturgisch den Aposteln gleichgestellt.  „Die erste Zeugin und Evangelistin des Sonntags der Auferstehung, die heilige Maria Magdalena, wurde von der Kirche im Westen wie im Osten schon immer mit höchster Ehrfurcht angesehen“, schreibt Franziskus. So sieht die Kirche die Heilige heute: eine starke Frau, Zeugin des Glaubens, Apostolin der Apostel. Nicht Sünderin, nicht Ehefrau des Heilands, wie eine doch stattliche Anzahl an Romanautoren gerne in den Raum stellen.  Sondern Apostolin.

Für wen wird die Heilige besonders angerufen?

Maria Magdalena ist Patronin der Frauen, reuigen Sünderinnen und Verführten, der Kinder, die schwer gehen lernen, der Schüler und Studenten, Gefangenen, der Handschuhmacher, Wollweber, Kammmacher, Friseure, Salbenmischer, Bleigießer, Parfüm- und Puderhersteller, Gärtner, Winzer, Weinhändler, Böttcher. Sie wird angerufen gegen Augenleiden und Pest, gegen Gewitter und Ungeziefer.

Welche Bedeutung hat Maria Magdalena für das Bistum Hildesheim?

Die Bischofsstadt Hildesheim ist über 500 Jahre vom Magdalenerinnenorden geprägt worden (siehe unten). Es wird davon berichtet, dass es zumindest im 14. und 15. Jahrhundert feierliche Prozessionen vom Dom zur Magdalenenkirche gegeben hat, bei denen Reliquien der heiligen Magdalena mitgeführt wurden.

Wie viele Kirchen gibt es im Bistum, die der Heiligen geweiht sind?

Es ist tatsächlich bei einer geblieben, eben jener Klosterkirche des Magdalenerinnenordens in Hildesheim. Alerdings sieht St. Magdalenen nicht mehr so aus wie zu Klosterzeiten. Die Kirche wurde im  März 1945 durch Bomben schwer getroffen und brannte aus. Die Wiederherstellung in zum Teil vereinfachter Form und Ausstattung wurde 1961 abgeschlossen.

Rüdiger Wala