09.09.2020

Brand im Flüchtlingslager auf Lesbos

Humanitäre Lösung - sofort

Die Hilfsorganisation medico international sieht die EU in der Verantwortung für die Eskalation im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos. In der vergangenen Nacht brannten große Teile des griechischen Camps nieder.

 

Flüchtlinge im Lager Moria auf Lesbos. Nach dem Brand ist die Lage eskaliert. Foto: Cindy Wooden/CNS photo/kna

In den letzten Tagen war ein Anstieg der Corona-Fälle im mit mehr als 12 000 Menschen vollkommen überbelegten Lager zu verzeichnen, das daraufhin abgeriegelt worden war. „Die EU entzieht sich seit vielen Jahren der Verantwortung für die Menschen an ihren Außengrenzen“, sagte die Referentin für Flucht und Migration bei medico international, Ramona Lenz.

Jetzt müsse die EU endlich handeln und sofort eine humanitäre Lösung für die Geflüchteten schaffen. „Nach diesem verheerenden Brand darf Europa nicht länger die Augen verschließen und muss Moria und die anderen Lager auf den griechischen Inseln endlich evakuieren“, sagte Lenz. Tausende Menschen haben sich laut der Organisation vor den Flammen in Sicherheit gebracht und irren über die Insel. Berichte über Verletzte oder Tote gibt es noch nicht.

Auch die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl sieht die Katastrophe von Moria als eine Folge der „skandalösen und menschenverachtenden deutschen und europäischen Politik“. „Es ist erbärmlich, dass die Bundesregierung nur 928 Schutzsuchende aufnehmen will. Für Tausende gibt es keine Lösung, obwohl Deutschland und andere EU-Staaten sie locker aufnehmen könnten,“ sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt.

Dem Brand an verschiedenen Stellen des Lagers waren laut medico Proteste von Geflüchteten gegen ihre inhumane Unterbringung und Versorgung sowie gegen unzureichende Maßnahmen zum Schutz vor Covid-19 vorausgegangen. Seit dem ersten offiziellen Covid-19-Fall im Flüchtlingslager in der letzten Woche sei die Zahl der bestätigten Fälle auf 35 angestiegen. „Seit Monaten warnen wir vor einem Corona-Ausbruch im Lager“, sagte Raid Al Obeed aus Syrien, der das „Moria Corona Awareness“-Team mitgegründet hatte, das die Corona-Prävention im Lager selbst in die Hand genommen hat. Die EU habe die Geflüchteten allein gelassen.

Ramona Lenz betonte: „Man kann Menschen nicht jahrelang im Dreck leben lassen, ihnen Rechte vorenthalten, sie schließlich ungeschützt einer Pandemie aussetzen und dann überrascht sein, wenn sie gegen ihre Lebensbedingungen aufbegehren.“ Dass die Lage derart eskaliert, hätte die EU verhindern können, indem sie sämtliche Risikopatienten aus dem Lager evakuiert und für die verbleibenden Flüchtlinge bessere Bedingungen geschafft hätte. (kna)