16.09.2021

Obfrau der Expertengruppe übergibt Studie

Viele Interviews und hunderte Akten

Es war ein langer Weg bis zur Fertigstellung der Studie „Wissen teilen – Hildesheim“ in der eine von Bischof Heiner Wilmer eingesetzte unabhängige Expertengruppe die Amtszeit von Bischof Heinrich Maria Janssen durchleuchtete. Nach zwei Jahren konnte Antje Niewisch-Lennartz nun die umfangreiche Studie dem Auftraggeber überreichen.

Antje Niewisch-Lennartz, Obfrau der Expertengruppe,
überreicht Bischof Heiner Wilmer (Mitte) und Jens Windel
(rechts), Gründer der Betroffeneninitiative-Hildesheim,
ein Exemplar der zweibändigen Studie.

Die Untersuchung zur „Aufklärung und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim während der Amtszeit von Bischof Heinrich Maria Janssen“ wurde 2019 von Bischof Heiner Wilmer in Auftrag gegeben. Die Expertengruppe wurde von der ehemaligen niedersächsischen Justizministerin und langjährigen Richterin Antje Niewisch-Lennartz als Obfrau geleitet. Sie führte zahlreiche persönliche Interviews mit Betroffenen und machte an vielen Orten des Bistums Gesprächsangebote. Die von ihr geführten Gespräche fanden auch mit solchen Gesprächspartnern statt, die sich dezidiert für das unbescholtene Ansehen von Bischof Janssen einsetzen sowie mit Mitgliedern der Familie des Bischofs.

Der ehemalige Oberstaatsanwalt und Nazijäger Kurt Schrimm durchforstete hunderte von Akten. Die Expertengruppe hatte Zugang zu den Personalakten inklusive der Sonderakten und auch zu denen des Geheimarchivs. Zugang bestand auch zu den nicht personenbezogenen Akten im Bistumsarchiv sowie den Aktenbeständen, die vom Bistumsarchiv erreichbar waren, wie die Akten des Offizialats. Die Akten der Einrichtungen der Kinder und Jugendhilfe wurden – auch wenn Träger nicht das Bistum Hildesheim war – hinzugezogen.
 

Der ehemalige Oberstaatsanwalt Kurt Schrimm durchfors­tete
akribisch hunderte von Akten für die Studie.

Grundlage für die sozialwissenschaftliche Analyse des Institut für Praxisforschung und Projektberatung aus München (IPP) waren strukturierte Interviews mit Betroffenen. Gesprochen wurde mit Zeitzeugen sowie ehemaligen und gegenwärtigen Mitarbeitern des Domhofs. Hinzu kamen Auskünfte der Bistumsverwaltung und Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung. 

Matthias Bode

 

Jens Windel, Gründer der
Betroffeneninitiative-Hildesheim

 

 

„Einzig und allein zählte der Machterhalt, den die Institution Kirche über das Wohl des verschuldeten Leids stellte und der unerschütterliche Wille, Sexualität und sexuelle Gewalt zu tabuisieren.“
 

 

 

 

 

Peter Caspari, Institut für Praxisforschung
und Projektberatung (IPP) München

 

 

„Die katholische Kirche mischt sich seit jeher ein in machtvoller und anakronistischer Weise in die menschliche Sexualität. Symptom dieses Widerspruchs sind mächtige, aber emotional, sozial und sexuell bedürftige Kleriker, die andere Menschen mit der Ausübung ihrer Sexualität schädigen.“
 

 

 

Antje Niewisch-Lennartz,
Obfrau der Expertengruppe

 

 

 

 

„Gewählt wurde Selbstschutz vor staatlicher Strafverfolgung. In einem Fall wurde ein Priester nachweislich mit Unterstützung einer Institution der Deutschen Bischofskonferenz konspirativ in Lateinamerika untergebracht.“