09.08.2012

Nachgefragt bei Christian Münzberg

Wo ist der olympische Gedanke?

Am Wochenende gehen die XXX. Olympischen Sommerspiele 2012 in London zu Ende. Für die deutschen Olympioniken ist die Medaillen-Ausbeute nicht ganz so groß gewesen wie erhofft. Der Kommentar in vielen Medien: „Da läuft vieles falsch!“ oder „Die Athleten haben nicht den nötigen Ehrgeiz!“ Dazu im Gespräch: Christian Münzberg, Landesvorsitzender des katholischen Sportverbandes DJK in Niedersachsen.

Christian Münzberg ist Landesvorsitzender des Sportverbandes DJK.

Ist die Medienschelte, die zurzeit über Sportler und Trainer hereinprasselt, gerecht?

Nein, mit Sicherheit nicht. Klar darf man fragen, ob es überall in den Vorbereitungen optimal gelaufen ist, ob die Strategie zum Beispiel bei den Schwimmern richtig war. Aber jetzt einfach draufzuhauen, halte ich für falsch. Allerdings hat das auch etwas mit unserer Leistungsgesellschaft zu tun: Nur der Beste zählt. Über Platz zwei darf man sich eigentlich schon nicht mehr freuen, denn da hat man ja schon verloren. Viel zu oft wird vergessen, dass man mit einem 4. oder sogar 10. Platz  immer noch zu den Top-Ten der Welt gehört. Und das können nicht viele von sich behaupten.

Wo ist der olympische Gedanke geblieben „Dabei sein ist alles“?

Heute heißt der Gedanke eher: „Nur der Sieg zählt!“ Sogar bei Wettkämpfen unserer jüngsten Nachwuchssportler erlebe ich immer wieder, dass Trainer und auch Eltern nicht zum 2. oder 3. Platz gratulieren, die Kleinen in den Arm nehmen und loben, sondern ihre tolle Leistung abwerten, weil es nicht der erste Platz geworden ist. Dann wird geschimpft, dass sie sich nicht genügend angestrengt hätten und die Kleinen brechen in in Tränen aus – obwohl sie alles gegeben haben. Dabei soll Sport, auch Leistungssport, Freude machen. Aber wenn das bei den Kleinen schon so ist, was kann man da beim Spitzensport erwarten? Und da geht es auch noch um leistungsbezogene öffentliche Zuschüsse und nicht zuletzt auch um Sponsorengelder und Werbeeinnahmen.

Was ist Ihr Wunsch an die Olympischen Spiele, aber auch an den Spitzensport allgemein?

Was wir brauchen, sind Spitzensportler, die mit Freude und dem nötigen Ehrgeiz dabei sind. Ohne hartes Training gibt es kein „schneller, höher, weiter“. Aber man muss auch anerkennen, dass bei diesen Spielen viele deutsche Olympioniken über ihre eigenen Bestleistungen hinausgewachsen sind. Ich wünsche mir, dass Fairness wieder ein wichtiger Begriff im Sport und in der Sportberichterstattung wird. Dass man anerkennt, wenn ein Sportler oder eine Sportlerin eine Superleistung gezeigt hat – auch wenn es für eine Medaille nicht gereicht hat.  Wenn man nicht gleich von Versagern spricht, weil jemand eingesteht, dass er im Wettkampf nicht seine volle Leistung abrufen konnte oder respektvoll zugibt, dass die Leistung der anderen besser war. Das ist der olympische Gedanke „Dabei sein ist alles“. Man sollte Sportlern diese einzigartigen Spiele nicht vermiesen.

Fragen: Edmund Deppe