27.03.2021

Fastenweg im Gotteshaus

Der Psalm 31 und die Füße

Wenn Fasten begehbar wird und einen Weg durch die Kirche bereitet: In St. Peter und Paul in Neustadt am Rübenberge geben Stationen im Gotteshaus Impulse zur österlichen Bußzeit und laden zum Mitmachen ein.

„Fühle mich wie in ein Netz verstrickt“ (Psalm 31): Mechthild Veuskens (links)
und Claudia Schwarzer laden an dieser Station ein, Sorgen und Nöte
niederzuschreiben – auch um sie loslassen zu können. Foto: Rüdiger Wala

Fasten gilt in vielen Weltreligionen als eine geistliche Übung, die zu einer vertieften Spiritualität führen soll. Zum Beispiel durch Verzicht. Oder durch Hinterfragen des eigenen Handelns, durch Umkehr. Ein Weg zu Gott. 

Was aber, wenn dieser eher innerliche Weg äußerlich gegangen werden kann, wenn Fasten begehbar wird? Diese Möglichkeit bietet der Fastenweg in der Kirche St. Peter und Paul in Neustadt am Rübenberge. Mehrere Stationen sind im großen Innenraum der Kirche verteilt, geben kurze Impulse, laden zum Nachdenken und zum Mitmachen ein.

„Wir hatten in erster Linie Familien mit Kindern vor Augen, als wir den Fastenweg entworfen haben“, sagt Gemeindereferentin Claudia Schwarzer. Für jeden Sonntag bis Ostern baut sie zusammen mit Mechthild Veuskens und Tatjana Dziallas, die sich beide im Pfarrgemeinderat und in der Kinder- und Jugendarbeit engagieren, eine weitere Station auf. Doch es zeigt sich: die Fragen, die Kinder haben, sind in diesen Zeiten auch die Fragen der Erwachsenen.

Die erste Station lädt ein, einen intensiven Blick auf das Misereor-Fastentuch zu werfen, das in diesem Jahr von der chilenischen Künstlerin Lilian Moreno Sánchez gestaltet wurde. „Da gibt es viel beim näheren Hinsehen zu entdecken“, meint Claudia Schwarzer: „Der gebrochene Fuß, die goldenen Nähte, die Blumen, das Leinöl – das erschließt sich nicht sofort.“ Für Mechthild Veuskens ist der Leitgedanke des Bildes wichtig, der dem Psalm 31 folgt: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ 

Wünsche, Sorgen, Hoffnung –
all das spiegelt sich im Fastenweg wider.
Foto: Rüdiger Wala

„Fühle mich wie in ein Netz verstrickt“ 

Psalm 31 bietet auch den Impuls für die zweite Station: „Ich fühle mich wie in ein Netz verstrickt, das plötzlich über mich geworfen wurde“, heißt es da. „Was auf der Seele liegt, muss ausgesprochen werden“, betont Mechthild Veuskens. So ist dort von „Unzufriedenheit“ zu lesen, davon, dass man sich wieder mehr Kontakt mit Freunden wünscht – oder dass die Schule wieder losgeht.

Doch keine Klage ohne Hoffnung. Die dritte Station lädt ein, durch eine kleine bemalte Pappkachel Stück für Stück selbst ein Hungertuch zu gestalten. „Wir haben die Blickrichtung umgedreht und fragen, was man trotz Pandemie Gutes tun kann“, erläutert Claudia Schwarzer.  „Das ist gar nicht so leicht“, findet Mechthild Veuskens: „Schließlich müssen gerade Kinder zurzeit auf so vieles verzichten.“ Doch haben sie viele Ideen, was sie trotzdem tun können – von Brief und Blumenstrauß für die Oma über die Hilfe für den Nachbarn bis hin zum Schutz des Regenwalds durch bewussteres Einkaufen: „Schon stark.“ Und durchaus auch eine Anregung für Erwachsene.

Der weite Raum auf Stroh, Stein und Sand

Sorgen loslassen, Hoffnung schöpfen – das ist der weite Raum auf den Gott die Füße stellt. Station vier möchte diese Vorstellung sinnlich machen: Denn der Raum kann durchaus anders wahrgenommen werden  – je nachdem, ob man auf Stroh, Stein oder Sand steht. Mit Pappkartons und unterschiedlicher Füllung wurde ein kleiner Barfußpfad aufgebaut: „Mit nackten Füßen und geschlossenen Augen ist das schon eine Erfahrung“, sagt Mechthild Veuskens. Zum Psalm kann auch ein passendes Lied als Kopie mitgenommen werden. 

Station fünf ist zum vergangenen Misereor-Sonntag aufgebaut worden. Sie zeigt, was Fasten auch bedeutet. Teilen. Sogar von Glück. „Wir haben hier eine Glücksbox, durch die etwas verschenkt werden kann“, erläutert Claudia Schwarzer. Eine kleine Bastelei, ein Ostergruß, ein Brief, ein Gedicht, ein Bild – das alles wird in der Box gesammelt, um dann an Bewohner benachbarter Altenheime abgegeben zu werden. 

Was kann ich tun – trotz Pandemie? Kinderzeichnungen zeigen: Nachbarn helfen,
Freude schenken und den Regenwald schützen. Foto: Rüdiger Wala

An diesem Sonntag wird noch eine Station hinzukommen, die die Botschaft der Kar- und Ostertage aufgreift und darstellt. „Einschließlich des Palmsonntags to go“, sagt Claudia Schwarzer. Dazu werden die  Pfadfinder der Gemeinde Palmsträuße binden und an dieser Station hinterlegen.

Zudem wird auf dem Kirchenvorplatz ein Kinder- und Familienkreuzweg aufgebaut – mit sechs großen Kreuzen, manche eigens dafür gebaut. Liturgisch folgt der Kreuzweg dem Vorschlag des Kinderkreuzwegs von Misereor, bei dem sechs Steine vor den Kreuzen abgelegt werden können – um Last auf den Schultern zu verlieren, in den Blick zu nehmen, was wirklich im Leben zählt.    Das ist er wieder: der weite Raum, auf den Gott die Füße stellt. Die Klage und die Hoffnung.

Von Rüdiger Wala

Zum Anschauen: St. Peter und Paul, Bischof-Ketteler-Platz 1, 31535 Neustadt am Rübenberge. Die Kirche ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Infos unter www.katholische-kirche-neustadt.de