14.01.2015

Multireligiöses Friedensgebet in Hannover wirbt für Toleranz

Zeichen für Vielfalt und Frieden

Mehr als 19 000 Demonstranten haben am vergangenen Montag­abend ein Zeichen für Toleranz, Vielfalt und Frieden in Hannover gesetzt. Sie waren dem Aufruf des Bündnisses „bunt statt braun“ gefolgt.

Mehr als 19 000 Menschen nehmen an der Demonstration des Bündnisses „bunt statt braun“ teil –
darunter auch Minis­terpräsident Stephan Weil (Zweiter von links) Foto: pkh/Schulze

Von vielen Gebäuden in der Stadt, wie zum Beispiel dem Neuen Rathaus, waren zeitgleich ebenfalls als Zeichen des Protestes die Beleuchtungen ausgeschaltet worden.  Mit einem multireligiösen Friedensgebet in der Marktkirche hatte die friedliche Demonstration sowohl gegen die zeitgleich stattfindende Demonstration des hannoverschen Pegida-Ablegers Hagida als auch in Gedenken an die Opfer der Terroranschläge in Paris in der vergangenen Woche begonnen.

Verse aus Bibel, Tora und Koran

Vertreter aus Christentum, Judentum und Islam kamen dabei zu Wort, lasen einen Vers aus der Bibel, Tora und dem Koran vor und sprachen anschließend ein Gebet. Mit dabei waren dabei nicht nur Religionsgemeinschaften, sondern auch religiöse Verbände und Gemeinschaften, wie zum Beispiel entsandte Vertreter für die Moscheen in Hannover.

„Wir sind erschüttert, wie Menschen ihre Freiheit nicht zum Wohle des Lebens, sondern für die Zerstörung von Freiheit und Menschenwürde einsetzen“, rief beim Gebet Propst Martin Tenge den mehr als 3 000 Mitbetenden in und um die Marktkirche zu, die schon eine halbe Stunde vor Gebetsbeginn wegen Überfüllung geschlossen werden musste: „Hilf uns, Gott, dass wir durch Toleranz und Dialog eine Gesellschaft gestalten, in der jeder seinen Platz im Frieden hat.“

Muslime, Juden und Christen dicht beisammen: die
Vertreter von Religionsgemeinschaften und Verbänden
beim Friedensgebet in der Marktkirche. Foto:pkh/Schulze

Der Landesrabbiner von Niedersachsen, Jonah Sievers, zeigte sich ebenso wie der Vorsitzende der Schura in Niedersachsen, Avni Altiner, berührt von der großen Zahl der Mitbetenden und der Teilnehmer bei der Demonstration: „Unsere Gesellschaft setzt damit ein Zeichen, dass die Mehrheit der Menschen in einem Land leben möchte, das vielfältig ist und in dem Prob­leme ehrlich benannt werden – aber alle zusammenkommen, um diese Probleme zu lösen, und für eine gemeinsame Zukunft zusammenstehen.“  
Mit Blick auf Pegida setzte der Stadtsuperintendent Hans- Martin Heinemann am Rande der Veranstaltung in der Marktkirche auf Aufklärung: „Hier werden viele verschiedene Ängste von Rechten instrumentalisiert. So ist es zum Beispiel eine Tatsache, dass die Mehrheit der Flüchtlinge in Deutschland Christen sind und die wirkliche Zahl der Muslime in Deutschland gering ist.“

„Die Rede von Islamisierung des Abendlandes ist fatal“

Auch Propst Martin Tenge stimmte zu: „Es bestehen Unsicherheiten, wie sich unsere Gesellschaft weiterentwickelt, und dabei werden durch Pegida gesellschaftliche Probleme wie Armut oder Arbeitslosigkeit an den Muslimen als Sündenböcken festgemacht. Unsere Gesellschaft in Deutschland ist von jeher eine bunte und vielfältige Gesellschaft gewesen – und darum halte ich die Rede von einer Islamisierung des Abendlandes für fatal.“

Auch Ministerpräsident Stephan Weil, Landtagspräsident Bernd Busemann und  zahlreiche Minister waren zum multireligiösen Friedensgebet und zur Demonstration erschienen. Der Demonstrationszug der Hagida-Anhänger, der nur 200 Personen umfasste, war schon rund eine Stunde nach Beginn von der Polizei wegen des Widerstandes von 2500 zum Teil linksradikalen Randalierern aufgelöst worden.

Marie Kleine