01.03.2019

Rappen für eine bessere Welt

Rapper Spax sorgt nicht mit gewalt-, drogenverherrlichenden und sexistischen Raps für Aufsehen. Im Gegenteil: Spax wirbt in seinen Texten für Werte  wie Loyalität, Vertrauen und Menschenwürde. Er ist zu Gast beim Aschermittwoch der Künstler in der Dombibliothek in Hildesheim.

In seinen Raps ist kein Platz für Sexismus und
Rassismus. Seine Texte handeln von Werten – der
Rapper Spax. | Foto: Klawitter

Glaubt man den Musikvideos von Rappern im Fernsehen, ist Rafael Szulc-Vollmann alias Spax kein „echter“ Hip-Hopper. Er raucht nicht, war in seinem 47 Jahre langen Leben nie betrunken und trägt keine Goldkette mit Dollar-Anhänger. Dabei ist Hip-Hop in seinen Ursprüngen auch gar nicht mit dem heute vor allem unter Jugendlichen beliebten Gangsta-Rap zu vergleichen.

Ein Sprachrohr der Benachteiligten

Die Musikrichtung Hip-Hop hat ihre Ursprünge in den afroamerikanischen Ghettos New Yorks. Im Laufe der 70er-Jahre zog die schwarze Ober- und Mittelschicht zunehmend in die „weißen“ Vorstädte und hinterließ besonders in den Stadtvierteln Bronx und Queens ein sozial isoliertes afroamerikanisches Proletariat. Bandenkriminalität, die häufig zu gewalttätigen Ausschreitungen führte, prägte das Leben in den Vierteln.

Dieser Entwicklung setzten insbesondere Jugendliche eine Kultur entgegen, die sich unter anderem in den „Block Partys“ manifestierte. In alten Fabrikgebäuden, auf Parkplätzen oder unter freiem Himmel machten sie in ihren Rap-Texten auf die Probleme im Ghetto und die soziale Ungerechtigkeit in den USA aufmerksam. Hip-Hop wurde zum Sprachrohr der Benachteiligten.

Heute spielt die Geschichte des Hip-Hops kaum eine Rolle mehr. Zumindest nicht bei jenen Rappern, die ihre Texte nur des Erfolges wegen schreiben. In ihren Musikvideos tanzen leicht bekleidete Damen auf schnellen Autos, während die Rapper sie in ihren Texten beschimpfen. Spax hat das nie verstanden: „Viele meiner Rap-Kollegen haben ein unfassbar schlimmes Frauenbild. Hass und Wut dominieren ihre Texte. Nur wohin führt das?“

Spax ist stolzer Vater eines neunjährigen Sohnes. Er will nicht, dass sein Sohn solche Botschaften verinnerlicht. „Ich trage als Rapper ja auch eine Verantwortung“, sagt er. In seinen Texten wird niemand diskriminiert. Er will Werte vermitteln. „Loyalität, Vertrauen und Dialog – das ist wichtig“, sagt der Rapper, während er Zucker in seinen frisch aufgebrühten Darjeeling-Tee rührt.

Tee war Spax schon immer lieber als irgendein alkoholisches Gebräu. Einmal wurde er gefragt, ob er einen Text für eine Gin-Destillerie schreiben könnte. „Die Bezahlung war gut“, erinnert er sich, „aber ich sagte ab.“ Nicht, weil er im Alkohol die Wurzel allen Übels sehe, sondern weil er das nicht verkörpere. „Ein Rapper muss authentisch sein. Das Ich in den Texten darf nicht bloß ein künstlerisches Mittel sein“, findet er. „Zumindest nicht beim Hip-Hop. Wenn ein Rocker schreit ‚Ich brenne die Welt nieder‘, dann geht niemand davon aus, dass er das wirklich tun wird. Wenn das aber ein Hip-Hopper sagt, steht gleich das SEK vor der Tür“, sagt Spax und lacht.

