24.01.2020

Diakon Thomas Müller

Hauptsache: Ab nach draußen

Was macht ein Diakon in einer Gemeinde? Thomas Müller wurde diese Frage immer wieder gestellt. Jetzt ist er in den Ruhestand gegangen.

Die Nähe Gottes zeigen – für Diakon Thomas Müller ein Leitsatz seines Dienstes. Auch bei der Fußwaschung.

„Ja, was mache ich eigentlich in der Gemeinde?“, fragt Diakon Thomas Müller und lacht. Denn diese Frage hat er häufig gehört.  Egal ob in Oyten oder Garbsen, wo er im Einsatz war. Für den gebürtigen Berliner ist allerdings das Wörtchen „in“ genau die falsche Spur: „Ich ver­stehe mich mehr als Gesicht und Bote außerhalb der vier Wände unserer Kirche.“  Das ist dann wohl die Arbeitsbeschreibung eines Diakons: Hauptsache, das Wirken geht nach außen. Oder holt die Nöte der Welt in den Gottesdienst. Zum Beispiel, was er in Altenheimen erfahren hat. Das war ein besonderer Schwerpunkt des Wirkens von Müller gerade in Garbsen.

„Mir war es wichtig, den alten Menschen zu zeigen, dass sie jetzt nicht auf ein Abstellgleis geschoben worden sind“, beschreibt Müller. Die Kirche ist für sie da, auch wenn sie nicht mehr mobil oder gesundheitlich angeschlagen sind. Besonderer Ausdruck dieser Nähe: Das Waschen der Füße zu Gründonnerstag. Umgekehrt wird in einem Altenheim auch schon mal der Friseurtermin verschoben: Damit die Haare rechtzeitig zum Gottesdienst auch gemacht sind. „Da geht mir doch das Herz auf“, sagt Müller.

Seelsorge lebt von Nähe – und von Heimat

Doch für diese Nähe von Kirche an anderen Orten muss Müller in der eigenen Pfarrei mit den vielen Kirchorten immer wieder werben. Gleichzeitig geht ihm auch ein Stück Heimat verloren. „Gerade im überpfarrlichen Einsatz in mehreren Gemeinden gab es zum Schluss zu viele Orte, an denen ich zu wenig sein konnte.“  Gute Seelsorge lebt von Nähe – und von einem Stück Heimat.
 

26 Jahre im Dienst für das Bistum Hildesheim: Diakon Thomas Müller

Müller ist das eigenständige Amt des Diakons wichtig: „Ich bin kein stecken gebliebener Pries­ter.“ Der Umstand, dass junge Menschen erst zu Diakonen und dann zu Priestern geweiht werden, mache das richtige Wahrnehmen des Amtes in der Sonntagsgemeinde schwierig: „Außerhalb ist das einfacher“, meint der Vater von zwei Kindern und Opa zweier Enkel.

Nach Ansicht von Müller wird es in der Zukunft eher schwieriger werden, dieses eigenständige, caritativ geprägte Profil des Diakonats umzusetzen: „Der Druck wird größer, das liturgische Leben mit Taufen, Heirat und Beerdigungen aufrechtzuerhalten.“ Aber prägend sei der Weltauftrag der Diakone: „Geht raus, lasst die Welt spüren, dass Gott euch nicht allein gelassen hat.“ Das gelte im Hauptamt, aber auch für seine Amtsbrüder im Zivilberuf: „Gottes Gegenwart hat auch am Arbeitsplatz seinen Raum.“

Mit 65 Jahren geht Müller nun in Ruhestand. Ein Leitsatz hat seinen Dienst begleitet: „Redet nicht über Gott, wenn ihr nicht gefragt werdet. Aber lebt so, dass ihr gefragt werdet“, zitiert er. Das würde er seinen Mitbrüdern wünschen: „Gebt mit eurem Leben Zeugnis von eurem Glauben.“

Rüdiger Wala

 

Diakone im Bistum
Seit 40 Jahren wirken Ständige Diakone im Bistum: sowohl hauptamtlich als auch im Zivilberuf. Die weitaus größte Zahl von ihnen ist verheiratet und hat Kinder. Sie sollen im Raum der Pfarrei oder am eigenen Arbeitsplatz auf menschliche Not aufmerksam machen. Zurzeit gibt es 102 Diakone im Bistum: 16 davon hauptamtlich, 61 im Zivilberuf und 25 im Ruhestand.

Bischöflicher Beauftragter ist der Leiter der Hauptabteilung Pastoral/Seelsorge im Generalvikariat, Domkapitular Martin Tenge.