05.12.2018

Zum 15. Mal stellen sie am 3. Advent Krippen in der Stadtkirche in Königslutter aus

Krippensammler aus Leidenschaft

Ein kleines Jubiläum können in diesem Jahr die Brüder Herbert (67) und Manfred Rupprecht (64) aus Königslutter feiern. Zum 15. Mal stellen sie am 3. Advent Krippen in der Stadtkirche in Königslutter aus. Doch Krippen sammeln die beiden Brüder inzwischen seit über 60 Jahren.

„Mit dieser Krippe standen eines Tages zwei Brüderpaare vor der Tür und haben sie mir geschenkt“, erzählt Herbert Rupprecht und ist auch nach Jahren noch immer gerührt. | Fotos: Deppe

Angefangen hat alles mit der Krippe einer Tante, erzählt Manfred Rupprecht. „Die hat sie uns als Kindern geschenkt und dazu haben wir unseren ersten Krippenstall gebastelt.“ Aber diese Karippe war nicht nur zum Ansehen gedacht. „Mit der haben wir richtig gespielt“, erinnert sich Herbert Rupprecht. „Da ging schon mal etwas kaputt, aber das wurde liebevoll geflickt oder es wurde auch mal eine Figur ausgetauscht.“

Mit dieser ersten Krippe wurde ihre  Leidenschaft für Krippen geweckt, die im Laufe der Jahre immer größer wurde. „Da kommen wahrscheinlich mehrere Komponenten zusammen. Krippen sind uns wichtig. Unsere Wurzeln mütterlicherseits liegen im Sudetenland, wo der Krippenbau zu Hause ist. Und wir haben Spaß dabei“, erzählt Manfred. Bei den Brüdern stehen zur Zeit mehrere Zimmer voller Krippen. „Bei Manfred nur, wenn die Ausstellung vorbereitet wird, bei mir das ganze Jahr – zur Freude meiner Enkel, die immer gern in den Keller gehen, um zu staunen oder auch damit zu spielen“, freut sich Herbert. Und Manfred wirft lachend ein: „Er hat ein richtiges kleines Krippenmuseum.“

Über 200 Krippen aus allen Erdteilen

Über 200 Krippen aus über 35 Ländern und in verschiedenen Größen haben die Brüder Rupprecht zusammengetragen. Dabei sind die Wege, auf denen die Krippen zu ihnen gelangen, sehr unterschiedlich. „Manche werden uns geschenkt, damit sie nicht irgendwann weggeschmissen werden, oder sie werden ganz gezielt für uns aus dem Urlaub mitgebracht. Manche habe ich auch im Internet entdeckt und ersteigert“, berichtet Herbert. Und dann sind da noch die vielen Krippen, die sie selbst aus dem Urlaub mitgebracht haben. „Man will eigentlich keine kaufen, sieht eine und kann dann doch nicht ohne weiterfahren“, schmunzelt Herbert.
 

Da sind sich Herbert (links) und Manfred (rechts) einig: „Ohne Krippe gibt es kein Weihnachten!“

Oft sind es nur die Krippenfiguren, die bei den Gebrüdern Rupprecht landen. Dann wird aus unterschiedlichem Material ein passender Stall dazu gebaut. „Ich nehme vor allem gern natürliches Material: Holz, Baumwurzeln oder auch Steine, die ich bei uns draußen oder unterwegs im Urlaub sammele wie zum Beispiel Bergkristalle in den Alpen.“ Daraus entstehen stilechte Krippenställe. „Die Vorlagen gucke ich mir ab und probiere auch selbst ein bisschen aus“, erklärt Herbert. Nach seiner Lieblingskrippe gefragt, sagt er ohne zu überlegen: „Da gibts keine. Aber alle haben eine individuelle Geschichte. Doch eine Krippe hat mich schon angerührt, die haben zwei Brüderpaare für mich gebastelt, die bei uns beim Sternsingen mitgemacht haben“, erzählt der ältere der Rupprechts, der schon seit vielen Jahren das Sternsingen in Königslutter organisiert.

Ob aus Afrika, Asien, Lateinamerika, Australien, Ost- oder Westeuropa – ihre Krippen sind den beiden ans Herz gewachsen. Dabei haben die Krippen einzeln betrachtet keinen großen materiellen Wert. Und so lässt es sich verschmerzen, wenn, wie vor ein paar Jahren mal, eine kleine Krippe bei einer Ausstellung verschwindet. „Das war eine kleine Krippe aus Teneriffa. Ich hoffe, dass sie dem Freude bereitet, bei dem sie vielleicht jetzt steht. Aber schöner wäre es gewesen, er hätte vorher gefragt“, findet Herbert, „dann hätte ich sie ihm wahrscheinlich geschenkt.“
 

Die Krippe der Tante ist der Grundstein der Krippensammlung.

Doch für die Krippe von der Kanareninsel gibt es längst Ersatz. „Freunde haben uns eine für unsere Sammlung mitgebracht – größer und schöner als die, die weg ist“, findet Manfred.

Inzwischen laufen die Vorbereitungen für die aktuelle Krippenausstellung auf Hochtouren. „Vom 12. bis 16. Dezember zeigen wir wieder in der Stadtkirche unsere Krippen parallel zum Weihnachtsmarkt. Es hat uns mal jemand gesagt, dass die Ausstellung so etwas wie die Seele des Weihnachtsmarktes sei. Und ein bisschen stimmt das auch, denn da geht es tatsächlich um das Weihnachtsgeschehen, um die frohe Botschaft von Weihnachten“, meint Herbert.

Wer die Ausstellung besuchen will, braucht dafür nichts zu bezahlen. „Aber wir bitten um eine kleine Spende, mit der wir jeweils Projekte für bedürftige Kinder unterstützen: Waisenkinder in der Ukraine, Kinder in Aleppo oder ein Kinderkrankenhaus in Kabul“, berichtet Manfred. In den vergangenen 14 Ausstellungen kamen so 13 570 Euro für den guten Zweck zusammen.

Und wer sich die Zeit für die Ausstellung nimmt, der kann sich von den Brüdern Rupprecht die vielen kleinen Geschichten über ihre Krippen anhören.

Edmund Deppe