26.09.2018

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,

Martha Klawitter

mein Papa bat mich neulich darum, ein deutschsprachiges Gebetbüchlein für einen Freund aus Polen zu besorgen. Im Kern unseres Bistums sollte die Suche nach einem taschentuchgroßen Büchlein mit den Grundgebeten ja kein Problem sein.

Nachdem ich in einer Buchhandlung, die ein solides Sortiment an religiöser Literatur bietet, nicht fündig wurde, machte ich mich auf den Weg in eine Klosterbuchhandlung. Vielversprechend: Von Joseph Ratzingers Jesus-Büchern bis hin zu Kinderbibeln und Devotionalien schien hier alles dabei zu sein. Ein Gebetbüchlein fand ich aber nicht. „Die liegen bestimmt in einer separaten Ecke neben den Heiligenbildchen“, dachte ich, „fernab von Andreas Englisch und Anselm Grün.“

Ich fragte nach: „Haben Sie so kleine Gebetbücher?“ Die Verkäuferin schaute mich entsetzt an – fast so, als hätte ich gerade einen Cheeseburger bei ihr bestellt. Vielleicht hatte sie mich einfach akustisch nicht verstanden, dachte ich und wiederholte meine Frage. „Gebete?“, entgegnete sie mir nicht weniger irritiert und fügte nach einer kleinen Denkpause hinzu: „Nein, so etwas haben wir hier nicht.“ Sie vertröstete mich mit dem Hinweis auf die zahlreichen Ratgeber à la „Wie werde ich glücklich?“ Schade, dass kein „Wo finde ich Gebetbüchlein?“-Ratgeber dabei war.

Wieder zu Hause angekommen setzte ich mich enttäuscht an den Computer und suchte bei einem Online-Flohmarkt nach dem Büchlein. Und tatsächlich! – „Tausche 30 antike Gebetbüchlein gegen Kiste Cola.“ Ich gab auf und beschloss, meinem Papa eines meiner Gebetbüchlein zu schenken.

Ihre  Martha Klawitter

Martha Klawitter ist Rundfunkredakteurin bei Bernward Medien.