06.02.2020

Nikolaus Kopernikus lenkt unser Denken und Wissen in neue Richtungen

Plötzlich war alles ganz anders

Kopernikus revolutionierte unsere Vorstellungen vom Weltall. Was er vor 500 Jahren berechnete, fasziniert selbst technikverwöhnte Kinder. Im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg erklärt ihnen Silke Straatman, wie der geniale Wissenschaftler unser Denken und Wissen  in neue Richtungen gelenkt hat.

Eine Revolution in zwei Bildern. Silke Straatman erläutert jungen Museumsbesuchern bei Führungen das heliozentrische Weltbild des Nikolaus Kopernikus (rechts), das im Widerspruch zum Weltbild der Antike stand, wonach sich Sonne und Sterne um die Erde drehen.

Eine Art Tonne und drei bunte Kugeln. Mehr braucht es nicht, um die Welt aus den Angeln zu heben. Die Erde (blau) und der Planet Merkur (rot) drehen sich auf Knopfdruck um die Sonne. Na und?

Von wegen Na und! Was Nikolaus Kopernikus nach seinen jahrzehntelangen Himmelsbeobachtungen und Berechnungen 1532 veröffentlichte, war für die Menschen seiner Zeit ein handfester Skandal: Nicht die Sonne und die Sterne drehen sich um die Erde, es ist genau umgekehrt. Das widersprach nun völlig dem damals bekannten antiken Weltbild und dem, was die Kirche lehrte. „Wenn ich den Kindern erkläre, dass zu Zeiten von Kopernikus die Kirche mehr oder weniger die Wissenschaften bestimmte, dann ernte ich ungläubiges Kopfschütteln“, sagt Silke Straatman.

Das heliozentrische Weltbild vor Augen

Das Modell mit den drei Kugeln, die das so genannte „heliozentrische Weltbild“ plastisch vor Augen führen, steht nicht ohne Grund im Ostpreußischen Landesmuseum: Kopernikus arbeitete viele Jahre in Frauenburg, dem heute polnischen Frombork. Ein Ölgemälde in der Museumsabteilung, die sich dem Wissenschaftler widmet, zeigt den Dom, wo er dem Domkapitel angehörte. Die große Kirche dominiert das Bild, auf den kleinen Turm muss die Museumspädagogin extra hinweisen: „Hier machte Kopernikus seine bahnbrechenden Beobachtungen.“ Silke Straatman ist vor ein paar Jahren selbst die Stufen hinauf geklettert und war fasziniert vom Blick in den Sternenhimmel. „In den Weiten Masurens lenkt kein Lichtsmog ab.“
 

In Thorn wurde Nikolaus Kopernikus am 19. Februar 1473
geboren. Ein Denkmal erinnert an ihn.

Ihre Begeisterung gibt sie mehrmals im Jahr an Schulklassen weiter. Wie war dieser Mann in der Lage, mit bloßem Auge – das Teleskop war noch nicht erfunden – so genaue Berechnungen anzustellen? Wie konnte jemand, der das Wissen von heute nicht hat, überhaupt eine Ahnung dafür entwickeln, dass die Erde mit einer Geschwindigkeit von 30 Kilometern in der Sekunde durchs Weltall rast? Welche Gedankensprünge sind nötig, um ein Gefühl für die Unendlichkeit des Weltalls zu bekommen? „Das fasziniert die Kinder, und oft sind wir dann bald in ganz intensiven Gesprächen“, sagt Silke Straatman.

Über die Entdeckungen, die Entwicklung eines neuen Weltbildes  hinaus legt sie allerdings auch Wert darauf zu vermitteln, dass Kopernikus nicht nur Wissenschaftler war: Er studierte in Krakau, Bologna, Padua und Rom, er war ein Mann, für den Nationalitäten weniger eine Rolle spielten. „Nikolaus Kopernikus war das, was wir heute als einen Europäer im besten Sinne bezeichnen würden.“

Internet: ostpreußisches-landesmuseum.de

Stefan Branahl