22.06.2022

Angemerkt der Woche

Liebe Leserin, lieber Leser,


„Sie sehen heute aber schön aus!“, sagte mir am Wochenende eine alte Dame, als ich am Bahnsteig stand und auf meinen Zug gewartet habe. Verblüfft über die Worte der fremden Frau habe ich am Anfang nur ein leises „Danke“ über meine Lippen bekommen, erst im Nachhinein habe ich gemerkt, wie sehr mich das Kompliment gefreut hat.

Und dann habe ich überlegt, wann ich zuletzt jemandem ein ehrliches Kompliment gegeben habe. Zu meiner Schande ist es schon ein wenig länger her. Und das, obwohl Komplimente doch so schön sind! Sie sind gewissermaßen das Schmiermittel in der zwischenmenschlichen Kommunikation – ähnlich wie ein Lächeln. Denn durch ein Kompliment kann man nicht nur direkt seine Zuneigung ausdrücken, sondern dem Gegenüber auch ein Geschenk machen. Das belegen auch Studien: Die Effekte sind sogar körperlich messbar, denn der Körper schüttet dabei Hormone wie Oxytocin, Opioid und Dopamin aus.

Es heißt, von einem Kompliment kann ein Mensch zwei Monate leben. Das wusste auch schon Mark Twain. Es ist die einfachste und günstigste Variante, jemandem eine Freude zu machen. Deshalb frage ich mich: Warum verteilen wir dann so selten Komplimente? Wieso sagen viele es lieber durch die Blume oder mit einem Päckchen Schokolade?

Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen, mehr Menschen Komplimente zu machen. Komplimente, die ich ernst meine, und die von meiner Seele kommen. Und vielleicht wollen Sie es mir gleich tun!

Ihnen eine gute Woche

Tabea Kolbeck

Tabea Kolbeck ist Volontärin in der Hörfunkredaktion bei Bernward Medien.