15.07.2021

Kirchen würdigen Esther Bejarano

"Mutige Persönlichkeit"

Politiker und Religionsvertreter haben die gestorbene Holocaust-Überlebende Esther Bejarano gewürdigt. Die Zeitzeugin und Künstlerin sei eine wichtige Stimme gegen das Vergessen, eine mutige Persönlichkeit und Vorbild gewesen.

Die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano, die im Alter von 96 Jahren gestorben ist.
"Eine der lautesten Stimmen gegen das Vergessen", nannte die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano. Sie war vergangene Woche im Alter von 96 Jahren gestorben. 

"Auschwitz-Überlebende in aller Welt beklagen den Tod ihrer wunderbaren Freundin, Leidensgenossin und Weggefährtin, der großen Zeitzeugin Esther Bejarano, die in ihrem 97. Lebensjahr in Hamburg gestorben ist und über viele Jahre im Internationalen Auschwitz Komitee engagiert war", erklärte der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner zum Tod der Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano. Sie war vergangene Woche im Alter von 96 Jahren gestorben. 

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte den beiden Kindern Bejaranos. "Wir verlieren mit ihr eine mutige Persönlichkeit, die sich bis zuletzt für die Verfolgten des Naziregimes eingesetzt hat." Er erinnerte auch an Bejaranos Auftritte als Sängerin. "Wer sie je in ihrem musikalischen Element erlebt hat, wird sich immer daran erinnern: So mitreißend war sie!"

Außenminister Heiko Maas (SPD) würdigte die Verstorbene als wichtige Stimme im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus. Bejarano habe "mit ihrer Lebenskraft und unglaublichen Geschichte" überzeugt, twitterte Maas.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) betonte, dass Bejarano alles dafür unternommen habe, "dass die schrecklichen Folgen des nationalsozialistischen Rassenwahns und die grauenhaften Auswüchse eines totalitären Staates nicht in Vergessenheit geraten. Mit ihren einfühlsamen Worten führte sie insbesondere junge Menschen heraus aus dem Schweigen in das Miteinander der Verständigung."

Als Zeitzeugin besuchte sie zahlreiche Schulen 

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, nannte Bejarano "eine der lautesten Stimmen gegen das Vergessen". Sie habe mit aller Kraft Engagement gegen "neuen alten Rechtsextremismus" auch aus der Gesellschaft eingefordert. Dieser Einsatz müsse weitergetragen werden.

Der Hamburger Weihbischof Horst Eberlein nannte Bejarano eine "Zeugin der Wirklichkeit". Jahrzehntelang habe sie vor allem jungen Menschen davon berichtet, dass die Schoah wirklich geschehen ist. Dies sei ein Zeugnis, dass heute wieder mehr denn je notwendig sei. "Ihre große Wachheit bis zum Schluss hat mich tief beeindruckt", so Eberlein. Ein Satz von ihr sei ihm besonders im Gedächtnis geblieben. Auf die Frage eines Schülers, was junge Menschen heute tun sollten, habe Bejarano geantwortet: "Auf jeden Fall nicht schweigen."

Die 1924 in Saarlouis geborene Bejarano spielte Akkordeon im "Mädchenorchester" von Auschwitz. Später kam sie in das KZ Ravensbrück und konnte auf einem Todesmarsch fliehen. Ihre Eltern und ihre Schwester wurden von den Nationalsozialisten ermordet. "Das, was sie im Lager gesehen hatte, trieb sie ihr ganzes Leben immer wieder zu den Menschen hin: In ihren späteren Jahren fand sie vielfältige künstlerische Wege, von diesem Ort des Todes zu erzählen und die, die dort ermordet worden waren, vor dem Vergessen zu bewahren", betonte Heubner.

Die Künstlerin besuchte als Zeitzeugin seit mehr als 30 Jahren Schulen. Bejarano engagierte sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten. 2012 erhielt sie das Große Bundesverdienstkreuz. Sie traf mit weiteren Holocaust-Überlebenden 2015 Papst Franziskus.

Heubner unterstrich: "Ihre Gabe, Menschen für die Bewahrung der Erinnerung zu gewinnen war ebenso legendär wie ihr Zorn über die Dummheit des Rechtsextremismus und den überall hervorbrechenden Antisemitismus, der sie zutiefst verstörte." 

kna