18.03.2020

Wandteppich erinnert an den Schutzpatron

Das Leben des Heiligem Auctor

Ein großer Wandteppich erinnert im Foyer der Dornse im Braunschweiger Altstadtrathaus nun an den Schutzpatron der Stadt. Gefertigt wurde der Teppich aus recycelten Fischernetzen.

Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Propst Reinhard Heine und der stellvertretende evangelisch-lutherische Propst Peter Kapp (von links) präsentieren den neuen Wandteppich mit dem Heiligen Auctor.

Drei mal viereinhalb Meter ist der prächtige Auctor-Teppich groß. Er hängt jetzt im Foyer der Dornse im Altstadtrathaus und wurde von einer spezialisierten Firma aus Dänemark im Auftrag der Stadt Braunschweig gefertigt. Das Besondere ist nicht nur die grandiose äußerst feinteilige Wiedergabe der minutiösen Einzelmotive der Vorlage – einer Buchmalerei-Miniatur im Format von 242 mal 165 Millimeter: Der Veloursteppich wurde aus alten, im Meer treibenden Fischernetzen hergestellt.

Es geht um das Wohl aller Menschen

„Der Heilige Auctor war über seine Funktion als in der Not angerufener Helfer die Personifizierung des Gemeinwesens der Stadt Braunschweig“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Markurth im Rahmen eines Mediengespräches. Er habe für das Miteinander aller hier Lebenden und das Miteinander für Rat und Klerus gestanden. „Er erinnert uns Heutige, dass es jenseits subjektiver Interessenslagen das Gemeinwohl aller Menschen in dieser Stadt zu bedenken gilt und dass die Anstrengungen aller Institutionen diesem Gemeinwohl und Gemeinwesen zu gelten haben.“

„Für mich als Katholik ist es schon etwas Besonderes, wenn ein Heiliger in einem städtischen Gebäude sichtbar gemacht wird“, sagt Propst Reinhard Heine. Er freut sich über die Initiative der Stadt und sieht darin die Linie eines langen guten Dialogs zwischen Stadt und den großen christlichen Kirchen. Fest gemacht habe sich das am Auctortag, „an dem wir immer bestrebt sind, für das Gemeinwohl der Stadt da zu sein und einen Beitrag zu leisten“.

„Ich finde es großartig, dass die Stadt sagt, in meine gute Stube hänge ich als erstes eine Figur, die an den Zusammenhalt von Gesellschaft erinnert“, lobt auch Peter Kapp das Wirken der Stadt Braunschweig. Kapp ist stellvertretender Propst der evangelisch-lutherischen Kirche.

Ein passender Ort wurde gesucht

In der Stadt selbst gab es keine Darstellung des Heiligen Auctor, sodass die Verwaltung in Absprache mit den Kirchen nach einer Lösung gesucht hat, um an den Schutzpatron der Stadt zu erinnern. Der geeignete Ort war gefunden: Die Dornse, ein im Mittelalter für die Zusammenkünfte des Rates der Altstadt und Festlichkeiten genutzter repräsentativer Raum, ist auch heute noch Ort für wichtige Ereignisse, Ehrungen und Begegnung mit Gästen der Stadt.
Auch wenn es sich bei dem modernen Wandbehang nicht um eine klassische Tapisserie handle, sondern um einen getufteten Teppich, stehe er doch in der Tradition der Wandteppiche des Mittelalters oder der frühen Neuzeit, erläuterte Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse. „Er hat nicht mehr die praktischen Aufgaben der Wärmedämmung oder der Verbesserung der Akustik, aber seine didaktische Funktion ist geblieben. Der Teppich ist eine Erzählung ohne Worte.“ Tufting (aus dem Englischen to tuft, mit Büscheln verzieren) ist eine Technik zur Herstellung dreidimensionaler textiler Flächen. Das Verfahren eignet sich sowohl zur Produktion von Schlingenware als auch von Veloursware wie in diesem Fall.

Zum Auctortag laden die katholische und evangelische Kirche seit 2010 gemeinsam mit der Stadt Braunschweig einmal jährlich ein. „Sie tun dies mit Beiträgen zu aktuellen Themen im Verhältnis von Kirche und Gesellschaft“, betont Markurth. St. Auctor könne noch immer „Kristallisationsfigur für das Miteinander sein – die alte religiöse Tradition aufnehmend und zugleich über sie hinausweisend.“

Sabine Moser