21.11.2019

Ökumenische Bewegung Kirchehoch2

Nächste Stufe gezündet

Aus dem Ökumenischen Kongress Kirchehoch2 ist eine ökumenische Bewegung geworden. Sie geht den Zukunftsfragen von Kirche nach. Doch seit November 2018 hat sich das Ende des bisherigen Projektes abgezeichnet. Und vor wenigen Monaten wurde dies auch strukturell klar. Für Rat Dr. Christian Hennecke, Leiter der Hauptabteilung Pastoral, ist dies aber nicht das Ende von Kirchehoch2, sondern ein Durchstarten.

Die Erfahrungen der Kirche von England sind Thema einer
Plenarveranstaltung des Ökumenischen Kongresses 2013
in Hannover. Bischof Graham Cray (Mitte) wirbt dabei für
das Miteinander von Neuem und Traditionellem.

Woran lag es, dass das bisherige Projekt Kirchehoch2 so nicht weitergeführt werden konnte?

Da sind vor allem zwei Dinge zu nennen: Die Projektbeauftragung von Pastorin Prof. Dr. Sandra Bils wurde vom Haus Kirchlicher Dienste der Landeskirche Hannover nicht verlängert und Mitte Oktober wurde das Projekt-Büro in Hannover Linden aufgelöst. Letzteres zum einen, weil ein ökumenisches Büro ohne die konfessionelle Schwester sinnlos ist. Und zum anderen ist die Immobilie, in der das Büro untergebracht war, dringend sanierungsbedürftig. Es gab dort Wassereinbrüche und auch die Stromversorgung ließ zu wünschen übrig.

Doch was bedeutet dieser Einschnitt für das Projekt Kirchehoch2?

Erst einmal muss ich betonen, dass Maria Herrmann, die katholische Referentin im ökumenischen Team von Kirchehoch2, weiterhin dabei ist. Sie und Sandra Bils haben hervorragende Arbeit geleistet und dieses Projekt deutschlandweit und auch darüber hinaus bekannt gemacht.  Als Team haben die beiden ein formidables Netzwerk aufgebaut und die Idee von Kirchehoch2 weitergetragen und auch durch Ideen von außen bereichert. Das Netzwerk gibt es und es bleibt weiterhin bestehen. Kirchehoch2 hört nicht auf. Nach dem großen und erfolgreichen Kongress 2013 in Hannover, der sehr guten Arbeit im ökumenischen Projektbüro endet lediglich die erste Phase dieser ökumenischen Bewegung. Jetzt beginnt die nächste, eine neue Phase, von der wir noch nicht wissen was sie bringt, welche Verheißungen und Entwicklungen sich dabei ergeben.

Wenn Sie heute zurückblicken, wie sahen die Anfänge von Kirchehoch2 aus?

Die Geschichte von Kirchehoch2 hat vor über 15 Jahren begonnen – mit einer gemeinsamen Entdeckung: Wir – katholische wie evangelische Engagierte für die zukünftigen kirchlichen Entwicklungen – haben festgestellt, dass wir dieselben Fragen und Anliegen teilen. Wir haben uns auf der Suche nach den neuen Wegen in einer gemeinsamen Verwurzelung im Glauben verbunden, in der Schrift, in der Christusgegenwart. Das führte uns auf einem gemeinsamen Weg, der immer mehr Dynamik bekam.

 

Dr. Christian Hennecke hat die ökumenische
Bewegung Kirchehoch2 mit angestoßen.

Was heißt das konkret?

Gemeinsame Reisen führten zu gemeinsamen Entdeckungen eines Zukunftsweges, vor allem im Kontext der anglikanischen Erneuerung. Immer mehr wurde Hannover und Hildesheim zu einem Ort und einer Plattform für innovative Erfahrungen. Das führte zur wagemutigen Idee des ökumenischen Kongresses Kirchehoch2 im Jahr 2013.

Wie ging es dann weiter?

Der Kongress, die überwältigende Erfahrung seiner Resonanz und die großartige Aufbruchsdynamik, die sich aus ihm ergab, führte uns in eine neue Phase des Miteinanders. Aus dieser Dynamik heraus entstand eine ökumenische Bewegung. Das gemeinsame Büro in Hannover-Linden wurde zu ihrem Mittelpunkt. Es war ein „dritter Ort“ – so zusagen auf neutralem Gebiet –, der immer mehr zur Plattform eines wachsenden Netzwerkes von Kircheninnovation und einer neuen, anderen Art von Gemeindegründung wurde. Das Projektbüro wurde zu einem Ort des „Wanderns und Wunderns“. Doch der eigentliche Kern dieser Bewegung war ein ökumenisches Team mit Sandra Bils, Maria Herrmann und vielen anderen aus der Landeskirche und dem Bistum – ergänzt von Brüdern und Schwestern aus den freien Kirchen.

Hat dieser rasante Aufbruch des Anfangs nun an Schwung verloren?

Nein, aber der Schwung wurde anders. Man kann es vielleicht mit einer Rakete vergleichen. Die erste Stufe ist für den Start verantwortlich. Sie wird anschließend abgestoßen und die nächste Stufe gezündet, die nun für den Weiterflug verantwortlich ist. Wir haben in den letzten Jahren immer mehr gespürt, dass dieser nächste Schritt vor uns liegt. Aber es brauchte Zeit und viele spannende und auch zuweilen spannungsvolle Gespräche, sich dieser neuen Situation zu stellen und die Herausforderung gemeinsam anzunehmen. Mit dem unvermittelten und schmerzlichen Ende der bisherigen Konstellation ist aber dieses Anliegen, was Kirchehoch2 ausmacht, im Bistum keineswegs schwächer geworden. Es liegt in der Luft und wartet auf Verwirklichung.

Das heißt?

Viele ökumenische Kontakte mit der Landeskirche Hannover, viele ökumenische Kontakte im weiteren ökumenischen Feld bis hin zu einer europäischen Vernetzung und vor allem die Erfahrungen der vergangenen Jahre führen uns nun dazu, die Idee von Kirchehoch2 und die „Ökumene der Sendung“ in einem nächsten Schritt zugleich breiter und tiefer zu entfalten.

Wie wird der aussehen?

Im Bistum Hildesheim wird weiterhin ein Team mit Maria Herrmann, Matthias Kaune, Johannes Ebbersmeyer, mir und anderen für eine innovative und ökumenisch ausgerichtete Kirchenentwicklung im Sinne von Kirchehoch2 stehen. In diesem Rahmen werden in den kommenden Jahren – in Kooperation mit Landeskirchen und anderen Partnern – die bisherigen Ansätze weitergeführt und intensiviert. Neue Formate werden hinzukommen. Entscheidend ist für uns, dass wir das „heilige Experiment“, das 2013 begonnen hat, mit vielen Gesichtern weitergehen – als eine ökumenische Bewegung. Wir wollen uns weiter inspirieren lassen, Ideen entwickeln und die Christusgegenwart spürbar werden lassen an unterschiedlichen Orten – alt bekannten und ganz neuen. Wir freuen uns auf diese neue Phase, die sicherlich neue Netzwerke und Perspektiven ermöglicht und viele Menschen im Bistum und Landeskirchen ergreifen wird, aber auch in bundesweiten und europäischen Netzwerken weiter ein wichtiger Akteur sein will und kann. Man kann sagen, dass wir in einer Zeit des kirchlichen Umbruchs leben. Ich bin sehr gespannt  und freue mich auf diese neue Herausforderung.

Interview: Edmund Deppe