27.11.2019

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

Martha Klawitter-Weiß

die Internetauftritte unserer Gemeinden sind voller kreativer Angebote. Von Wortgottesdienstfeiern mit Yoga bis hin zum meditativen Mandala-Malen ist alles dabei. Aber wehe dem, der nach Beichtgelegenheiten sucht. Fündig wird man höchstens in der Fasten- oder Adventszeit. Und dazwischen?

Ich hatte es neulich versucht. Da mein Beichtvater nicht da war, beschloss ich, außerorts nach einer Beichtgelegenheit zu suchen. Im Internet fand ich dann eine Adresse. 15 bis 16 Uhr Beichtgelegenheit. Ich fuhr hin. Doch der Beichtstuhl blieb leer. Ich fragte also in der Sakristei nach. Ein müde wirkender Priester schaute mich irritiert an, als ich mein Anliegen schilderte.

Auf meine Nachfrage hin, warum er nicht im Beichtstuhl warten würde, erwiderte er: „Es kommt so selten jemand. Aber gut, dass sie klopfen.“ Ja, gut, das denke ich auch. Aber ich bin ja nicht deshalb so weit gefahren, um anklopfen und Hände schütteln zu müssen, sondern um anonym zu beichten.

Viele Priester sind traurig darüber, dass niemand mehr zur Beichte geht. Freuen sie sich aber nicht mehr über die Gläubigen, die beichten möchten? Mir scheint: Überall beschäftigt man sich mit jenen, die irgend­etwas nicht mehr tun. Nicht mehr zum Gottesdienst kommen, ihre Kinder nicht mehr taufen lassen, eine sogenannte freie Trauung der kirchlichen vorziehen. Mit kreativen Ideen versucht man sie zurückzugewinnen. Doch wer kümmert sich um den Rest, der sich bloß wünscht, einen Priester im Beichtstuhl vorzufinden, der den Gläubigen das Bußsakrament spendet?

Ihnen eine gute Woche

Ihre  Martha Klawitter-Weiß

Martha Klawitter-Weiß ist Rundfunkredakteurin bei Bernward Medien.