10.05.2018

Fotoausstellung nicht wiederholbarer Zeitdokumente

Mensch und Arbeit

Vor 47 Jahren machte Manfred Zimmermann als junger Industriefotograf sein erstes Porträt eines Menschen an seinem Arbeitsplatz. Aus diesem eher zufälligen Nebenprodukt wurde eine ganze Serie von Porträts, nicht wiederholbare Zeitdokumente, die zum Nachdenken anregen. In einer Ausstellung sind sie ab dem 15. Mai in der Seminarkirche des Hildesheimer Priesterseminars zu sehen.

Einmalige Zeitdokumente und Anstoß zu Reflexion und
Dialog: Porträts am Arbeitsplatz – nicht inszeniert und nicht
gestellt, sondern direkt bei der Arbeit. | Foto: Zimmermann

„Ich war damals gerade 24 Jahre alt und wurde plötzlich bei einem Auftrag in der Gießerei mit der harten Arbeitswelt konfrontiert, die ich bis dahin nicht kannte“, erinnert sich Manfred Zimmermann. Schule, Studium, Ausbildung hatten mit dem wenig zu tun, was er nun kennenlernte. Da stand ein Mann in Schutzkleidung vor ihm – mit Kopfschutz, langem Mantel  und dicken Stiefeln. „Das war für mich so beeindruckend, dass ich mir vornahm, bei jedem Auftrag ein privates Foto für mich zu machen“, erklärt Zimmermann.

Das Ergebnis: Zahlreiche Fotos, die nicht nur einfach das Porträt eines Menschen darstellen, sondern darüber hinaus Zeitdokumente sind. „Im Laufe der Jahre wurde mir immer klarer, dass diese Fotos einzigartig sind, nicht wiederholbar. Denn mit dem technischen Fortschritt verändern sich auch die Berufe. Arbeitsstätten werden geschlossen, Arbeitsplätze verändern sich. Heute sieht eine Produktionsstraße in der Autoherstellung ganz anders aus als noch vor zwanzig Jahren und wird in Zukunft weitere Veränderungen erfahren.“

Respekt, Würde und Wertschätzung

Doch Zimmermann macht sich auch Gedanken darüber, wo die Menschen bleiben, die früher einfache Arbeiten verrichtet haben und heute von der hochtechnisierten und digitalen Arbeitswelt abgehängt werden.
 

Seit fast 50 Jahren porträtiert Manfred Zimmermann
Menschen an ihrem Arbeitsplatz. | Foto: Archiv

„Ich möchte mit diesen Porträtfotos am Arbeitsplatz die Menschen sensibilisieren, einmal darüber nachzudenken, was Arbeit für Menschen bedeutet, dass – und dies strahlen die Bilder aus – sie stolz sind auf ihre Arbeit, sie gerade daraus ihre Würde haben, ihre gesellschaftliche Anerkennung. Und es geht um Respekt und Wertschätzung, die wir Menschen wegen ihrer auch noch so geringen Arbeit entgegenbringen sollten. Sie haben es verdient. In meinen Porträts steht der Mensch im Mittelpunkt“, sagt Zimmermann.

Aber in der Ausstellung dokumentiert der Industriefotograf nicht nur die zeitgeschichtliche Entwicklung am Arbeitsplatz vom Schmelzer am Hochofen bis zum Spezialisten an hochtechnisierten Maschinen oder der industriellen Fertigung von Lebensmitteln. Zimmermann zeigt auch die Gefahr: Am Ende produziert die Maschine – ohne Mensch.

In der Ausstellung tritt das fotografische Sehen in den Dialog mit der Spiritualität – der Fotograf Manfred Zimmermann mit dem Theologen Dr. Peter Abel, dem Leiter der Arbeitsstelle für pastorale Fortbildung und Beratung des Bistums Hildesheim (afb). „Unser gemeinsamer Nenner: Arbeit schenkt Würde. Arbeit ist Glaubensgut. Die biblisch-christliche Tradition, mit der sich unsere Arbeitsgesellschaft bis heute auseinandersetzt, weiß: wir finden in guter Arbeit zu unserer Würde. So entsteht eine kritische, von christlicher Basis getragene Zeitgenossenschaft“, fasst Abel zusammen.

Edmund Deppe

 


Die Aussstellung „Mensch und Arbeit – Fotografisches Sehen und Spiritualität im Dialog“ wird im Rahmen der Hildesheimer Gartengespräche (Tagungshaus Priesterseminar, Neue Straße 3) am 15. Mai um 19.30 Uhr eröffnet. Thema des Abends mit Manfred Zimmermann ist „Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles …“ (Gen 1,29). Die Ausstellung ist bis zum 30. September montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr in der Seminarkirche zu sehen (Zugang über das Tagungshaus Priesterseminar). Führungen nach Vereinbarung.

Telefon: 0 51 21 / 1 79 15-40, E-Mail: ps@bistum-hildesheim.de