14.04.2020

Besonderer Ostergottesdienst von Kolpingwerk und KirchenZeitung

Kein Autokino, sondern Messe

Das war historisch: Während angesichts der Corona-Krise überall im Bistum die Ostergottesdienste ohne Gläubige gefeiert werden mussten, nahmen auf dem Hildesheimer Volksfestplatz 400 Menschen an einer Heiligen Messe teil – in ihren Autos.

Obwohl die Messfeier erst um 10 Uhr beginnt, füllen sich die ersten Reihen bereits um 9 Uhr. Und nicht nur Hildesheimer kommen auf den Schützenplatz. Auch Fahrzeuge aus Hannover, Peine, Lüneburg und sogar Karlsruhe sind vor Ort. Menschen reisen in 15 Jahre alten Kleinwagen und nagelneuen SUVs an.

Drive-In-Gottesdienst zum Nachhören

Zu Beginn des Gottesdienstes ertönt Glockengeläut, alle musikalischen Einlagen werden vom Band eingespielt. Zelelebrant ist Pfarrer Hans-Günter Sorge. Zuerst spricht er die Sicherheitsvorkehrungen an und sagt, dass es einen Gottesdienst in dieser Form seit dem Bestehen des Bistums noch nicht gegeben habe. „Auch wenn der Rahmen ein wenig an ein Autokino erinnert, handelt es sich nicht um eine Show, sondern um einen Ostergottesdienst“, betont Sorge. „In diesen Zeiten ist es der Glaube, der verbindet“.

Seine Stimme erreicht die Gottesdienstteilnehmer über Radio Tonkuhle. Der Lokalsender hat sich spontan entschlossen, die Ostermesse live zu übertragen.Der Gottesdienst ist voll von kreativen Ideen, um die Sicherheitsbestimmungen einzuhalten. Da sie ohne Messdiener stattfindet, ruft der Pfarrer zu einem Hupkonzert anstatt von Klingeln auf. Sogar der anwesende Krankenwagen stimmt mit seiner Sirene ein. Zum Friedensgruß winkt man seinem Nebenmann, anstatt die Hand zu geben. Um die Gläubigen zu segnen, steigt Sorge in ein Auto mit Schiebedach (das von einem Hildesheimer Autohaus zur Vergügung gestellt wurde), lässt sich durch die Reihen fahren und besprengt die Fahrzeuge mit Weihwasser. Das Fahrzeug, das an das  „Papamobil“ des Papstes erinnert, kommt auch am Ende des Gottesdienstes noch einmal zum Einsatz, um das Allerheiligste in der Monstranz zu präsentieren.

In 72 Stunden von der Idee zur Umsetzung

„Was feiern wir eigentlich in diesem Jahr zu Ostern?“, fragt Sorge. „Wir feiern nicht das Ende der Corona-Krise und nicht die Heilung der Kranken. Aber Ostern war auch noch nie das Ende aller Sorgen. Es ist das Fest der Hoffnung – nicht mehr und nicht weniger“. Er nennt das Beispiel eines Kaplans, der bei seinem ersten Ostergottesdienst auf den Stufen zur Kanzel stolperte und hinfiel. Nachdem er wieder aufgestanden war, sagte er zu den Anwesenden: „Das ist es was wir an Ostern feiern. Die Auferstehung Jesu und das Aufstehen, das jeden Tag geschieht“.

Die Idee für einen Drive-In-Gottesdienst war Sorge erst wenige Tage zuvor gekommen. Am Montag habe er im Kölner Domradio von einem solchen Gottesdienst in Südkorea gehört, bei dem der Pfarrer auf einer Bühne predigt, während die Gläubigen, wie in einem Autokino, in ihren Fahrzeugen sitzen und den Ton übers Radio empfangen. Im Laufe der Woche sei auch über Gottesdienste dieser Art in Deutschland berichtet worden.

Er habe die Idee daraufhin dem Kolping Diözesansekretär Mirco Weiß präsentiert. Das Kolpingwerk, unterstützt von der KirchenZeitung als Sponsor, trat als Veranstalter auf und Weiß übernahm die Planung. Er schlug auch den Volksfestplatz als Austragungsort vor. „Ich war von einem kleineren Rahmen, höchstens 50 Autos, ausgegangen“, so Sorge. Auf dem Volksfestplatz hingegen ist Platz für etwa 200 Fahrzeuge.

Die aufwendigen Vorbereitungen gingen trotz notwendiger behördlicher Genehmigungen ungewöhnlich schnell. Von Idee bis Umsetzung dauerte es nur 72 Stunden. Der Pächter des Platzes stellte das Gelände kostenlos zur Verfügung. Über Pressemitteilungen, Anzeigen, Facebook und andere soziale Netzwerke wurde in Windeseile der Termin bekannt gemacht. „In Zeiten von Corona fehlt den Menschen das Gemeinschaftsgefühl, da sie das Haus nicht verlassen dürfen“, sagt Pfarrer Sorge. Außerdem bestehe ein Bedürfnis nach Religiösem. Statistiken zeigten, dass momentan mehr als sonst gebetet werde und Live-Stream Gottesdienste hohe Zuschauerzahlen verzeichneten. „Bei einem Drive-In-Gottesdienst ist es möglich, die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten und die Gläubigen können wieder so etwas wie eine Gemeinschaft erleben“, erklärt Sorge.

Großartige Idee in schwieriger Zeit

Um die Sicherheit aller Teilnehmenden zu gewährleisten, waren – außer für Familien – lediglich zwei Personen pro Fahrzeug zugelassen und es war nicht erlaubt, auszusteigen. PKW parkten mit einem Abstand von zwei Metern nebeneinander. Selbst eine Notfallversorgung war vor Ort, die hatten die Malteser übernommen. Gebraucht wurde sie aber nicht.

Dass das Konzept angekommen ist, zeigen diverse Reaktionen, die das Kolping-Sekretariat über Mails und das Internet erreichten. „Der Gottesdienst heute war wunderschön! So ist die Kirche gerade für jüngere Menschen attraktiv. Meine Oma und ich haben jeden Moment genossen. Zudem war es sehr berührend, nach so langer Zeit wieder einen Gottesdienst zu besuchen“ schreibt ein Teilnehmer. Und eine Frau meint: „Der Gottesdienst heute war perfekt...Ich finde es ganz großartig, wie man in der schwierigen Zeit so großartige Ideen hat“.

Von Marie Braukmann

 

Der Gottesdienst zum Nachhören (mp3)