04.04.2019

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

Martha Klawitter

meine Oma war eine einfache Frau mit wachem Blick, stets lackierten Fingernägeln und akkurat gebügelten Spitzenblusen. Sie mochte es, schön auszusehen.

Sie war auch sehr schön. Aber nicht, weil sie sich immer so schön zurechtmachte. Sie war so schön, weil sie nie ein schlechtes Wort über Menschen verlor, die sich etwas haben zu Schulden kommen lassen. Manchmal versuchten wir ihr ein Urteil zu entlocken, doch für gewöhnlich zuckte sie nur mit den Schultern, sagte nichts, zog stattdessen ihren Rosenkranz hervor, den sie immer bei sich trug. Und betete.

Als Kind hielt ich es nicht für notwendig, ihr während des Betens Ruhe zu gönnen. Statt mit ihr gemeinsam den Rosenkranz zu beten, aus ihrem Zimmer zu gehen oder nur ruhig dazusitzen, erzählte ich munter weiter meine Geschichten. Und es störte sie nicht. Sie lächelte mich an, nickte hin und wieder, ermunterte mich gar, weiterzuerzählen, um alsbald das nächste Geheimnis zu betrachten. Fast so, als würde sie das, was ich ihr erzählte, in ihre Gebete mit hineinnehmen.

Sie lehrte mich, wie man den Rosenkranz betet. Dass er mehr ist als eine Gebetsschnur, die man hinter Autorückspiegel hängt. Davon sind auch die anderen Gläubigen überzeugt, mit denen ich mich nun schon zum zweiten Mal in der Laurentiuskapelle im Hildesheimer Mariendom zum gemeinsamen Rosenkranzgebet getroffen habe. Schauen Sie gern vorbei und beten mit!  – Jeden Montag in der Laurentiuskapelle um 17.45 Uhr außer an Feiertagen! Vielleicht wird der Rosenkranz ja bald auch Ihnen Kraftquelle sein, aus der so viele Heilige geschöpft haben und schöpfen.

Ihre  Martha Klawitter

Martha Klawitter ist Rundfunkredakteurin bei Bernward Medien.