13.03.2019

Neustart im Tabor in Hannover

Unterm Strich eine echte Fügung

Mit Sr. Birgit Stollhoff hat das jugendpastorale Zentrum in Hannover eine neue Leiterin. Mit neuen Ideen, aber mit einer Gewissheit: Das Tabor wird vor allem ein Ort für Freiraum für Jugendliche sein.

Wie war das mit dem lieben Gott, der den ganzen Tag nicht anderes macht als fügen? Ende letzten Jahres stand das Tabor, das jugendpastoralen Zentrum in Hannover, ohne pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da. Berufliche Neuorientierung, das Auslaufen von befristeten Verträgen: „Mehrere Umstände haben dazu geführt“, sagt Diözesanjugendseelsorger Andreas Braun.

ã Für Sr. Birgit Stollhoff und Diözesanjugendseelsorger Andreas Brauns sind das Café und die „lern.bar“ das Herzstück des jugendpastoralen Zentrums Tabor. | Foto: Wala

Dennoch blieb das Tabor geöffnet: beispielsweise das Café, die lern.bar (ein Hausaufgabenprojekt), auch ein kleines Konzert wurde veranstaltet. „Ich kann allen, die dazu beigetragen haben, nur ein großes Kompliment machen“, betont Braun. Dazu zählt er vor allem die Mitarbeiterinnen in der Verwaltung, Beate Suchan und Andrijana Lasic, die 19-jährige Anna Gudelj, die zurzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr im Tabor macht und die Ehrenamtlichen – oftmals selbst Schülerinnen und Schüler: „Das ist schon großartig.“

Zum anderen bot die Situation aber auch die Chance, das Tabor nicht nur personell, sondern auch inhaltlich neu aufzustellen. Und jetzt kommt der liebe Gott mit der Fügung ins Spiel. Denn zeitgleich gab es eine Anfrage der Nachbarn auf dem Gelände in der Mitte von Hannover, von den Ordensfrauen der Congregatio Jesu. Der kleine Konvent steht ebenfalls vor Veränderungen. Eine Ordensfrau wird den Konvent bald für ihre weitere Ausbildung verlassen – und mit Sr. Birgit Stollhoff kehrt eine Mitschwester zurück, die schon einmal vier Jahre im Friedrich-Spee-Haus gelebt hat. Die studierte Juristin hat in dieser Zeit unter anderem als Assistentin der Geschäftsleitung der Bernward Mediengesellschaft gearbeitet, in der die KirchenZeitung erscheint. Sie hat auch selbst wiederholt für die Bistumszeitung geschrieben – immer noch eine große Leidenschaft von ihr.

Zurück zur Anfrage der Congregatio: Welche Aufgabe könnte die 41-Jährige nun übernehmen? Die Gegenfrage des Bistums: Warum nicht das Tabor? „Das war schon überraschend“, sagt Sr. Birgit: „Ich habe zwar schon viele Aufgaben übernommen, in der Jugendarbeit aber nicht so viele Erfahrungen.“

„Ich hätte nicht gedacht, wie viel Spaß das macht“

Aber natürlich kannte sie aus ihrer Zeit in Hannover das Tabor.  Sie hat vor allem Brücken zwischen bei der Congregatio im Haus lebenden jungen Flüchtlingen und dem jugendpastoralen Zentrum geschlagen: „Schon da habe ich gesehen, wie interessiert, wie offen, wie engagiert die Jugendlichen im Tabor sind.“ Anschluss finden – das war für die jungen Flüchtlingskinder überhaupt kein Problem. Gleiches Alter, gleiche Wellenlänge – und das gleiche Vergnügen, gegen einen Ball zu kicken ....

Doch jetzt kehrt Sr. Birgit in anderer Rolle ins Tabor zurück. Seit Mitte Februar leitet sie das Zentrum – mit halber Stundenzahl. Ihre erste Erfahrung: „Ich hätte nicht gedacht, wie viel Spaß das macht.“ Allein zu erleben, wie sich die ins Tabor kommenden Schülerinnen und Schüler wie zu Hause fühlen: „Sie kommen, wie sie sind.“ Manche erzählen, andere brauchen erst mal etwas Ruhe und Abstand.  Vor allem eines ist ihr aufgefallen: „Wie engagiert sich die Kinder und Jugendlichen umeinander kümmern.“
Freiraum geben – das war immer die große Stärke des Tabor. Genau da will Sr. Birgit weitermachen, ermutigen, bestärken. Das beste Beispiel dafür sei das Hausaufgabenprojekt „lern.bar“. Es lebt davon, dass ältere Jugendliche jüngere unterstützen, zum Teil geben sie sogar Nachhilfe. Einfach so. „Als Teamer können Jugendliche hier Verantwortung übernehmen, werden dabei unterstützt – und tanken so jede Menge Selbstbewusstsein.“

Aber es gibt dabei noch eine zweite Entwicklung: „Die Identifikation mit dem Tabor ist groß“, sagt Sr. Birgit. Das lasse viele Möglichkeiten zu, was im Zentrum angeboten werden kann. Spieleabende für Ältere, kleine Konzerte mit Live-Musik, Theaterprojekte und anderes mehr: „Wir laden zum Mitmachen ein, wir bieten einen Rahmen, in dem Kinder und Jugendliche sich entfalten können.“

Mittlerweile sucht Sr. Birgit, die nebenbei noch Fernstudentin in Theologie ist, beim Gang in die benachbarte Stadtbibliothek nicht mehr nur nach Fachliteratur über Gott, Glauben und Dogmatik. Sondern auch nach Bastelideen. Denn jeden Dienstag gibt es „offen.bar“ – ein Kreativangebot. „Da brauche ich gute Ideen“, meint Sr. Birgit.

Die Ordensfrau wird diese Arbeit nicht allein oder ausschließlich mit Ehrenamtlichen machen: „Das Team wird weiter wachsen“, verspricht Diözesanjugendseelsorger Andreas Braun. Eines ist ihm dabei wichtig: „Wir sind kein reines Jugendfreizeitheim, wir sind ein jugendpastorales Zentrum.“ Das Tabor hat eine seelsorgliche Ausrichtung. Das ist für Braun mit bestimmten Werten und Haltungen verbunden: authentisch und glaubend, zuhören und präsent sein, Gemeinschaft vorleben und ermöglichen: „Im Tabor bin ich immer als Priester erkennbar und ansprechbar.“

Begleitung und Begegnung sind Eckpunkte der Spiritualität der Congregation Jesu. Insofern ist wohl wieder mehr Fügung als Wunder, dass Sr. Birgit die Arbeit im Tabor vor allem eines macht – jede Menge Spaß.

Von Rüdiger Wala

 

Angebote im Tabor

Das Tabor ist in Sichtweite des Neuen Rathauses in Hannover zu finden – in der Hildesheimer Straße 32 (30159 Hannover).

Das Café Tabor ist von montags bis donnerstags in der Zeit von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Freitags nur, wenn Veranstaltungen laufen.

Das Hausaufgabenprojekt lern.bar wird von montags bis donnerstags in der Zeit von 15 bis 17 Uhr angeboten und ist kostenlos.

Jeweils dienstags gibt es „offen.bar“ (16.30 bis 17.30 Uhr) – ein Angebot in Sachen Kreativität und Basteln.

Weitere Infos unter www.jupa-hannover.de oder E-Mail: tabor@jupa-hannover.de