31.01.2019

Seit fünf Jahren ist es ein Ort der Begegnung

Krippenhaus am Ende?

Weit mehr als ein Museum ist das Krippenhaus in Garbsen-Berenbostel. Seit es vor fünf Jahren öffnete, ist es zu einem Ort der Begegnung geworden. 2500 Besucher haben sich begeistert durch die Ausstellung führen lassen. Jetzt droht das Aus, die bisher als Museum genutzten Häuser sollen verkauft werden.

600 Krippen aus allen Ländern der Erde hat Bärbel
Smarsli für das Krippenhaus in Garbsen-Berenbostel
zusammengetragen. | Fotos: Stefan Branahl

„Tue erst das Notwendige, dann das Mögliche – und plötzlich schaffst du das Unmögliche.“ Dem heiligen Franziskus wird dieser Satz zugeschrieben, und Gemeindereferentin Bärbel Smarsli hat ihn im Kalender notiert. Aus gutem Grund; denn irgendwie muss sie in den kommenden Wochen das Unmögliche schaffen, wenn sie das Krippenhaus erhalten will.

Jedes Land erzählt von seinen Hoffnungen

Noch leuchtet der Stern über der Eingangstür am Franziskusweg in Berenbostel. Das könnte sich schnell ändern. Denn die evangelische Silvanusgemeinde will sich von Gebäuden trennen, neben dem Gemeindezentrum auch von den beiden Häusern, in denen das Museum seit mittlerweile fünf Jahren untergebracht ist. Hier konnte Bärbel Smarsli gut den damaligen Grundstock ihrer privaten Sammlung aufbauen und präsentieren. Die ist seitdem kontinuierlich gewachsen. Was in den neunziger Jahren mit einem Andenken begann – einer Krippe aus Bolivien – umfasst mittlerweile knapp 700 Krippen aus aller Welt. „Wirklich so gut wie jedes Land ist hier mit der Darstellung des Weihnachtsgeschehens vertreten“, berichtet die Gemeindereferentin.
 

Noch leuchtet der Stern über dem
Eingang zum Krippenhaus. Doch
dem Museum droht das Aus.
 

Mittlerweile hat sich das kleine Museum einen Namen weit über Berenbostel hinaus gemacht. Weil es ganzjährig geöffnet und weit mehr als nur eine Ausstellung ist, konnten inzwischen gut 2500 Menschen als Besucher gezählt werden: Schulen, Kommunionkinder, Gemeindegruppen, Familien, Firmenbelegschaften schrieben begeistert in das ausliegende Gästebuch. Sie schätzen nicht nur die umfangreiche und liebevoll aufgebaute Sammlung, die sie in Staunen versetzt. Vor allem von den Erläuterungen während der Führungen sind sie begeistert. Denn wenn Bärbel Smarsli oder eine der inzwischen zwölf unterstützenden Frauen durch die Räume führen, geht es um weit mehr als um Weihnachten: Jede Krippe erzählt die Geschichte seines Landes, von den Hoffnungen der Menschen, von ihrem Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. „Unser Krippenhaus ist ein kirchlicher Ort der Begegnung. In dieser Form gibt es etwas Vergleichbares nicht im Bistum Hildesheim“, sagt Bärbel Smarsli.

Freundeskreis oder Gemeinschaftsprojekt?

Als sie in der Adventszeit von den Verkaufsabsichten der Silvanusgemeinde erfuhr, war sie zunächst geschockt. Alle Krippen in Kisten zu verpacken und im Keller zu lagern, den Treffpunkt aufgeben – das will sie sich nicht vorstellen. Aber nur bis Mitte Februar läuft das Bieterverfahren, die Zeit drängt also. Auf rund 640 000 Euro sind die beiden Häuser geschätzt. „Es gibt einen Kaufinteressenten, der uns als Mieter behalten würde“, sagt Smarsli. Dann wäre allerdings die monatliche Miete von 1700 Euro aufzubringen, auf die die evangelische Gemeinde bisher verzichtet hat, um das Projekt zu unterstützen. Vielleicht gelingt es, dass ein Freundeskreis diese Kosten übernimmt, gibt sich die Gemeindereferentin optimistisch. Möglich wäre auch eine Eigentümergemeinschaft, die beim Bieterverfahren mit in den Ring steigt? Es hört sich unmöglich an – aber vielleicht behält in diesem Fall der heilige Franziskus Recht, auf den ja die erste Krippe zurückgeht.

Weitere Informationen und Kontakt: baerbel.smarsli@kath-kirche-garbsen.de

Stefan Branahl