Doch nicht vor seiner Tür. Seine Botschaft ist eine andere: Lebt gut und friedlich zusammen. „Wir leben doch nicht für uns allein. Hass und Neid sind Gift für die Menschen und zerstören die Gesellschaft“, sagt er. Seine Texte handeln deshalb von Liebe, Vertrauen und Verantwortung. Unterhaltungsmusik ist das nicht. Aber das war auch nie das Ziel des Musikers.

Ich will Menschen mit meiner Musik erreichen!

„Klar, ich liebe Hip-Hop“, sagt Spax, „aber wichtiger ist mir, dass ich Menschen mit meiner Musik erreiche und etwas in ihnen bewirke.“ Deshalb hat er irgendwann angefangen, Rap-Workshops für Kinder und Jugendliche zu geben. Hier lernen sie nicht nur zu reimen und ihr Rhythmusgefühl zu schärfen, sondern auch, über sich, ihr Verhalten und die Konsequenzen nachzudenken. Mittlerweile gibt der Hip-Hopper mehr Workshops als Konzerte. „Ich falle eben nicht durch Negativschlagzeilen auf“, erklärt er.

Hin und wieder ist er dann aber doch noch auf der Bühne zu sehen und zu hören. Am liebsten bei Geburtstagsfeiern von Freunden, vor Kindern, Jugendlichen und bald auch in der Dombibliothek in Hildesheim. Ungewohnt für einen Rapper, der mit Gott seine Probleme hat. „Ich glaube nicht an das Konstrukt Gott, wie es die katholische Kirche proklamiert“, sagt er. „Sobald ich sage: Da ist jemand und der ist gut, besteht die Gefahr, dass ich die Verantwortung für mein Fehlverhalten nach oben abgebe.“ Das zeigen vor allem die vielen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche.

Spax war als Jugendlicher gern in der katholischen Kirche. Doch zunehmend enttäuschte ihn das Verhalten der „Oberchristen“, die zwar jeden Sonntag in der ersten Kirchenbank saßen, montags aber ihre Ehefrauen betrogen. „Wenn du ein Nutellaglas kaufst, willst du ja auch nicht, dass da Gurkenwasser drin ist.“ Also ging er und kam nie wieder. Bis jetzt. „Als ich erfahren habe, dass der neue Bischof gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche gezielt vorgehen will, dachte ich: Okay, da kannst du hin.“

Spax tritt am 6. März beim Aschermittwoch der Künstler in der Dombibliothek in Hildesheim auf. Beginn ist um 20 Uhr.

Marta Klawitter

 

Gegen Sexismus und Rassismus

Der Rapper Spax (bürgerlich Rafael Szulc-Vollmann), geboren 1973 in Rheine, ist eines der „Urgesteine“ der deutschen Hip-Hop-Szene. Seit 1988 ist er Rap-Künstler und Hip-Hop-Aktivist. Innerhalb der Hip-Hop-Szene ragt er nicht nur mit seinen Freestyler-Künsten heraus, sondern auch wegen seines Engagements gegen Sexismus und Rassismus.

Er war für das Goethe-Institut in Afrika, Neuseeland und Singapur, arbeitete u.a. an der Hip-Hop-Academy in Hamburg, an der Staatsoper und dem Schauspielhaus Hannover, wo er nicht nur Aufführungen inszenierte, sondern auch eigene Stücke sowie Operngesänge schrieb. Er lehrt an Schulen und Universitäten. Als Hip-Hopper engagiert er sich in zahlreichen sozialen und karitativen Bereichen. So lernen bspw. jugendliche Geflüchtete in seinen Workshops Deutsch, indem sie schreiben, reimen und ein eigenes Lied über ihre Zukunft komponieren. Spax wurde 2018 mit dem Integrationspreis des Deutsch-Türkischen Netzwerks ausgezeichnet.

So veröffentlichte er folgende Musikalben: 1998 Privat (style fetisch); 2000 Alles Relativ, 2003 Engel & Ratten; 2005 Schattenkrieger (All City Allstars feat. Spax); 2011 Unter dem Radar (als Die Profis mit DJ Mirko Machine); 2015 Zeiten ändern dich nicht immer (als Die Profis mit DJ Mirko Machine); 2017 Wahrheit.

(mkl)